Wurde Opioid gespritzt?
Nach Tod von Bewohnerin: Polizei durchsucht Pflegeeinrichtung in Furth im Wald

18.12.2023 | Stand 19.12.2023, 8:51 Uhr |

In einer Pflegeeinrichtung und weiteren Adresse im Landkreis Cham gab es am Montag Durchsuchungen – es geht um den Tod einer 93-jährigen Seniorin.  − Symbolbild: Christoph Schmidt/dpa

Ein Großaufgebot der Kriminalpolizei hat am Montag eine Pflegeeinrichtung in Furth im Wald (Landkreis Cham) durchsucht. Hintergrund ist der überraschende Tod einer Bewohnerin.



Die 93-Jährige soll nach Informationen der Mediengruppe Bayern am 6. Dezember gestorben sein, nachdem ihr offenbar Medikamente injiziert wurden. Die Staatsanwaltschaft in Regensburg ermittelt wegen eines Tötungsdelikts gegen zwei Mitarbeiter.

Wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher am Abend bestätigte, gehen die Ermittler derzeit einem ersten Anfangsverdacht nach. Der Fokus richte sich demnach auf eine Angestellte der Pflegeeinrichtung, die der Seniorin offenbar ohne ärztliche Indikation ein Opioid gespritzt haben soll. Gegen eine weitere Person werde ermittelt, weil diese der Kollegin das Schmerzmittel womöglich zur Verfügung gestellt haben soll.

Mehrere Beschlüsse für Durchsuchung in Furth beantragt


„Wir gehen einem Anfangsverdacht nach“, betonte Rauscher ausdrücklich. Die Staatsanwaltschaft habe mehrere Beschlüsse für Durchsuchungen beantragt, die am Montag vollzogen worden seien. Weiter wollte sich der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft nicht äußern und verwies ausdrücklich auf die Unschuldsvermutung. „Wir müssen das Ergebnis der weiteren Ermittlungen abwarten.“

Fest steht: Die 93-Jährige starb nach der Opioid-Spritze (ein hochdosiertes, verschreibungspflichtiges Schmerzmedikament) noch am 6. Dezember in der Pflegeeinrichtung. Die Mordermittler durchsuchten am Montag nach Informationen der Mediengruppe Bayern nicht nur den Arbeitsplatz der beiden Verdächtigen, sondern auch Wohnadressen. Ermittelt wird gegen die beiden wegen Totschlags.

Vorfall in Furth im Wald weckt böse Erinnerung an Fall in Cham 2022


Der aktuelle Fall in Furth im Wald weckt böse Erinnerungen an Februar 2022 – damals hatten Ermittler die Leiche einer 80-Jährigen exhumiert. Sie war in einem Heim im Raum Cham gestorben, in dem ein 24-jähriger Pfleger tätig war. Kurz zuvor war er von Kollegen dabei ertappt worden, wie einem Bewohner ein Kissen ins Gesicht drückte. Der Verdächtige kam in U-Haft.

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In den darauffolgenden Wochen gab es weitere Einsätze der Regensburger Mordermittler auf Friedhöfen im Landkreis Cham. Die Staatsanwaltschaft hatte nach der Prüfung von 45 Todesfällen, bei denen der Pfleger jeweils Dienst hatte, zwei Gräber öffnen lassen, um die Leichen von Rechtsmedizinern obduzieren zu lassen.

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Das Landgericht in Regensburg verurteilte den 24-Jährigen vor fast genau einem Jahr wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einem Jahr Gefängnis - die siebte Strafkammer ordnete aber auch die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus an. „Sie sind eine Gefahr für die Allgemeinheit“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung in Richtung des Angeklagten.