Unternehmen aus Eggenfelden
Coplan: Eine Firma, die seit 25 Jahren ihren Angestellten gehört

09.03.2024 | Stand 09.03.2024, 19:50 Uhr |

Die Broschüre zum 25-jährigen Bestehen präsentiert das Vorstandsduo Stephan Weber (links) und Dr. Christoph Gottanka. − Foto: Fleischmann

Die Erfolgsgeschichte beginnt mit einer drohenden Insolvenz: Als 1999 die Coplan GmbH durch einen gescheiterten Bauträger ins Schlingern gerät, sucht eine Reihe leitender Mitarbeiter einen Ausweg. Mit Erfolg: Sie gründen eine Mitarbeiter-AG. Noch heute, 25 Jahre später, gehört das Unternehmen mit 200 Leuten, den Mitarbeitern. Nicht alle sind auch Aktionäre und die Anteile sind nicht frei verkäuflich.



Alles beginnt mit einer drohenden Insolvenz: Als im Jahr 1999 die Coplan GmbH aus Eggenfelden (Lkr. Rottal-Inn) durch einen gescheiterten Bauträger, der die Rechnungen der Ingenieurgesellschaft nicht bezahlt, zahlungsunfähig wird, will eine Reihe leitender Mitarbeiter das Aus des Unternehmens nicht akzeptieren. Fieberhaft erörtern sie Optionen, wie das Unternehmen in neuer Form weitergeführt und die hochqualifizierten Arbeitsplätze im ländlichen Raum gehalten werden können. Es gelingt – dank einer neu gegründeten Mitarbeiter-AG. Noch heute, genau 25 Jahre später, gehört das Unternehmen seinen Mitarbeitern – ein in dieser Form für ein Ingenieurbüro in dieser Größe deutschlandweit einzigartiges Modell, wie die Verantwortlichen betonen.

Das Konzept stammt von Prof. Dr. Walter Schober

Rückblick: Am 1. März 1999 wird die Coplan AG offiziell aus der Taufe gehoben. Das ungewöhnliche Modell der Mitarbeiter geht auf einen Experten in dieser Materie zurück: Prof. Dr. Walter Schober, heute Präsident der Technischen Hochschule Ingolstadt, hat dem Unternehmen das Konzept gewissermaßen „auf den Leib geschneidert“. Einer der „alten“ Coplan-Mitarbeiter hatte den Kontakt zu dem Wirtschaftswissenschaftler hergestellt. „Wir haben damals alle zusammengelegt, damit wir das auch finanziell stemmen konnten“, erinnert sich Wolfgang Laumer, im Coplan-Führungsteam zuständig für Marketing. Schober übernahm den Auftrag gerne – und ist bis heute Vorsitzender des Aufsichtsrats der Coplan AG.

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Der Start des neuen Unternehmens war durchaus holprig, nachdem der für den Vorstand vorgesehene Ingenieur kurzfristig absprang. In die Bresche sprangen Stephan Weber,angefragt als damaliger Leiter der Niederlassung Berlin, und mit Dr. Martin Steger ein „Externer“, der eigentlich nur als Investor mit einsteigen wollte. „Wir hatten damals keinen einzigen Auftrag und mussten erst einmal hausieren gehen“, erinnert sich Stephan Weber. Die Miete für die Firmenzentrale und die Gehälter der 110 Mitarbeiter mussten freilich trotzdem gezahlt werden.

„Das Ganze hätte genauso gut schon in den ersten Monaten scheitern können“, meint Weber. Aber es ging langsam wieder aufwärts. Man habe ja vor der Insolvenz mit dem Planungsbüro gute Arbeit geleistet, dies hätten auch die früheren Kunden in der Region so gesehen. Und so nahm die Entwicklung ihren Lauf. Heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 200 Mitarbeiter, davon 135 am Stammsitz in Eggenfelden, der Rest verteilt sich auf insgesamt zehn Außenstellen. Die Jahresleistung der Coplan AG wuchs in den 25 Jahren von zunächst rund 10 Millionen D-Mark auf heute knapp 20 Millionen Euro.

Aktien sind nicht frei verkäuflich

Im Unternehmen ist man durchaus stolz darauf, dass sich die damaligen Entscheidungen und Prämissen als zukunftsfest erwiesen haben. Die Konzentration rein auf das Planungsgeschäft, der Erhalt der Unabhängigkeit und größtmögliche Transparenz seien die Kriterien gewesen. Der Fokus liegt noch heute auf Planungs- und Ingenieurleistungen von Hoch- bis Tiefbau, die Unternehmensform schützt vor Übernahmen und in den jährlichen Hauptversammlungen stehen Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionären Rede und Antwort.

Dass die Aktien des Unternehmens nicht in „fremde Hände“ gelangen können, garantiert die Konstruktion als Mitarbeiter-AG: Es handelt sich dabei um sogenannte vinkulierte Namensaktien. Das heißt, die Aktien sind personalisiert und nicht frei handelbar, jeder Verkauf läuft zwingend über das Unternehmen. Zeichnungsberechtigt sind nur Mitarbeiter, die seit mindestens einem Jahr im Betrieb sind.

Gestartet wurde 1999 mit 60 Aktionären, die zunächst insgesamt 3750 Aktien für 500 D-Mark pro Stück erwarben. Zwischenzeitlich wurde deren Anzahl durch einen Aktiensplit auf 37500 verzehnfacht. Ihr Nominalwert wird regelmäßig durch eine Bewertung des Unternehmenswerts neu bestimmt – derzeit ist die Aktie 170 Euro wert. Gehandelt werden kann sie unter den Mitarbeitern auf dem firmeninternen Aktienportal „COX“. Heute verfüge das Unternehmen auch über ein Rückkaufsrecht, wenn Mitarbeiter ausscheiden, schildert Stephan Weber: „Wir wollen, dass die Aktien im Unternehmen bleiben.“

Rund 50 Prozent der Mitarbeiter halten derzeit Aktien am Unternehmen, schätzt Stephan Weber – und sie profitieren auch finanziell davon. Bis auf das Jahr 2005 wurde in jedem Jahr eine Dividende ausbezahlt, pro Gründungsaktie summiert sich die ausbezahlte Summe seit 1999 auf mehr als 1000 Euro. Aber auch eine Erfolgsbeteiligung an alle Mitarbeiter wird ausbezahlt.

Sorgt die Mitarbeiter-AG auch für eine stärkere Identifikation? „Es ist ein Unterschied, das ist schon spürbar“, meint Dr. Christoph Gottanka – und er muss es wissen. Er hat vor drei Jahren Dr. Martin Steger als Mitglied des Vorstands abgelöst und hat zuvor andere Unternehmen in der Branche kennengelernt. Es gebe als durchaus eine Art „Coplan-Spirit“, sind sich Gottanka und Weber einig.

„Erfolgsmodell für Vergangenheit und Zukunft“

Und so blickt die Coplan AG trotz Baukrise positiv in die Zukunft. Die inhaltlich breite Aufstellung helfe dabei, das schwächelnde Geschäft in einigen Bereichen zu kompensieren. Gerade in der Industrie sei derzeit vieles im Fluss, schildert Gottanka. So begleite das Planungsbüro etwa Autokonzerne wie BMW bei Bau und Umrüstung von Fertigungshallen auf E-Mobilität. Auch in der Region war die Coplan AG jüngst an prominenten Bauprojekten beteiligt, so etwa am Ausbau der B588 am sogenannten Fuchsberg bei Reischach im Landkreis Altötting oder auch bei der Baubeaufsichtigung am Bau eines Rad- und Fußgängertunnels durch den Georgsberg in Passau.

Glückwünsche zum Jubiläum kommen vom „Gründungsvater“. In einer Broschüre für die Aktionäre schreibt Prof. Dr. Walter Schober angesichts der Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre: „Ich bin der Überzeugung, dass das Modell der Mitarbeiter-AG ein Erfolgsmodell der Vergangenheit – und der Zukunft ist.“