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In Bubach beginnt der Frühling: Apfelbaum und ein Weißdorn blühen

16.09.2023 | Stand 12.10.2023, 10:04 Uhr |

Eine wunderschöne Apfelblüte mitten im September, im Hintergrund ist der fast fertige Apfel zu erkennen.

15. September – die ersten Blätter färben sich und fallen zu Boden. Die mittelfrühen Berner Rosenäpfel werden geerntet, die frühen Apfelsorten sind schon lange von den Bäumen geholt. Die Natur richtet sich auf den Herbst ein, so scheint es. Weit gefehlt: In Bubach beginnt jetzt der Frühling. Ein Apfelbaum blüht, ein paar Meter weiter zeigt ein Weißdorf eine wunderschöne Blüte.

„Dass ein Apfelbaum im September mal eine Nachblüte austreibt, davon hat man schon gehört. Aber nebenan auch noch ein Weißdorn – das ist schon sehr speziell“, freut sich Franz Meindl, Ortsvorsitzender Landau beim Bund Naturschutz. Er ist ständig in der Natur und hat schon viele Sonderheiten erlebt. „Ja, das gibt es“, bestätigt er sich selber. Ja, er habe sicher schon von einer Herbstblüte bei Äpfeln gehört. „Aber das ist sehr, sehr selten. Bei mir im Garten hat es das noch nicht gegeben“, schmunzelt er.

Der Baum steht am Ortsrand

„Da hinten in der Hecke, da blüht der Weißdorn“, kam Eva Neußendorfers Lebensgefährte um die Ecke und sie entgegnete trocken: „Ich hab’s ganz vergessen, unser Apfelbaum hat auch eine Blüte.“ 2012 wurde der Apfelbaum gepflanzt. Dass es Lageräpfel sind und sehr saftig schmecken, wissen beide und auch die Kinder, aber um den Namen der Apfelsorte haben sie sich nie gekümmert. Er steht in einer Ecke des Gartens. Hühner und Ziegen sind in der Nähe, hinter dem Heckenzaun ist der Ortsrand von Bubach und ein Feld, auf dem erst Weizen angebaut war und jetzt eine Zwischenfrucht für sattes Grün sorgt.

Ein paar Äpfel hängen am Baum. „Der hat schon ganz viele abgeworfen“, erzählt Eva Neußendorfer nichts Neues. Dieses Dilemma haben in diesem Jahr ganz viele Obstbaumbesitzer. Der Baum ist nicht in besonders geschützter Lage, die Stelle mit der Blüte liegt bereits am frühen Nachmittag im Schatten. Und so konnte es Eva Neußendorfer vor genau einer Woche gar nicht glauben, was sie da sah: „Ich dachte erst, da ist irgendwas reingeflogen.“ Als sie dann erkannte, dass es eine Blüte ist, entfuhr ihr: „Ja, was ist jetzt denn kaputt?“ Sie konnte es gar nicht glauben und schob den Gedanken wieder zur Seite. Erst als ihr Partner sie viel später ein paar Meter die Hecke entlang entführte, und sie die schöne weiße Blüte sah, brachte sie den Apfelbaum wieder ins Gespräch.

Franz Meindl strahlt: „Diese Geschichte bringt ihr aber schon in der Presse? Das ist doch schön.“ Dabei ist ihm bei diesem Thema inzwischen richtig mulmig zumute. „Wir vom Bund Naturschutz haben schon richtig Panik“, erzählt er. Nächstes Jahr zur 800-Jahrfeier hat die Ortsgruppe der Stadt Landau einen Moststand versprochen. „Dazu brauchen wir mindestens 20 Zentner Äpfel“, berichtet er. „Wo sollen wir die hernehmen?“, fragt er sich. „Heuer ist ein sehr schlechtes Apfeljahr“, sagt Meindl. Einerseits sollte er sich freuen, dass es wieder so viele Insekten gibt. Die Trockenheit und die nassen Wetterperioden haben die Insekten enorm begünstigt. Die befielen die Äpfel. Meindl: „Und die fallen jetzt alle herunter.“

Besser lief es noch bei den Frühäpfel, im Juli war die Ernte der Jakob-Fischer-Äpfel abgeschlossen, jetzt sind die mittelfrühen Äpfel an der Reihe, wobei er das Wort Ernte bei den paar Früchten gar nicht in den Mund nehmen will. Der Berner Rosenapfel ist aktuell an der Reihe. Es kommen noch die Lageräpfel, wie eben der Baum in Bubach. „Echt, da hängen Äpfel dran?“, will es Meindl fast nicht glauben, „und der blüht?“

Apfelernte in Bubach am 19. November?

Für Eva Neußendorfer ist klar, bei ihr steht die schönste Zeit des Jahres noch bevor. Wenn jetzt der Baum blüht, dann wird es auch noch eine Ernte geben. Der Sohn hat am 19. November Geburtstag, da möchte sie ihm den Apfel dieser Blüte pflücken, ist für sie eine Tatsache. „Ich freue mich, dass noch der Sommer bevorsteht, ich bin mit dem Sommer noch nicht fertig“, stellt sie klar, ein kleines Blinzeln verrät doch, dass sie aber doch ein bisschen am Zweifeln ist.