Humanbiomonitoring des LGL
PFOA ohne Auswirkung auf Covid-Antikörper

Humanbiomonitoring: LGL legt Ergebnisse der Detailuntersuchung vor – Corona, Diphterie und Tetanus im Fokus

29.06.2023 | Stand 14.09.2023, 22:21 Uhr |

Die Immunantwort nach einer Covid-Impfung oder -Infektion wird durch PFOA nicht vermindert. Das ist ein Ergebnis des Humanbiomonitoring, das das LGL durchgeführt hat. −Foto: Schwarz

Die erhöhten PFOA-Gehalte im Blut bei Teilen der Bevölkerung im Landkreis Altötting haben keine Auswirkungen auf die Corona-Immunantwort. Das zeigt eine Untersuchung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Konkret gebe es den jetzt vorliegenden Ergebnissen zufolge keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der PFOA-Gehalte im Blut und der Menge der Sars-CoV-2-Antikörper. Dies gelte auch für die ebenfalls erfolgte Diphtherie- und Tetanus-Antikörperbestimmung. Die Immunantwort gegen Diphtherie und Sars-CoV-2 hänge hingegen maßgeblich vom Alter ab: je älter die Person, desto schwächer deren Immunantwort. Als weiteres Resultat der Blutanalyse zeigte sich, dass die Diphtherie-Impfquoten im Landkreis noch verbesserungswürdig sind. Das hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Donnerstag mitgeteilt.

Die Antikörperbestimmung war ein Bestandteil der Wiederholung des Humanbiomonitorings (HBM) im Landkreis Altötting (die Heimatzeitung berichtete). Sie wurde ergänzend im Rahmen des HBM durchgeführt, da wissenschaftliche Studien über eine verringerte Impfantikörperbildung bei Personen mit erhöhten PFOA-Gehalten im Blut berichten. Die Studienlage ist hier uneinheitlich.

Um zu untersuchen, ob die PFOA-Belastung einen Einfluss auf die Immunantwort hat, wurden die untersuchten Personen in zwei Gruppen eingeteilt: Untersuchungsteilnehmende mit PFOA-Werten unter und über dem HBM-II-Wert – dieser Wert gibt die Konzentration an, bei deren Überschreitung Maßnahmen zur Verringerung der PFOA-Belastung der Bevölkerung durchzuführen sind; dies erfolgte im Landkreis Altötting mit der Sanierung der Trinkwasserversorgung. Während es bei der Diphtherie- und Tetanusimpfung bereits etablierte Werte für Antikörper im Blut gibt, bei denen von einem bestehenden Immunschutz ausgegangen werden kann, liegt laut LGL für Sars-CoV-2 derzeit kein solcher Schwellenwert vor. Somit konnte bei SARS-CoV-2 nur die Menge der Antikörper erfasst und unter den beiden Probandengruppen verglichen werden.

Die Ausprägung des Immunschutzes in Bezug auf Tetanus und Diphtherie zeigte keinen Zusammenhang mit den PFOA-Gehalten im Blut. Hingegen sinkt der Diphtherie-Immunschutz mit steigendem Alter deutlich über beide Gruppen hinweg betrachtet. Diese Resultate stimmen mit Ergebnissen aus anderen Studien überein, die ebenfalls von einer Abnahme der Leistungsfähigkeit des Immunsystems mit zunehmendem Alter berichten.

Zudem zeigten die Antikörper-Analysen, dass ein ausreichender Immunschutz bei 92 Prozent der untersuchten Personen für Tetanus vorlag, jedoch konnte dieser nur bei 48 Prozent der Personen hinsichtlich Diphtherie nachgewiesen werden. Die ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt in Bezug auf Diphtherie neben der Grundimmunisierung auch regelmäßige Auffrischungsimpfungen im Erwachsenenalter. Die Untersuchungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sind bereits durch ein Befundschreiben darüber informiert worden, ob im Einzelfall nach Rücksprache mit dem Hausarzt eine Auffrischungsimpfung empfohlen wird.

Bei den Betrachtungen zu Sars-CoV-2 zeigte sich bei nahezu allen Teilnehmenden grundsätzlich ein hoher Antikörperspiegel. Hierbei dürfte die Höhe des Antikörperspiegels im Wesentlichen mit der zeitlichen Nähe zwischen Blutentnahme und Covid-19-Impfung bzw. -Infektion stehen. Signifikante Unterschiede bei der Menge der Antikörper zwischen Teilnehmenden mit PFOA-Gehalten unter und über dem HBM-II-Wert seien hingegen nicht festgestellt worden; ein Zusammenhang zwischen der Höhe der PFOA-Gehalte im Blut und negativen Auswirkungen auf die Antikörpermenge ist daher auch hier nicht erkennbar. Wie bei der Betrachtung der Diphtherie-Immunantwort nehmen die Antikörpermengen gegen Sars-CoV-2 mit steigendem Alter deutlich ab.

Der Endbericht, der neben der Auswertung der PFOA-Blutgehalte auch die Aufstellung der Antikörper beinhalten wird, wird vom LGL voraussichtlich im Laufe des Jahres veröffentlicht.

− red



STICHWORT: HBM

Die Wiederholung des HBM im Landkreis Altötting im Jahr 2022 ergab, dass die PFOA-Gehalte im Blut der Teilnehmerinnen und Teilnehmer seit dem Jahr 2018 durchschnittlich um mehr als die Hälfte gesunken sind. Probanden sowie Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Altötting, die nicht am HBM teilnahmen, können jederzeit eine umweltmedizinische Beratung des LGL zum Thema PFAS in Anspruch nehmen. Weitere Informationen unter www.lgl.bayern.de