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Schreinerei wird Raub der Flammen: So verlief der Großeinsatz in Seeon

31.03.2023 | Stand 17.09.2023, 0:11 Uhr |
Peter Volk

Vollständig ausgebrannt ist das Werkstattgebäude, das schließlich einstürzte. −Foto: Fdl/Lamminger

Bei einem Großbrand vollständig zerstört worden ist das Werkstattgebäude einer Schreinerei in Seeon (Landkreis Traunstein) in der Weinbergstraße am Freitagvormittag.





Trotz eines Großaufgebots an Feuerwehr-Einsatzkräften und einem umfangreichen Löscheinsatz war nicht zu verhindern, dass die Werkstatt niederbrannte. Die Feuerwehren konzentrierten sich darauf, das nahestehende Wohnhaus vor den Flammen zu schützen. Das Schreinereigebäude war nicht zu retten. Die Floriansjünger mussten es kontrolliert niederbrennen lassen.

Nach ersten Schätzungen der Polizei entstand Sachschaden in Millionenhöhe. Was die Ursache für das verheerende Feuer war, ist noch nicht bekannt. Die Kriminalpolizei und die Brandfahnder des Fachkommissariats haben die Ermittlungen aufgenommen.

Mächtige Rauchsäule



Gegen 11 Uhr wurde über Notruf gemeldet, dass Flammen aus dem Kamin des Spänebunkers der Schreinerei züngeln. Die Integrierte Leitstelle Traunstein löste Großalarm (Stufe B4) für die Feuerwehren im nördlichen Landkreis aus. Auf der Anfahrt wies den Einsatzkräften eine mächtige Rauchsäule den Weg zum Brandort.

Die ersteintreffenden Wehren evakuierten die acht Mitarbeiter des Schreinereibetriebes, die unverletzt in Sicherheit gebracht wurden. Zunächst versuchten Atemschutzträger im Innenangriff zum Brandherd vorzudringen, mussten sich aber wegen der extremen Hitzeentwicklung nach kurzer Zeit aus dem Gebäude zurückziehen. Wenig später kam es zur Durchzündung, und das rund 70 Meter lange Werkstattgebäude stand in vollem Umfang in Flammen. Zahlreiche Löschtrupps, wegen der starken Rauchentwicklung zum Eigenschutz mit Atemschutzgeräten ausgerüstet, brachten sich um das Gebäude in Stellung. Auch von Drehleitern aus, versuchten die Floriansjünger dem Feuer Herr zu werden.

Dachstuhl stürzte in sich zusammen



Etwa eine Stunde nach Einsatzbeginn mussten die Feuerwehren feststellen, dass das Werkstattgebäude nicht gehalten werden kann. Man musste es kontrolliert niederbrennen lassen. Der Dachstuhl stürzte wenig später in sich zusammen, zuerst im nördlichen, dann im südlichen Teil. Zerstört wurden auch große Holzvorräte, die am Gebäude gelagert waren, ebenso zwei Autos, die untergestellt waren. Das Dach war vollständig mit Photovoltaikmodulen belegt; die PV-Anlage wurde ebenfalls ein Raub der Flammen.

Weil die vollständige Zerstörung der Werkstatthalle nicht abgewendet werden konnte, richteten die Wehren ihr Augenmerk darauf, das benachbarten Wohnhaus vor einem Übergreifen der Flammen zu schützen. Dies gelang auch weitestgehend.

Löschwasser lief nicht in den Seeoner See



Wegen des extremen Brandrauches und mächtiger Rauchschwaden veranlasste die Einsatzleitung eine Warnmeldung über Rundfunk. Die Bewohner im Umkreis des Brandortes wurden aufgefordert, Fenster und Türe geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten. Auch wurde der Messzug Süd, bestehend aus Helfern der Feuerwehren Traunstein und Kammer, angefordert. Dieser führte in südliche Richtung, in Seeon im Hauptort, im Kloster Seeon und in Scheitzenberg laufende Messungen zur Schadstoffbelastung der Luft durch, ebenso in Richtung Nord und Nordost in Thalham, Großbergham, Kleinbergham, Neustadl, Waltenberg, Engering, Eglhart und Landertsham. Außer der Geruchsbelastung durch den Brandrauch konnte aber keinerlei Gefährdung für die Bevölkerung festgestellt werden.

Das Löschwasser wurde soweit wie möglich aufgefangen und in die Kanalisation geleitet. Ein Einfließen in den Seeoner See wurde verhindert. Löschschaum wurde nicht eingesetzt, man löschte ausschließlich mit Wasser, das teilweise aus dem Seeoner See angesaugt und in zahlreichen Schlauchleitungen zum Brandort gepumpt wurde.

Rund 250 Feuerwehrkameraden im Einsatz



Zur weiteren Unterstützung wurde die Feuerwehr Tacherting alarmiert, die an der Nordseite des Seeoner Sees sicherheitshalber Ölsperren einbrachte. Diese werden mehrere Tage im Wasser belassen und kontrolliert. Fachleute des Wasserwirtschaftsamtes waren ebenfalls vor Ort, um bei Bedarf Maßnahmen zum Schutz der Wasserqualität und der Umwelt einzuleiten. Ebenso wurde ein Fischerei-Beauftragter verständigt.

Im Löscheinsatz waren insgesamt rund 250 Feuerwehrmänner- und frauen der Wehren aus Seeon, Seebruck, Truchtlaching, Rabenden, Obing, Pittenhart, Trostberg, Kienberg, Stein an der Traun, Albertaich und Eggstätt. Die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) sorgte für die Sicherstellung der Kommunikationswege und die Dokumentation des Einsatzes. Geleitet wurde der Großeinsatz von Stefan Anderl, Kommandant der Feuerwehr Seeon, unterstützt von der Kreisbrandinspektion.

Großaufgebot des BRK-Rettungsdienstes vor Ort



Wegen des Großaufgebotes an Feuerwehren, die beim Löscheinsatz in Seeon gebunden waren, stand für weite Bereiche des nordöstlichen Landkreises keine Wehr für den Fall eines weiteren Einsatzes zur Verfügung. Deshalb wurden Fahrzeuge und Mannschaften der Feuerwehren Petting und Waging vorübergehend zur Bereitstellung und Brandschutzabstellung nach Seeon beordert.

Auch ein Großaufgebot des BRK-Rettungsdienstes war vor Ort. Zwei Notärzte, mehrere Rettungs- und Krankenwagen sowie ein Schnelleinsatzgruppe eilten an den Brandort, mussten aber nicht eingreifen.

Nach ersten Informationen wurde bei dem Feuer niemand verletzt. Gegen 14 Uhr war das Feuer unter Kontrolle und die Löscharbeiten weitgehend beendet. Mit einem Bagger wurde die abgebrannte Gebäudehülle soweit abgeräumt, dass keine Einsturzgefahr bestand. Die Nachlöscharbeiten durch die örtliche Feuerwehr dauerten bis zum Freitagabend.