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Pro und Contra zu Ladenöffnungen am Sonntag

Stefan Genths vom HDE und Verdi-Handelsexperte Orhan Akmans Argumente in einer Gegenüberstellung

25.07.2020 | Stand 25.07.2020, 5:00 Uhr

Ein großes Werbeposter zeigt die Öffnungszeiten für einen verkaufsoffenen Sonntag an. −Foto: Jens Büttner/zb/dpa

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Deutschland (HDE) befürwortet Ladenöffnungen am Sonntag, Verdi-Handelsexperte Orhan Akman lehnt sie dagegen ab. Ihre Argumente:

PRO

Stefan Genth: "Die Möglichkeit zur Sonntagsöffnung für den Einzelhandel ist wichtig – gerade in Corona-Zeiten. Viele Nicht-Lebensmittelhändler mussten auf dem Höhepunkt der Krise ihre Geschäfte vollkommen schließen und machten keinerlei Umsätze mehr. Für diese Unternehmen wären offene Sonntage eine Chance, wenigstens etwas Umsatz aufzuholen.

Zudem hat die gelegentliche Sonntagsöffnung das Potenzial, Familien zum gemeinsamen Shoppingausflug zu animieren. Das ist in Zeiten von vielerorts verödenden Innenstädten ein nicht nur für den Handel wichtiger Punkt. Umso bedauerlicher ist es, dass die Gewerkschaften bei diesem Thema eine totale Verweigerungshaltung einnehmen. Sie nutzen die zum Teil erhebliche Rechtsunsicherheit der Regelungen aus und klagen immer wieder kurzfristig bereits genehmigte Sonntagsöffnungen weg.

Unternehmen bleiben auf Werbeausgaben sitzen

Das führt dazu, dass die Händler umsonst für einen offenen Sonntag Werbung geschaltet und Personal eingeteilt haben. Die Unternehmen bleiben dann auf diesen Ausgaben sitzen. Gerade in der aktuellen Krise, in der ohnehin viele Nicht-Lebensmittelhändler um ihre Existenz kämpfen, sind das erhebliche finanzielle Risiken.

Deshalb ist es höchste Zeit, diese Rechtsunsicherheit zu beseitigen. Die Bundesländer müssen die Regelungen überarbeiten und verlässlichere Grundlagen schaffen. Und die Gewerkschaften müssen verstehen, dass es am Ende um ein gemeinsames Interesse geht: den Erhalt der Händler und der Arbeitsplätze in der Branche. Es ist übrigens meist kein Problem, die Sonntagsschicht mit Freiwilligen zu füllen. Denn die Arbeitnehmer bekommen dafür einen anderen Wochentag frei und tarifliche Zulagen für die Sonntagsarbeit."

CONTRA

Orhan Akman: "Wenn Geschäfte am Sonntag öffnen, löst das keine Probleme, schafft aber neue. Schon in der Vergangenheit hat die Ausweitung der Öffnungszeiten das Ladensterben nicht verhindert, sondern vielmehr beschleunigt. Bereits seit Jahrzehnten wird immer wieder versucht, den Schutz des Sonntags und der Nachtruhe aufzuweichen und einzuschränken. Inzwischen ist vollkommen klar: Verlängerte Öffnungszeiten und Sonntagsöffnungen beschleunigen den Verdrängungswettbewerb im Einzelhandel und verschärfen die Konzentrationsprozesse in der Branche – und das zu Lasten der Beschäftigten, der Lieferanten und Produzenten.

Nur rentabel für große Konzerne

Da die Öffnung der Verkaufsstellen am Sonntag in den allermeisten Fällen ein Zuschussgeschäft ist, können sie sich nur große und finanzstarke Konzerne leisten. Kleine und mittelständische Handelsbetriebe werden verdrängt und in den Ruin getrieben. Die Zeche zahlen müssen in beiden Fällen die Beschäftigten. Ihre Arbeitszeit wird immer weiter ausgedehnt und kaum noch planbar, sie haben keinen zuverlässigen Feierabend und kein Wochenende mehr mit ihren Familien.

Doch auch für die gesamte Gesellschaft ist es wichtig, an einem Tag gemeinsam zur Ruhe kommen zu können. Wann sonst können Menschen zusammenkommen, um – auch jetzt in Pandemie-Zeiten und Corona gerecht - Sport zu treiben, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen, ihren jeweiligen Glauben zu pflegen oder einfach mal mit Familie oder Freundinnen und Freunden auszuspannen? Wer den Zusammenhalt einer Gesellschaft dem Konsum opfert, zerstört die Gesellschaft."