Schutz für Kleinfische
Rückzug in den kühlen Tenglinger Quellbach

21.04.2024 | Stand 21.04.2024, 13:16 Uhr

Der neu gestaltete Mündungsbereichist für Fische und andere Wasserorganismen wieder frei durchgängig. Die Sitzsteine laden zum Verweilen am See ein.  − Fotos: WWA Traunstein

Letzte Woche hat das Wasserwirtschaftsamt Traunstein in Zusammenarbeit mit der Verwaltungsgemeinschaft Waging im Rahmen einer Lehrbaustelle den Tenglinger Bach auf einer Strecke von 900 Meter für Fische durchgängig gemacht und die Verbindung zum Tachinger See wiederhergestellt. Am Mittwochnachmittag fand vor Ort eine Live-Baustelle statt. Der Gewässernachbarschaftsberater des Landkreises Traunstein Andreas Philipp, Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes, hatte dazu Vertreter der Gemeinden eingeladen. Er erklärte, wie mit einfachen Mitteln eine Durchgängigkeit für Fische hergestellt und der Bach ökologisch aufgewertet werden kann. Die Kosten der Baustelle belaufen sich auf rund 5000 Euro und werden von der Gemeinde übernommen.
Rund vier Kilometer westlich von Tengling entspringt der Tenglinger Bach und mündet im gleichnamigen Strandbad in den Tachinger See. Er ist im Unterlauf als Gewässer 3. Ordnung eingestuft und die Gemeinde daher für den Unterhalt zuständig. Der Tachinger See, ein Gewässer 1. Ordnung, wird vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein betreut.
Die strikte Trennung der beiden Gewässer bestand nicht nur auf dem Papier. In der Realität schnitt ein übermächtiger, betonierter Steinriegel den Bach vom See ab, ein altes Bauwerk, das in Zusammenhang mit der Abwasserentsorgung errichtet wurde. Das ankommende Bachwasser gelangte über eine rund 50 Meter lange, vergitterte Rohrleitung in den See.
Für Fische aus dem Tachinger See bestand keine Chance, den Bach hinaufzuziehen, um dort abzulaichen. Und ausgerechnet hier, wo der See im Sommer sehr hohe Temperaturen erreicht, hätte der kühle Quellbach vielen Arten, vor allem Kleinfischen, die rettende Rückzugsmöglichkeit bieten können.
Die Zustimmung des Gemeinderates machte den Weg frei zur baulichen Umsetzung. Tachings erste Bürgermeisterin Stefanie Lang zeigt sich begeistert von der fertigen Maßnahme: „Das Ergebnis kann sich sehen lassen, ein deutlicher Mehrgewinn für die Ökologie unserer Gewässer in der Gemeinde.“
Wegen des hohen ökologischen Potenzials der Maßnahme entschied die Fachberatung für Fischerei am Bezirk Oberbayern, die Entwicklung des Fischbestandes im Bach zu beobachten. Dazu wurde kurz vor Baubeginn eine Elektrobefischung mit Unterstützung des Fischereirechtsinhabers durchgeführt. Rund 30 kleine Bachforellen und ebenso viele kleine Aale konnten auf einer Länge von 400 Meter abgefischt und anschließend umgesetzt werden, damit sie während der Baumaßnahme keinen Schaden erleiden. In weiteren Befischungen in den nächsten Jahren kann dann genau ermittelt werden, wie sich die Maßnahmen auf den Fischbestand im Bach auswirken.
Die Baumaßnahme selbst war innerhalb einer Woche erledigt. Fachlich begleitet von der Flussmeisterstelle Salzach, die zum Wasserwirtschaftsamt Traunstein gehört, wurde das alte Bauwerk samt Rohrleitung mit einem Bagger ausgebaut, die Schlammanlandungen entfernt und gegen Kies ausgetauscht. Im weiteren Verlauf des Baches wurden noch zwei weitere Hindernisse umgebaut, so dass eine freie Wanderstrecke von rund 900 Meter entstand. Der verwendete Kies stammt kostengünstig aus einem Kiesfangbecken des Wasserwirtschaftsamtes am Höllenbach in Waging. Wurzelstöcke, Kopfweiden und einzelne Steine wurden bei Renaturierungsmaßnahmen an der Salzach gewonnen. Die Transportarbeiten erledigte die Gemeinde im Eigenbetrieb, die Kosten der Maßnahme kann sie sich zu 30 Prozent vom Freistaat Bayern fördern lassen.