Malching
Anwohner klagen über Autobahn-Lärm: „Seit zwei Jahren wird es immer lauter“

16.02.2023 | Stand 17.09.2023, 2:55 Uhr |

„In den letzten beiden Jahren ist die Autobahn laut geworden“, berichten Anwohnerinnen und Anwohner von Malching bei einem Ortstermin mit Kreisrätin Brigitte Steidele (r.) und dem Vorsitzenden der Landkreis-Grünen, Dirk Wildt. −Foto: red

Das Haus der Kopfhammers ist gut 800 Meter Luftlinie von der A94 entfernt. Die Autobahn liegt wie auf einem Wall ein paar Meter erhöht, zwischen den vier Spuren und dem Haus gibt es keine Bäume, keine Hecke, nichts, das die Sichtachse unterbrechen würde.

2013 ging das knapp sechs Kilometer lange A94-Teilstück Malching in Betrieb, demnächst soll die neue Autobahn von München bis Pocking an der A 3 durchgehend befahrbar sein. „Anfangs haben wir störenden Lärm bedingt wahrgenommen, aber seit etwa zwei Jahren ist es stetig lauter geworden und wir fühlen uns extrem belästigt“, sagt Kerstin Kopfhammer, die zusammen mit Eltern und weiteren Betroffenen zum Ortstermin mit den Landkreis-Grünen eingeladen hat.

Im Garten kaum mehr ruhige Momente

Abgesehen von Sonntagen und seltenen Wetterlagen wie Nebel, müssten sie nachts ihre Fenster schließen, am Tage gäbe es im Garten kaum noch ruhige Momente. Eine Nachbarin bezeichnet die Belästigung als „Dauerlärm“ und beklagt: „Am schlimmsten ist der Übergang von Sommer- zu Winterreifen.“

Malching schmiegt sich an eine Anhöhe, an eine kleine Bergkette. Wer sein Haus am Hang habe, leide noch stärker. Es gäbe Nachbarn, die könnten sich an manchen Tagen auf dem Balkon nicht mehr in üblicher Lautstärke unterhalten. Walter Kopfhammer sehnt sich schon den Hochsommer herbei, „denn wenn der Mais zwei Meter hoch gewachsen ist, dann haben wir sechs Wochen ein bisschen mehr Ruhe.“

Ortstermin mit den Landkreis-Grünen

Kreisrätin Brigitte Steidele und Dirk Wildt, der Vorsitzende der Landkreis-Grünen, sind zu dem Ortstermin am Malchinger Bach gekommen, auf einer kleinen Brücke direkt über der Autobahn. Es ist Sonntag, kaum Verkehr, doch heranfahrende Autos können sie von weitem hören, vereinzelte Lastwagen bereits ab mehreren hundert Metern Entfernung.

59 dB(A) darf die Autobahn in der Nähe der Betroffenen am Tage laut sein – im Schnitt. Also in Spitzenzeiten auch deutlich darüber. 59 dB(A), das ist in etwa die Lautstärke eines normalen Gesprächs und die eines Rasenmähers in zehn Meter Entfernung. Nachts dann nur noch 49 dB(A), was einem leisen Gespräch und Vogelgezwitscher entsprechen soll. Sollten diese Werte dauerhaft überschritten werden, dann haben Betroffene ein Recht auf Lärmschutz. Das können Lärmschutzfenster sein aber auch Lärmschutzwände oder sogenannter Flüsterasphalt. Alte Autobahnen dürfen übrigens lauter sein, weil zu ihrer Bauzeit höhere Werte erlaubt waren.

Lärmmessung als erster Schritt

Brigitte Steidele weiß aus Erfahrung, dass es erfolgreicher ist, wenn sich Gemeinden um Lärmschutz kümmern und diesen einfordern, schon bevor eine Autobahn gebaut wird. Sie habe sich in Bad Füssing engagiert, nun wird hier die Abschirmung in Richtung Süden durch einen Wall verbessert. Die Sorgen der Anlieger kann sie gut nachvollziehen: „Die Lkw werden mit jedem neu fertig gestellten Kilometer mehr, denn schließlich handelt es sich um eine Transitautobahn, die West und Ost verbindet. Die Lebensqualität der Menschen wird hier extrem beeinträchtigt.“

„Wie geht es weiter?“, wollen die Betroffenen wissen. „Wenn in einem ersten Schritt eine beispielhafte Messung gemacht würde, können Sie vermutlich abschätzen, ob die gesetzlichen Grenzwerte überschritten werden“, sagt Dirk Wildt, „und vielleicht unterstützt Sie die Gemeinde.“

− red