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Dublins Herz schlägt grün

06.04.2024 | Stand 06.04.2024, 5:00 Uhr |

Dublin liegt am Wasser: Die Liffey trennt den Norden vom Süden der Stadt. Der Fluss wird wegen seines dunklen Wassers auch scherzhaft als Guinness-Fluss bezeichnet.  − Fotos: Woipich

Wenn die Iren am 17. März ausgelassen ihren Nationalheiligen St. Patrick feiern, erstrahlt ganz Dublin in grünen Farben. Die Stadt an der Ostküste Irlands hat neben der berühmten Parade jede Menge Kultur und eine einzigartige Atmosphäre zu bieten.

Grün soweit das Auge reicht. An jeder Straßenecke rund um das GPO Museum und die Christ Church Cathedral drängen sich Menschen, um einen guten Blick zu ergattern. Am St. Patrick’s Day trägt ein jeder, der in Dublin rund um das Festival Gelände unterwegs ist, grün. Egal ob Pullover, Hut, Schal, Perücke oder die Gesichtsbemalung – am 17. März, dem Tag, an dem Irland seinem Beinamen „Die grüne Insel“ mehr als gerecht wird, kommt keiner in Irland an der Farbe vorbei. Doch warum steht gerade Grün so sehr für die Iren und ihre Insel?

„Diese Entwicklung geht zurück auf die irische Unabhängigkeitsbewegung im 18. Jahrhundert. Blau war die Farbe der Monarchie und man wollte sich bewusst davon absetzen“, erklärt Stadtführer Daragh Fitzgerald und ergänzt schmunzelnd: „Und natürlich weil die Insel so viele Grünflächen hat.“ Genau wie anderswo in Irland sowie vielerorts weltweit finden in Irlands Hauptstadt Dublin am Nationalfeiertag Festivitäten statt. Highlight dabei ist unbestritten die St. Patrick’s Day Parade.

Studieren wie Oscar Wilde und Sheldon Cooper

Nicht unweit des Dublin Castles, an dem während der Parade am 17. März Hunderte Artisten und Künstler mit ihren dekorierten Festwägen vorbeiziehen, befindet sich das altehrwürdige Trinity College. Literarische Größen wie Oscar Wilde, Samuel Beckett und Bram Stoker studierten dort. Auch Ethan D’Arcy gehört zur stolzen Studentenschaft der renommierten Universität. Auf dem Campus erzählt er, welch kluge Köpfe auch heute noch in Dublin ausgebildet werden.

„Von 14000 Studierenden schafften dieses Semester 68 die Prüfung für das alljährlich zu vergebende Stipendium. Wer besteht, dem wird Kost und Logis während des Studiums gestellt. Oscar Wilde gehörte einst zu den wenigen Glücklichen“, erzählt Ethan. Auch wenn er selbst es nicht geschafft habe, seine Familie sei sehr stolz, dass er am College theoretische Physik studiert. Auf die Frage, was ihr Sohn dort eigentlich genau mache, hätte sich seine Mutter eine amüsante Antwort zurechtgelegt: „Sheldon Cooper, sagt sie nur“, erzählt der Student. In der auch hierzulande beliebten TV-Sitcom um eine Gruppe nerdiger Wissenschaftler ist dieser der geniale theoretische Physiker mit einem IQ von 187.

Der Glockenturm, auch Kampanile genannt, im Zentrum des Campus ist eines der Wahrzeichen Dublins. Studenten des Trinity College meiden es aber, unter dem Turm durchzulaufen. Obwohl ein kurzer Schauer vom Himmel fällt und sich alle umstehenden Menschen unter den Turm flüchten, bleibt Ethan außerhalb stehen. „Ein Aberglaube besagt, dass jeder Student, der unter dem Kampanile durchgeht, seine Prüfungen nicht bestehen wird. Deshalb gehe ich erst durch, wenn ich mein Examen habe“, sagt der Student, lacht und spannt einen großen Regenschirm auf.

Um dem Regen zu entfliehen, mit dem man in Irland immer rechnen sollte, wie Ethan anmerkt, lohnt sich ein Abstecher in die älteste Bibliothek der Stadt, die auch am Campus beheimatet ist und zum Trinity College gehört. Ihre Sammlung umfasst über viereinhalb Millionen Bücher sowie eine große Sammlung von Manuskripten, historischen Handschriften und alter Drucke. „Übrigens erhält sie als einzige Bibliothek Irlands ein Pflichtexemplar aller in Irland sowie dem Vereinigten Königreich veröffentlichten Bücher“, sagt Ethan D’Arcy stolz.

Besonders beeindruckend für Buchliebhaber ist der sogenannte Long Room, eine 64 Meter lange und rund zwölf Meter hohe Halle, deren Wände komplett mit Holzregalen verkleidet sind, in denen die wichtigen Werke in Ledereinbänden gelagert werden.

Die Bibliothek wird zwar gerade umfassend renoviert und die meisten Bücher wurden zur Aufbewahrung aus den Regalen des Long Rooms entfernt. Die Besucher werden jedoch nicht enttäuscht, denn dieser Raum beherbergt derzeit das Installationskunstwerk „Gaia”, eine spektakuläre beleuchtete Nachbildung der Erde von Luke Jerram.

Ein kühles Getränk im ältesten Pub der Stadt

Wer in Irland und insbesondere in Dublin unterwegs ist, der sollte sich einen Pub-Besuch nicht entgehen lassen. Die Lokale gehören ganz ähnlich wie in England zum alltäglichen Leben der Menschen und so ist es nicht verwunderlich, dass sich in den zum Teil verwinkelten Gassen der Stadt ein Pub an das nächste reiht. Zu den berühmtesten zählt die Temple Bar im gleichnamigen Stadtviertel. Wem es dort zu voll ist, dem sei das älteste Pub der Stadt – das Brazen Head am Merchant’s Quay in der Bridge Street – rund 20 Gehminuten vom Temple Bar district entfernt, ans Herz gelegt. Die urigen und mit Requisiten ausgestatteten Räume sowie der großzügige Außenbereich des Pubs ziehen Einheimische und Touristen an, um in gemütlicher Atmosphäre und abends bei Livemusik ein kühles Getränk zu genießen.

Apropos kühles Getränk: Zu den beliebtesten zählt in Irland das Bier, insbesondere wird gerne das dunkle Guinness getrunken. Zelebriert wird das irische Nationalgetränk in Dublin im Guinness Storehouse – eine Erlebnisbrauerei und Museum, in dem die Geschichte des berühmten irischen Bieres auf interaktive Art und Weise nacherzählt wird. Die Grundlage des Guinness bildet die Gerste, die in Irland angebaut wird. Und diese ist auch wichtiger Bestandteil eines zweiten alkoholhaltigen Getränks, das auf der grünen Insel Tradition hat.

„Irischer Whiskey hat eine lange Geschichte. Im 19. Jahrhundert gab es einen großen Einbruch, weshalb später die Mehrheit der irischen Brennereien verschwunden waren“, erzählt Whiskey-Experte John Callely. Zu den bekanntesten zählte daher lange lediglich der Jameson-Whiskey, der heute in die ganze Welt exportiert wird. „Inzwischen gibt es wieder mehr Destillerien im Land und das Getränk erlebt einen Boom“, sagt John Callely stolz.

Und wie schmeckt der irische Single Malt? Rauchig, erdig und definitiv vielschichtig – wie passend für die grüne Insel, auf der sich die Lebensfreude, Herzlichkeit und der Stolz ihrer Einwohner den vielen Besuchern offenbart.


Redakteurin Sarah Woipich recherchierte rund um den St. Patrick’s Day in Dublin auf Einladung von Tourism Irland.


Dublin ist die Hauptstadt der Republik Irland und liegt an der Ostküste des Landes an der Mündung des Flusses Liffey. In der quirligen Metropole mit dem großen kulturellen Angebot leben etwas mehr als 500000 Menschen.

ANREISEN
Von München per Direktflug nach Dublin. Mit dem Taxi, Leihauto oder Bus geht es bei guter Verkehrslage in rund 20 Minuten direkt ins Zentrum der irischen Hauptstadt.

ÜBERNACHTEN
Ein guter Ausgangspunkt für einen Städtetrip bietet wegen seiner zentralen Lage das Boutique-Hotel Iveagh Garden. Vom Vier-Sterne-Hotel aus lassen sich Sehenswürdigkeiten wie das Trinity College bequem zu Fuß erreichen.

AUSFLUGSTIPP
Das Malahide Castle ist eine Burg in der Nähe des Seebades Malahide, rund 14 Kilometer nördlich von Dublin. Die Anlage ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Dublin aus zu erreichen. Ausgestattet mit schönen alten Möbeln und einer großen Sammlung irischer Gemälde ist das Haus durchaus einen Besuch wert. Sehenswert ist auch die große Gartenanlage rund um das Schloss.

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