Trotz Energiekrise

Hoteliers im Landkreis Passau wollen ohne Sparen durch den Winter

Wellness-Oasen im Landkreis planen gegenwärtig keine Schließungen - Die Zukunft bereitet aber Sorgen

01.11.2022 | Stand 21.11.2022, 10:13 Uhr

Zumindest in diesem Jahr sind die befragten Hotelbetreiber des Landkreises Passau zuversichtlich, ohne Einschränkungen auch in ihren Saunawelten durchzukommen. In die nahe Zukunft blicken sie allerdings besorgt. −Foto: Fotolia/HQuality

Von Lukas Götz

Wer würde in diesen Tagen nicht gerne in einen Wellnessurlaub verschwinden, in eine 80 Grad warme Sauna flüchten und dort den Krieg in der Ukraine, die Corona-Zahlen und die explodierten Energiepreise vergessen.



Doch Halt – die Energiekrise ist auch in den Wellnesshotels präsent. Sauna, Wasserbecken, Küche: All das muss für einen erholsamen Urlaub funktionieren. Dafür werden Wärme, Strom und Gas benötigt, und das nicht zu knapp. Die gute Nachricht: Zumindest in diesem Jahr sind die Hotelbetreiber des Landkreises zuversichtlich, ohne Einschränkungen durchzukommen. In die nahe Zukunft blicken sie allerdings besorgt.

Hoffen auf einen Strompreisdeckel

„In diesem Jahr wird es keine Einschränkungen für unsere Gäste geben“, versichert Franz Kandlbinder, Inhaber des Parkschlössls Thyrnau. Das Hotel betreibt unter anderem eine umfangreiche wie energieintensive Bäderlandschaft und das „Saunaschlössl“. Für Kandlbinder wäre es eine „hohe Qualitätseinbuße“, müsste man beim Angebot für die Gäste auf Sparkurs gehen. Momentan sei dies auch noch nicht nötig und auch nicht geplant: „Da wir überwiegend mit Hackschnitzel heizen, betreffen uns die die gestiegenen Heizkosten eher wenig.“ Mit Gas werde lediglich in der Küche gearbeitet, was kein allzu großer Posten sei, wie Kandlbinder sagt. Er blickt allerdings mit großer Sorge auf die Strompreise im nächsten Jahr. „Wir haben im Sommer ein Angebot bekommen, das völlig inakzeptabel war. Es hätte den Monatsgewinn aufgefressen“, sagt er. Alternativen sehe er kaum: „Man könnte natürlich keine Vertragsbindung eingehen und an den Spot-Markt gehen. Das kommt allerdings einem Casino-Spiel gleich.“ Er hofft daher sehr auf einen Strompreisdeckel, denn von Einsparmaßnahmen hält er wenig: „Im Bereich Wellness ist das eine hohe Qualitätseinbuße, daher hoffen wir, dass der Strompreisdeckel kommt.“ Ansonsten müsse man die Wirtschaftlichkeit ernsthaft prüfen.

„Beherrschbar“ ist die Situation für Hermann Reischl, Inhaber des Reischlhofs in Wegscheid. Auch er plant in seinem Hotel mit umfangreicher Wasser- und Saunawelt aktuell keine Energiesparmaßnahmen ein. Dass er von den gestiegenen Preisen am Energiemarkt nicht betroffen ist, will er aber auch nicht sagen. Er hat lediglich einen entscheidenden Vorteil: „Wir heizen mit unserer eigenen Hackschnitzelanlage“, sagt Reischl. „Diese sind zwar auch teurer geworden, aber nicht auf dem Niveau der Gaspreise“, fügt er an. Die Anlage habe man ursprünglich aus Nachhaltigkeitsgründen bauen lassen, sagt Reischl. Von Glück oder Voraussicht will er daher nicht sprechen: „Uns ging es immer nur darum, möglichst nachhaltig zu sein“, betont er. Zudem sei die Hackschnitzelanlage auch eine große Investition gewesen, das dürfe man nicht vergessen. Den aktuellen Strompreis beobachtet er angesichts noch laufender Verträge ebenfalls ohne große Sorge. Zumal er weiß: „Der Strompreis hat sich auch im letzten Jahr schon verdoppelt.“ Kurzfristig sei es daher kein Problem, und mittelfristig plane man schon mit einer Photovoltaikanlage, „so dass wir etwa 30 Prozent unseres Strombedarfs selbst erzeugen können“, sagt Reischl.

Von einer Krise zur nächsten

Auch Marianne Brunert, Inhaberin des Aquaquell in Bad Pilzweg, bleibt optimistisch, auch wenn sie sagt: „Die Energiekrise frisst mich auf.“ Sie hat das Hotel 2019 kurz vor Corona ersteigert und geriet nun direkt in die nächste Krise. Ihr Hauptproblem sei, dass sie das kalte Schwefelwasser aus der Erde auf etwa 30 Grad erhitzen müsse. Das macht sie mit Flüssiggas: „Dort ist es eher die Menge, die drückt“, sagt sie. Dennoch will auch sie den Betrieb über den Winter weiterführen. „Dafür brauchen wir etwa 30 zahlende Kunden am Tag, das sehe ich als realistisch an“, sagt sie. Auf Dauer strebt sie Autarkie vom Netz an. „Wir haben schon eine Photovoltaik-Anlage mit 100 kWp installiert. Wir mussten allerdings sieben Wochen darauf warten, dass sie offiziell abgenommen wird“, sagt sie. Sie soll nun in Betrieb genommen werden. Wie viel Strom sie dadurch sparen kann, weiß Brunert nicht genau, da Referenzzahlen fehlen. Ihr Ziel ist aber klar: Schritt für Schritt unabhängiger werden.