Burghausen

Jam-Sessions unter neuer Leitung

Musiker Wolfgang Hanninger übernimmt – Monatliches Format im Jazzkeller soll jünger werden

12.12.2022 | Stand 12.12.2022, 19:00 Uhr

In einer kleinen Feierstunde wurden kürzlich die bisherigen Leiter der Jam-Sessions gewürdigt. Ins Leben gerufen hat das Format im Jahr 2000 Wolfgang Pietsch (l.) Mehr als 15 Jahre lang leitete er diese, ehe Robert von Siemens (Mitte) und Ernst Reiter übernahmen. −Foto: Hanninger

Früher war Wolfgang Hanninger selbst gerne dabei, als Zuhörer, als Mitwirkender an diesem pulsierenden Ort, an dem man sich ausprobieren konnte, Kontakte knüpfen und an der eigenen Musiker-Karriere feilen. Der Emmertinger ist mit den Jam-Sessions im Keller des Mautnerschlosses groß geworden. In diesem Juni hat der Saxofonist, Klarinettist und Posaunist einmal wieder vorbeigeschaut in seiner alten Wirkungsstätte. „Ich habe mir gedacht, die Jam-Sessions kann man auffrischen“, sagt er.

Vorsichtig habe er im Oktober bei Robert von Siemens und Ernst Reiter angefragt, die die Leitung der Sessions von Wolfgang Pietsch übernommen hatten, ob sie bereit wären, ihm das Ruder zu überlassen. Sie waren es. Und so kommt es, dass Wolfgang Hanninger zum Jahreswechsel die Leitung der seit mehr als 20 Jahre bestehenden Sessions im Mautnerschloss übernimmt.

Erfahrung mit der Organisation und Leitung solcher Veranstaltungen hat der 40-Jährige. Während eines Aufenthalts in der Schweiz hat er ein internationales Big-Band-Festival ins Leben gerufen, den Villars Vanguard Jazz-Club geleitet und in der Funktion bereits hochklassige Jam-Sessions organisiert. Mittlerweile lebt Hanninger in München. Doch neben der Arbeit als Musiker einmal im Monat eine Veranstaltung in Burghausen aufziehen, das geht leicht, findet er. Zumal er ohnehin regelmäßig seine Familie in Emmerting besucht.

Hanninger machte sich ans Erstellen eins Konzepts und reichte dies bei der IG Jazz und der Stadt Burghausen ein. Es gefiel – und Hanninger bekam den Zuschlag. Die Intention des 40-Jährigen ist es, wieder mehr junge Leute für das Format zu begeistern – so wie es in den frühen 2000er Jahren einmal war. Und so sollen die Opener-Bands der Jam-Sessions – Hanninger hat die Veranstaltungsreihe in „B-Jazz Jam“ umbenannt – vorwiegend aus jungen Talenten bestehen. Sie sollen gemeinsam mit einheimischen Musikern auftreten und im Idealfall einen Bezug zu Burghausen aufweisen. Dazu plant er, Musikerkollege Jakob Wurm ins Boot zu holen, der die Blechbläsergruppe des KuMax-Gymnasiums leitet und daher viele Kontakte zu Nachwuchsmusikern hat.

Nachdem die Opener-Band eine Stunde gespielt hat, darf ein jeder Musiker, der mag, auf die Bühne kommen – so wie es schon immer war. Bleiben soll auch der Veranstaltungstag: der erste Freitag eines jeden Monats von September bis Juni. Ausnahmen wird es im kommenden Jahr lediglich beim ersten Mal im Januar sowie im April geben, da die Veranstaltung ansonsten auf den Karfreitag fallen würde.

Der Januar-Termin ist ohnehin etwas Besonderes, findet Hanninger. „Ich möchte mit einem Knall anfangen“, kündigt er an. Für den ersten Auftritt am 20. Januar ab 20 Uhr hat er den Trompeter Bastien Rieser verpflichtet und sogar etwas aus eigener Tasche draufgelegt, damit der Musiker nach Burghausen geholt werden kann. Ebenfalls fix ist der Auftritt von Karin Lischka am 3. Februar, von Martin Schrack am 3. März, von Lukas Jochner am 14. April, von Thomas Ganzenmüller am 5. Mai sowie von Sam Hylton am 2. Juni.

Eine weitere Änderung, die Hanninger forcieren möchte, ist die bessere Vernetzung mit den Jazzkursen, von denen er seit diesem Jahr einer der Leiter ist. In Absprache mit der IG Jazz wird der Emmertinger die Organisation samt Werbung in die Hand nehmen und im Gegenzug ein kleines Honorar dafür bekommen. Doch ums Geldverdienen geht es Wolfgang Hanninger bei seiner neuen Funktion nicht. „Die Jam-Sessions sind ein Teil meiner Vergangenheit und haben einen Anteil daran gehabt, dass ich Musiker geworden bin“, sagt er. Und obendrein hat es ihm die Location angetan – vom ersten Moment an. „Der Jazzkeller ist einzigartig“, schwärmt er.

− jor