Platz 2 in Innsbruck verschenkt
Riesen Rennen mit Schönheitsfehler: Patrick Ehrenthaler übersieht nach 58 Kilometern Abzweigung

09.05.2024 | Stand 09.05.2024, 8:45 Uhr |

Fassungslos bei der Ankunft: Patrick Ehrenthaler. − Foto: Milos Jakobi

Zur Einstimmung auf eine intensive Trailrunning-Saison hat sich Patrick Ehrenthaler mit dem Innsbrucker Alpine Trailrun Festival (IATV) eines der größten Events in Europa ausgesucht, um die Form zu überprüfen. Mehr als 5000 Aktive machten sich hier über sieben verschiedene Streckenlängen auf den Weg.

„Da ich in diesem Jahr einige längere Distanzen laufen werde, entschied ich mich für die 65 km lange Variante mit knapp 2450 Höhenmetern, was mir für den ersten Formcheck ideal erschien. Zudem war mit Andreas Reiterer der amtierende Vizeweltmeister am Start, was einen natürlich besonders motiviert. Es ist ein tolles Erlebnis, sich mit so einem Ausnahme-Athleten messen zu dürfen“, berichtet der 33-Jährige, der seit dieser Saison für die LG Passau startet.

Nach dem Start frühmorgens hatte sich der Tittlinger vorgenommen, kontrolliert sein eigenes Rennen zu laufen. Er sah es als wenig zielführend an, das Tempo des Südtirolers Reiterer mitzugehen. Aus Innsbruck hinaus ging es den ersten Anstieg hoch zur Hungerburg und weiter über den Bärfellweg zur höchsten Stelle des Rennens auf knapp 1100 Metern. Während der ersten neun Kilometer hatte sich eine Vierergruppe gebildet, Ehrenthaler hängte sich hier dran. Nach dem ersten Downhill wurde bei Völs erneut der Inn überquert, um den zweiten Anstieg Richtung Birgitz in Angriff zu nehmen. Dort gab es an einer Versorgungsstelle die Gelegenheit, die Reserven aufzufüllen. Der Niederbayer war die folgenden zehn Kilometer in einem Trio unterwegs. Beim vorletzten längeren Anstieg beschloss der Tittlinger, das Tempo anzuziehen. Kontrahent Malte Lüttermann musste abreißen lassen, Ehrenthaler hatte nur noch Gerhard Kaufmann (Team Biafitsystem) neben sich, den er aber nach der vierten Versorgungsstelle abschütteln konnte.

Unfreiwillige Extrarunde kostet den Tittlinger knapp 20 Minuten



Beim folgenden Downhill nach Hall wurde das Tempo hochgehalten, Patrick Ehrenthaler hatte sich ein Polster von etwa 90 Sekunden herausgelaufen, ehe es in den finalen Anstieg ging. Hier wuchs der Vorsprung sogar auf vier Minuten an, der Topfavorit Andreas Reiterer war etwa eine Viertelstunde voraus. Über den Rumer Alm-Weg ging es zur höchsten Stelle dieses Abschnitts, es war bei Kilometer 58 eigentlich „nur noch“ der Weg hinab nach Innsbruck zu bewältigen. Eigentlich. Der 33-Jährige fühlte sich nach wie vor sehr gut, hielt das Tempo hoch und folgte weiter der Streckenmarkierung bzw. den Fähnchen. Nach einiger Zeit wunderte er sich über ungewöhnlich viele Anstiege. Er nahm Kontakt mit seinen Teambetreuern im Zielbereich auf. Die Durchgabe des Standorts brachte die bittere Erkenntnis: Patrick Ehrenthaler hatte die Abzweigung ins Tal komplett übersehen und war auf die 25-Kilometer-Schleife eingebogen. Die unfreiwillige Extrarunde kostete den Tittlinger knapp 20 Minuten, der sicher geglaubte 2. Platz war weg. Am Ende kam er 15 Sekunden hinter dem Dritten ins Ziel. Aber auch Rang 4 sollte es nicht sein, denn Ehrenthaler wurde nachträglich aus der Wertung genommen. Er hatte auf der Suche nach dem richtigen Weg wohl eine Zeitmessmatte übersprungen. Letztlich hatte er nach 67,5 km und gut 2600 Hm das Ziel in einer Zeit von 5:37 Stunden erreicht, was einer Durchschnitts-Pace von 5:02 Minuten/km entspricht.

Die Enttäuschung war zunächst groß. Patrick Ehrenthaler hatte sich durch eine kleine Unachtsamkeit selbst um die Gelegenheit gebracht, neben dem Vizeweltmeister Andreas Reiterer in einer Trailrunning-Hochburg wie Innsbruck auf dem Stockerl zu stehen. Am Ende nahm er aber doch viel Positives mit von diesem Event. „In erster Linie wollte ich meine Vorbereitung testen und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Die Verpflegung hat gepasst und ich fühle mich bereit für mein erstes 80 km-Rennen und mein erstes Saisonhighlight beim Lavaredo Ultratrail in den Dolomiten. Im November steht der zweite Höhepunkt bei meinem ersten 100 km-Rennen in Capetown/ Südafrika auf dem Plan“, blickt der Tittlinger wieder nach vorne.

− red