Gewitter in der Nacht
Schwere Unwetter in Bayern: Mehrere Menschen verletzt, viele gesperrte Bahnstrecken

25.08.2023 | Stand 12.09.2023, 22:54 Uhr |

Ein umgestürzter Baum liegt auf einem Wohnmobil auf einem Campingplatz. Bei einem schweren Unwetter sind am Donnerstag auf einem Campingplatz in Lindau am Bodensee mehrere Bäume umgestürzt. Drei Menschen wurden verletzt, einer davon schwer, wie ein Polizeisprecher sagte. −Foto: Tobias Beck/dpa

Nach vielen Tagen Hitze sind schwere Unwetter über Bayern gezogen. Die Bilanz: zahllose umgestürzte Bäume, gesperrte Bahnstrecken und Straßen – auch in der Region. Mit am heftigsten trifft es einen Campingplatz in Lindau.





Die schweren Unwetter über Bayern haben am Donnerstagabend und in der Nacht auf Freitag auch Verletzte gefordert. Auf einem Campingplatz in Lindau am Bodensee waren mehrere Bäume umgestürzt, sechs Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Aus Sicherheitsgründen räumten die Behörden den Platz, rund 900 Camper verbrachten die Nacht in der Inselhalle, wie ein Polizeisprecher am Freitagmorgen sagte. Erst bei Tageslicht können die Unwetterschäden eingeschätzt und beseitigt werden, hieß es.

Biker bei Motorradtreffen verletzt



Bei einem Motorradtreffen im schwäbischen Nördlingen wurden zahlreiche Biker vom Unwetter überrascht. Zehn Menschen seien von umherfliegenden Teilen verletzt worden, teilte die Polizei mit. Drei von ihnen kamen ins Krankenhaus. Nach Polizeiangaben hatten sich ersten Erkenntnissen zufolge bei dem Treffen auf dem Nördlinger Flugplatz auch Teile einer Bühne gelöst. Im rund 75 Kilometer entfernten Augsburg berichtete die Polizei von umgestürzten Bäumen und vollgelaufenen Unterführungen. Dort gab es nach Angaben einer Sprecherin zunächst aber keine Berichte über Verletzte.

Polizeibilanz nach Unwetter



Die Unwetterfront war am Abend von West nach Ost über weite Teile des Freistaats gezogen. Zahllose Bäume stürzten um und behinderten vielerorts den Straßenverkehr, wie es aus mehreren Polizeipräsidien übereinstimmend hieß. Mehrere hundert Einsätze habe es dabei allein in Nieder- und Oberbayern gegeben.

Blitz schlägt in mehrere Häuser in Oberbayern ein



So kam es neben vereinzelten Stromausfällen in Freising auch zu einem Blitzeinschlag in einer Gaststätte. Menschen wurden dabei nicht verletzt, der Schaden liegt bei 25.000 Euro, wie das Polizeipräsidium Oberbayern/Nord mitteilte. Ein weiterer Blitzeinschlag in ein landwirtschaftliches Gebäude verursachte einen Schaden von 5000 Euro, auch in Ampertshausen schlug der Blitz in ein Wohnhaus ein und löste einen Brand aus - ebenfalls 5000 Euro Schaden.

Bei Dachau sei den Angaben zufolge eine Frau verletzt worden, als ein umgestürzter Baum das Dach ihres Hauses durchbrochen hatte. Aus Niederbayern seien keine Personenschäden bekannt, der Großteil der Einsätze habe sich im Bereich Landshut abgespielt. Dort musste sich die Feuerwehr um zahlreiche umgestürzte Bäume – unter anderem auf einem Campingplatz – kümmern. In der Oberpfalz sei man hingegen glimpflich davon gekommen, so ein Polizeisprecher.

S-Bahn-Verkehr in München eingeschränkt



Das Unwetter beeinträchtigte zudem vielerorts den Bahnverkehr. In München wurde kurz vor Mitternacht der gesamte S-Bahn-Verkehr vorübergehend eingestellt. Die S-Bahnen würden an geeigneten Bahnhöfen zurückgehalten und warteten dort zunächst, hieß es. „Der Grund dafür sind witterungsbedingte Beeinträchtigungen im gesamten Bereich der S-Bahn München.“ Die Strecken im S-Bahn-Netz sollten umgehend begutachtet werden, ob Zugfahrten wieder möglich sind.

Gegen 0.45 Uhr teilte das Unternehmen dann mit, dass der Zugverkehr eingeschränkt wieder aufgenommen werde. Es gebe aber erhebliche Verspätungen. „Zugausfälle und vorzeitige Zugwenden weiterhin möglich, einige Streckenabschnitte weiterhin gesperrt“, hieß es.

Zahlreiche Bahnstrecken in Bayern gesperrt



Auch andernorts in Bayern mussten Bahnstrecken wegen Unwetterschäden gesperrt werden. Wegen Bäumen im Gleis seien etwa die Strecken zwischen Buchloe und Augsburg Hauptbahnhof sowie zwischen Solnhofen und Eichstätt gesperrt, hieß es bei der Deutschen Bahn im Internet. Auch die Strecke Kempten - Lindau-Reutin war demnach nur eingeschränkt befahrbar. Zwischen Starnberg und Tutzing fuhren keine Züge, und auch nicht zwischen Freising und Landshut.

Die Deutsche Bahn teilte im Internet mit: „Es ist mit erheblichen Verzögerungen zu rechnen. Auch kommt es kurzfristig zu Zugausfällen.“ Mehrere der genannten Bahnstrecken könnten am Morgen aber bereits wieder ohne Einschränkungen befahren werden. Wegen Gegenständen in der Oberleitung meldete die Deutsche Bahn am Morgen aber nach wie vor eine Sperrung der Bahnstrecke zwischen Dingolfing und Wörth an der Isar.

In Österreich Autos umgeweht



Auch im Nachbarland Österreich haben die Unwetter Schäden hinterlassen. Speziell im Bundesland Oberösterreich war von umgestürzten Bäumen, kaputten Stromleitungen und abgedeckten Dächern die Rede. Sogar Fahrzeuge sollen laut einer Mitteilung der Feuerwehr umgeweht worden sein. Vereinzelt haben die Einsatzkräfte bei Überflutungen helfen müssen. Im Bundesland wurden rund 130 Einsätze verzeichnet.

Es bleibt stürmisch



Nach den Unwettern bleibt es in Bayern stürmisch. Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) soll es am Freitag im Tagesverlauf und in der Nacht zum Samstag zu teils kräftigen Gewittern bis hin zu Unwettern mit Regen, Hagel und schweren Sturmböen mit rund 100 Kilometern pro Stunde kommen. Die Temperaturen liegen zwischen 27 und 32 Grad. Auch am Samstag wird es laut DWD regnerisch in Bayern. Bei etwas kühleren Temperaturen zwischen 23 und 28 Grad sollen zwischen Alpen und Bayerischem Wald erneut teils starke Gewitter aufziehen.

− dpa/lha