Fußballerische Lösungen statt Gebolze
Vom Absteiger zum Makellos-Tabellenführer: So hat Türk Gücü Straubing die sportliche Wende hinbekommen

09.09.2023 | Stand 12.09.2023, 16:11 Uhr

Nur hinterherlaufen können die Gegner, in dieser Szene vom SV Bischofsmais, bislang dem SV Türk Gücü Straubing. Hier behauptet Thomas Mannherz (Mitte) die Kugel, links beobachtet der neue Spielertrainer Asllan Shalaj das Duell. −Foto: Stefan Ritzinger

Eitel Sonnenschein herrscht derzeit an der Uferstraße im Norden Straubings. Das war bis vor kurzem nicht der Fall, als der SV Türk Gücü Straubing als Vorletzter aus der Bezirksliga Ost abstieg. Die Verantwortlichen um Sportchef Onur Örs (34) arbeiteten danach mit Hochdruck am neuen Kader. Das Ziel eindeutig: Der sofortige Wiederaufstieg!

Hier bediente sich die „türkische Macht“ (Türk Gücü – frei übersetzt) kräftig aus dem Inventar des Mitte-Landesligisten Spvgg Osterhofen. Mit Mirza Hasanovic (32) und Asllan Shalaj (27) installierte man zwei ehemalige Osterhofener zu einem Spielertrainerpaar. Bekanntlich beendete man die Beziehung mit Hasanovic ziemlich schnell. Die Gründe? Unbekannt! Zudem verstärken die Ex-Osterhofener Marcel Fakhreddine (22), Lorent Dobruna (25), Safak Demir (21) sowie Clirim Ndrecaj (23) den Tabellenführer der Kreisliga Straubing. Letzterer fühlt sich bei seinem neuen Klub besonders wohl. Bereits achtmal versenkte Ndrecaj das Leder im Tor. Außerdem beleben die beiden Rückkehrer Granit Bekaj (25, VfB Bach) sowie Emekcan Kurulgan (27) Mittelfeld und Abwehr. Und mit Adrian-Ionut Ungureanu (33) ist ein torgefährlicher Mittelfeldspieler im Anflug, den Shalaj aus seiner Zeit bei der TuS Walburgskirchen noch kennt, und ab Oktober für die Straubinger zur Verfügung steht.

„Sechs Spiele, sechs Siege! Was will man mehr?“ freut sich Örs über den mehr als gelungenen Auftakt. „Mit dem bisherigen Saisonverlauf sind wir als Vorstandschaft mehr als zufrieden. Wir haben einen sehr großen und qualitativ guten Kader. Wir haben fast jede Position doppelt besetzt. Das ist auch ein Grund, warum wir den August so gut abgeschlossen haben, trotz der sehr vielen Urlauber, die wir eigentlich haben. Aber genau an diesen erfolgreichen Wochenenden haben wir es dem großen Kader zu verdanken“, erklärt Örs. Mit dem neuen Trainer Asllan Shalaj scheint Örs ein Glücksgriff gelungen zu sein. „Asllan macht einen sehr guten Job. Er sorgt für eine sehr gute Stimmung im Team“, sagt Örs. Shalaj, der in Straubing seine erste Trainerstation in Angriff nimmt, fühlt sich zudem pudelwohl. „Türk Gücü ist ein sehr familiär geführter Verein. Das macht das Arbeiten leichter“, verrät der Mittelfeldantreiber, der in Osterhofen zu den Leistungsträgern zählte. „Bisher ist es ein super Gefühl als Trainer mit so guten Spielern arbeiten zu dürfen. Es hat ein bisschen gedauert, bis das Team die Art und Weise meines Systems angenommen hat. Aber die Jungs ziehen super mit. Obwohl wir viele Schichtarbeiter haben, kommen zu jedem Training mindestens 15 Leute. Somit können wir immer an unseren Systemen arbeiten. Ich bin sehr zufrieden mit der Kaderzusammenstellung und bin überrascht, wie gut die Spieler die Dinge bislang umsetzten“, erklärt Shalaj. Aber was will der Trainer von seiner Mannschaft sehen? „Ich will Fußball über die Halbräume spielen, um so immer einen freien Mann im Spiel zu haben. Wichtig ist für mich, dass auch viel Eins zu Eins verteidigt wird. Das ist zwar riskant, aber macht mehr Spaß. Dieses Rumgebolze bis in die Landesliga hoch, macht mir persönlich keinen Spaß. Ich will alles möglichst fußballerisch lösen und so auf dem Platz glänzen. Das funktioniert momentan recht gut“, verrät Shalaj der auch ein Vorbild für seine Spieler sein will. „Das versuche ich auf und neben dem Platz zu sein. Bisher ist mir das super gelungen. Ich habe einige Freunde in der Mannschaft, die mir die Arbeit von Anfang an leichter gemacht haben. Da war das Vertrauen sofort da“, schwärmt der spielende Übungsleiter.

„Neuhausen ist als Gegner Neuland“



Am 7. Spieltag müssen die „Türken“ beim Rangdritten Neuhausen/Offenberg Farbe bekennen. „Für uns ist Neuhausen als Gegner Neuland. Ich kenne die Mannschaft ein bisschen. Sie haben vorne mit Lauerer einen gefährlichen Stürmer und eine kompakte Mannschaft“, sagt Örs. Bei bereits fünf Punkten Vorsprung auf den Zweiplatzierten Spvgg Plattling ist man fast geneigt zu sagen, dass die TG ohne Druck aufspielen kann. Dieser These steuert Örs gewaltig dagegen: „Wir werden wieder auf Sieg spielen, um unseren Trend fortzusetzen“, versichert der 34-jährige. Neuhausens spielender Coach Johann Lauerer sieht die Verhältnisse klar verteilt. „Ich glaube, der SV Türk Gücü ist die stärkste Mannschaft in diesem Jahr. Nach sechs Spielen ohne Punktverlust an der Tabellenspitze zu stehen, ist schon eine Leistung“, sagt Lauerer. Klein beigeben will der SVN in diesem Topspiel aber ganz und gar nicht: „Wir werden versuchen, den Tabellenführer zu ärgern. Die Rollen sind klar verteilt, aber wir werfen alles in die Waagschale, um zuhause zu punkten“, verspricht Lauerer.

Spvgg Plattling zu Gast in Zwiesel



Im Schatten von Türk Gücü Straubing kann allenfalls die Spvgg Plattling Schritt halten, die aber bereits fünf Punkte Rückstand aufweist. Damit der nicht noch größer wird, braucht der Traditionsklub die volle Ernte in Zwiesel. Der dortige SC hat sich nach der Auftaktniederlage in Neuhausen gefangen und spekuliert zumindest auf einen Teilerfolg, um die positive Tendenz fortzusetzen. Nachzügler Deggenau ist gegen Kirchberg i.W. ebenso zum Gewinnen verurteilt wie Lindberg gegen Haibach. Im Kellerduell prallen Kirchroth und der DJK-SB Straubing aufeinander. Auerbach könnte im Erfolgsfall gegen Steinach von Platz vier weiter nach oben klettern. Recht wechselhaft unterwegs sind Bischofsmais und Schwarzach. Wer verteidigt im direkten Kräftemessen seinen Platz in der oberen Hälfte?


Kreisliga Straubing am Samstag, 14 Uhr: Lindberg – Haibach; 16 Uhr: Auerbach – Steinach; 16.30 Uhr: Zwiesel – SpVgg Plattling; 17 Uhr: Kirchroth – DJK-SB Straubing; Sonntag, 15 Uhr: Deggenau – Kirchberg i.W., Neuhausen/Offenberg – Türk Gücü Straubing; 16 Uhr: Bischofsmais – Schwarzach.