Rahmenbedingungen passen nicht mehr
Erzeugergemeinschaft Südbayern stemmt sich gegen negative Trends auf dem Fleischmarkt

26.02.2024 | Stand 26.02.2024, 11:34 Uhr

Wie sieht die Zukunft der landwirtschaftlichen Tierhaltung in der Region aus? Diese Frage diskutierten bei der Versammlung der Erzeugergemeinschaft Südbayern: (von links) Aufsichtsratsvorsitzender Friedhelm Dickow, Vorstand Willi Wittmann, Geschäftsführer Franz Behringer, Einkaufsleiter Thomas Scheler, stv. Landrätin Edeltraud Plattner, Vorstandsvorsitzender Erwin Hochecker, Assistent der Geschäftsleitung Josef Auer und der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Landau-Pfarrkirchen, Josef Eichenseer. − Foto: tz

Rückläufiger Fleischverzehr, billige Importe aus anderen Ländern, hohe Produktionskosten: die Zeiten werden nicht leichter für die tierhaltenden Betriebe. Die Erzeugergemeinschaft Südbayern (EG) konnte im Rahmen ihrer Versammlung beim Wirtsbauer in Langeneck aber zumindest aufzeigen, dass man sich als große Vermarktungsorganisation derzeit immer noch erfolgreich gegen den allgemein negativen Trend stemmen könne.

Aufsichtsratsvorsitzender Friedhelm Dickow gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen: „Die letzten Jahre haben weitreichende Veränderungen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung mit sich gebracht, das Umfeld für die Rinder- und Schweinehaltung hat sich deutlich zum Negativen entwickelt“, machte er klar. Lag die Quote bei den Betriebsaufgaben in den letzten 30 Jahren zwischen 1,5 bis 2 Prozent, so sei diese im abgelaufenen Jahr auf über zehn Prozent bei den Schweinehaltern und knapp fünf Prozent bei den Rinderhaltern gestiegen. „Das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Rahmenbedingungen für die Bauern nicht mehr passen“, so Dickow.

Preise dramatisch gesunken



Die internationalen Handelsrestriktionen bei Schweinefleisch durch den Ausbruch der afrikanischen Schweinepest stören den Absatz von Schweinefleisch weltweit. „Viele Grenzen sind für Importe geschlossen“, erläuterte Dickow. Damit sei ohne Vorwarnung eine im Inland nicht absetzbare Überproduktion in Deutschland entstanden, die Preise seien dramatisch zurückgegangen. „Gleichzeitig werden aber neue Standards in der Haltung der Zuchtschweine per Verordnung zur Pflicht, weitere Verschärfungen für die Rinder- und Schweinehalter bereits beschlossene Sache“, so Dickow.

„Eines steht fest: ein Teil der Gesellschaft und die von diesen Kreisen gewählten Parteien und Politiker forcieren den Ausstieg der Landwirte aus der Tierhaltung“, warnte Erwin Hochecker, Vorstandsvorsitzer der EG. Ehrliche Argumente für eine Sinnhaftigkeit dieses Handels gäbe es wenig: „Das alles ist von Ideologie geprägt, die millionenfach publiziert und damit der Öffentlichkeit als einzige Wahrheit dargestellt wird“, ist Hochecker überzeugt.

Dafür würden Argumente mit unbedeutender Dimension herangezogen, die die negativen Auswirkungen der Tierhaltung auf das Klima belegen sollen: „Es ist eine beklagenswerte Aussage, wenn Kühe als Klimakiller tituliert werden und im Vergleich dazu ein Inlandsflug von weniger als 1000 Kilometern mehr Treibhausgasemissionen ausstößt, als die Produktion des Jahresbedarfes an Rind- und Schweinefleisch verursacht“, rechnete Hochecker vor. Mobilität stehe offenbar vor regionaler Versorgung mit Nahrungsmitteln und sei unangreifbar, da bei Restriktionen mit heftigen Diskussionen der Konsumenten gerechnet werden müsse.

Landwirtschaft für politische Mehrheiten wenig wichtig geworden



„Leider zeigen die Zahlen, dass in der Gesamtrechnung der Bruttowertschöpfung der Anteil der Landwirtschaft nur mehr bei 0,9 Prozent liegt und noch weiter sinkt, also auf dem ersten Blick eine verzichtbare Größe ist. Damit ist Landwirtschaft für politische Mehrheiten wenig wichtig geworden“, bedauerte der Vermarktungsexperte. Und auch wenn aktuell die Preise für Rinder und Schweine gut sind, sei eine Entwicklung nicht zu übersehen: „Es fehlen die Impulse, die Branche ist gelähmt und selbst Top-Betriebsleiter mit entwicklungsfähigen Betrieben denken nicht an Wachstumsinvestitionen, weil jede Planungssicherheit fehlt.“

Vorstand und Schweineexporte Willi Wittmann unterstrich diese Aussage mit den Vermarktungszahlen und den Strukturdaten der Schweinehaltung in Deutschland und Bayern. „Die Betriebe mit Zuchtsauenhaltung und Anzahl der Sauen ist erheblich zurückgegangen.“

Johannes Reichenspurner, Assistent der EG-Geschäftsleitung, informierte die EG-Mitglieder über die Möglichkeit der Vermarktung von Tierwohl in den verschiedenen Haltungsstufen. „Die Aufschläge sind interessant und es werden mehrjährige Verträge angeboten. Dies sollte immer die Grundlage für den Einstig in höhere Haltungsstufen sein.“

EG Südbayern wirtschaftlich gut aufgestellt



Geschäftsführer Franz Beringer berichtete über die Entwicklung der Schlachtbetriebe Landshut und Vilshofen. „Diese Betriebe garantieren die regionale Vermarktung mit kurzen Wegen.“ Wirtschaftlich gut aufgestellt ist die EG Südbayern weiterhin, ein positives Ergebnis von etwas mehr als einer Million Euro konnte erwirtschaftet werden. „Damit haben wir alle Möglichkeiten, die Reserven zu stärken, Risikovorsorge zu betreiben und die Geschäftsanteile mit einer attraktiven Dividende zu dotieren“, so Vorstandsvorsitzender Erwin Hochecker.

Trotz der deutlich rückläufigen Vermarktungszahlen und der erheblich gestiegen Kosten konnte das Betriebsergebnis stabil gehalten werden. Damit könnten sich die Mitglieder weiterhin auf ihre Vermarktungsorganisation verlassen.

− tz