Rottaler mit spannendem Werdegang
Weltenbummler, Familienvater – und Trainer-Novize: Max Lopes (28) übernimmt Geratskirchener Damen

26.02.2024 | Stand 27.02.2024, 11:02 Uhr |

Spielt noch für die TuS Pfarrkirchen und trainiert ab Sommer die Fußball-Damen von DJK-SV Geratskirchen: Max Lopes (r.). − Foto: Caroline Wimmer

Vielleicht trifft’s ja ein Zitat von Albert Einstein: „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig“, ließ der Physiker dereinst über sich wissen – und eine große Portion Neugierde treibt wohl auch Max Lopes Goncalves immer wieder zu neuen Ufern an und um. So trainiert der 28-Jährige ab Sommer die Damen des DJK-SV Geratskirchen. Es ist die erste Trainer-Station eines Mannes, der gerade mit seiner jungen Familie in Massing Station gemacht hat und noch bei der TuS Pfarrkirchen in der Bezirksliga Fußball spielt. Noch.

Aber warum ausgerechnet ein Damen-Team zum Auftakt der Trainer-Karriere? „Frauen wollen mehr den Erfolg, Männer – auch schon Kreisklassen-Fußballer –, denken, dass sie alles können“, sagt Lopes, der bei der Hochzeit den Nachnamen seiner Frau Vanessa angenommen hat. Die Deutsch-Brasilianerin hat er übrigens in Lissabon kennengelernt – aber das ist eine von vielen anderen Geschichten aus dem Leben eines jungen Menschen, der sich dem runden Leder mit Haut und Haaren verschrieben hat. „Ich habe einfach eine Leidenschaft für Fußball“, sagt der 28-Jährige, der im überschaubaren Geretsham (Gemeinde Triftern/Landkreis Rottal-Inn) aufgewachsen ist.

In Lissabon die Liebe des Lebens kennengelernt



„Ich bin weltoffen erzogen worden, für mich sind Hautfarben, Aussehen oder Sprachen egal, ich respektiere jeden“, sagt Lopes, der als Max Fraundorfer dem runden Leder zunächst in Triftern hinterher jagt. Nach Einsätzen für den SV Hebertsfelden und die SG Tann – Lopes’ Vater Gerhard fungierte dort fünf Jahre als Abteilungsleiter – weist sein Steckbrief für die Saison 17/18 eine Mannschaft aus der Kreisliga A Mönchengladbach & Viersen aus. Mönchengladbach? „Ich bin ein Fan der Fohlen“, gibt der Rottaler zu, aber ihn zog’s wegen des Fachabiturs an den Rhein, genauer gesagt: nach Wickrathhahn, südlich von Mönchengladbach. Nach qualifiziertem Mittelschul-Abschluss und abgeschlossener Lehre als Fachkraft für Lagerlogistik „habe ich mir in Nordrhein-Westfalen eine bessere Abi-Note ausgerechnet – hat funktioniert, und etwas Neues sehen, schadet ja nicht“.

Im Borussia-Park beobachtet er seine Bundesliga-Lieblinge, in seiner Liga geht‘s mit dem TuS Wickrath gegen TDFV Viersen oder Fortuna MG, zur Schule nach Düsseldorf. „Eine schöne Zeit, die Menschen im Rheinland sind anders“, sagt Lopes, der im Westen bleiben will, sich an der Sporthochschule Köln bewirbt. Doch mit dem Sportstudium klappt’s nicht, „da hätte ich mich ein Jahr drauf vorbereitet müssen“. Macht ihm aber nix – es geht zurück nach Niederbayern.

Er kickt für die SG Tann/Reut und wagt als Jugendtrainer der A-Jugendlichen der SG Ulbering/Tann/Reut/Wittibreut den Einstieg ins Trainer-Geschäft. „Ein schwieriges Jahr“, gesteht der Trainer-Novize, „aber hat Spaß gemacht.“ Dennoch ist er schon wieder auf dem Sprung in die Welt. Corona macht ihm da einen Strich durch die Rechnung: „USA ging nicht, dann bin ich nach Lissabon.“ Ja klar. Ein Jahr arbeitet er in Portugals Hauptstadt für einen großen amerikanischen Sportartikel-Hersteller. Und lernt am Rio Tejo die Liebe seines Lebens kennen, Vanessa Lopes Goncalves. „Das hat sofort gepasst, nach zwei Wochen sind wir zusammengezogen“ – warum auch nicht, ein Niederbayer und eine in Rheinland-Pfalz aufgewachsene Deutsch-Brasilianerin. Als Paar kehren die beiden nach Massing zurück, Lopes läuft zuerst für Tann in der Kreisklasse, dann für den SV Hebertsfelden in der Kreisliga auf, ehe er dem Ruf seines Ex-Tanner Trainers Robert Schildmann („Der beste im Rottal“) zur TuS Pfarrkirchen folgt.

Zum Trainerschein in Oberhaching angemeldet



Nebenbei rastet der Abwehrspieler mit Gardemaß (1,95m) nicht, beginnt ein Sportmanagement-Studium an einer privaten Uni in Ismaning. Und kümmert sich auch wieder um seine Trainer-Laufbahn, meldet sich für den Trainerschein in Oberhaching an. Die Prüfung ist in zwei Monaten, „das schaffe ich“, sagt der junge Vater, der seit fünf Monaten den kleinen Matteo im Arm trägt.

Und weil er das schafft, hatte er auch keine Scheu, sich mit den verantwortlichen Damen des DJK-SV Geratskirchen an einen Tisch zu setzen und über den Trainerposten zu sprechen. Gegen die jetzige Spielerin Julia Reiterer hat er in jungen Jahren noch selbst gespielt, „vor ihr hab’ ich Angst gehabt, sie ist so eine überragende Kickerin“. Über Julia Reiterer fanden beide Seiten zueinander. „Es hat schon zwei Treffen gebraucht. Ehrlicherweise habe ich mir auf der Heimfahrt vom ersten Gespräch schon den Trainingsplan überlegt.“ Die Sache war also schnell geritzt. Abteilungsleiterin Lisa Moser lobt den Neuen denn auch über den Schellenkini: „Mit Max haben wir einen sehr motivierten, jungen Trainer gefunden, der sowohl von menschlicher Seite als auch mit seiner fußballerischen Expertise und dem Antrieb, die Mannschaft einen Schritt weiterzubringen, gut zu uns passt.“

Momentan kämpfen die Geratskirchnerinnen in der Landesliga um den Klassenerhalt, ein Abstieg in die Bezirksoberliga würde unterdessen das Engagement des neuen Coaches nicht schmälern. Denn: „Ich mache die Mannschaft besser – und sie macht mich besser.“ Klingt im ersten Abschnitt nach Jürgen Klinsmann, im zweiten nach Jürgen Klopp. Warum? „Weil Frauen ehrlicher sind und mir ein Feedback meiner Arbeit geben – und Feedback ist mir sehr wichtig, das hilft, über sich selber nachzudenken.“

Karriereende für den Trainerjob



Nachdenken muss Max Lopes unterdessen nicht, wie es mit ihm als aktivem Fußballer in der Pfarrkirchner Rennbahn weitergeht. Der junge Papa ist zwar kein Stammspieler bei der TuS („Das ärgert mich“), „aber die Jungen bei uns sind einfach besser als ich“. Kein Ding. Als neuer Trainer im Geratal sieht er freilich keinen Raum mehr für eigene fußballerische Aktionen in der Bezirksliga. „Selber kicken und trainieren, das geht nicht mehr, Geratskirchen ist schließlich kein Halli-Galli-Verein.“

Und schließlich sollen ja auch noch glückliche Momente mit seiner Familie in Massing drin sein, obschon das Ehepaar Lopes komplett auf Social Media verzichtet: „Das ist Zeitverschwendung“ – eine Einstellung, die Angriffsfläche bietet. Das tangiert ihn jedoch überhaupt nicht. „Was andere über mich denken, ist mir sch...egal.“

Nachgedacht und geträumt hat der 28-Jährige von einer Zukunft im Sport-Business. Natürlich bei einem Fußball-Verein. „Ich könnte mir vorstellen, beim KFC Uerdingen zu arbeiten, dieser Klub hat eine wahnsinnige Tradition und großen Charme“, lässt Lopes seine Gedanken schweifen. Es ist eine ungestillte Neugier, die ihn vorwärts treibt – zunächst nach Geratskirchen. In die Frauen Landesliga Süd.