Landesjägertag in Hof
Verbandspräsident intern am Pranger: Kommt es heute zum Putsch bei den Jägern?

11.03.2023 | Stand 17.09.2023, 1:08 Uhr |

Jagdpräsident Ernst Weidenbusch hat erbitterte Gegner in den eigenen Reihen. Beim heutigen Landesjägertag in Hof könnte es zur Eskalation des lange schwelenden Konflikts kommen. −Foto: Armer,dpa

Wird Bayerns Jägerpräsident Ernst Weidenbusch aus dem Amt gekegelt? Der jahrelang anhaltende Flügelkampf im Jagdverband treibt auf einen neuen Höhepunkt zu. Beim Landesjägertag am Samstag in Hof erlebt die Dauerfehde einen neuen Höhepunkt.



Weidenbusch, CSU-Landtagsabgeordneter aus München, steht bei Teilen der Jägerschaft am Pranger. Interne Kritiker werfen ihm eine cholerische Art vor, Mitarbeiter sollen sich über den Umgang beschwert haben, sogar Kündigungen soll es wegen Weidenbusch gegeben haben.

Befürworter halten ihn dagegen für einen Mann, der zwar direkt, aber fair sei, wie es von einem Weggefährten heißt. Der Jurist steht für den traditionell-konservativen Teil der bayerischen Jägerschaft, die sich etwa gegen Nachtsicht-Hilfen beim Abschuss einsetzt und für die Jagd auf Fasane nur, wenn die Tiere fliegen.

„Wald vor Wild“: Jagdverband gespalten



Ihm gegenüber steht ein progressiverer Teil der Jägerschaft, der mehr an Hege und Pflege der Forsten als an waidmännischer Tradition interessiert ist. Stichwort: „Wald vor Wild.“ Das umfasst auch einen systematischeren Abschuss etwa von Rehwild, um dem Verbiss der Wälder vorzubeugen. Lange Zeit war Thomas Schreder, inzwischen Geschäftsführer des Bayerischen Reit- und Fahrvereins, einer der führenden Köpfe dieses Flügels.

Es wird gemunkelt, dass er als damaliger Vizepräsident maßgeblich an der Demission von Weidenbuschs Vorgänger Jürgen Vocke beteiligt war. Die strafrechtlichen Vorwürfe gegen Vocke wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten erwiesen sich als weitgehend haltlos. Wenig später musste der Rebell gehen, nicht ohne Krokodilstränen des neuen Präsidenten: „Ich habe Thomas Schreder als einen zuverlässigen, hoch kompetenten und persönlich sehr angenehmen Menschen und Vertreter des BJV kennen gelernt“, ließ sich Weidenbusch 2021 zum Abschied des Intimfeindes zitieren.

„Landesjagdverband in einer existenziellen Krise“



Inzwischen hat Weidenbusch neue erbitterte Gegner im eigenen Haus. Ernst-Ulrich Wittmann gehört dazu, Chef der Kreisjägerschaft in Dachau. Er hat offen die Abwahl Weidenbuschs beantragt. „Der Landesjagdverband befindet sich in einer existenziellen Krise“, heißt es in dem Antrag. Es bestehe die Sorge, dass sich eine große Zahl der Mitglieder abwendeten. Mit Philipp zu Guttenberg, dem Bruder des einstigen Bundesministers Karl-Theodor zu Guttenberg, hat dies bereits ein prominenter Jäger getan.

Auch die Kreisgruppe Kulmbach soll Weidenbusch recht geschlossen die Stirn bieten, hießt es von Insidern. Aus dieser Kreisgruppe wurde mit dem Forstunternehmer – und ehemaligen CSU-Landtagsabgeordneten – Ludwig von Lerchenfeld nun eine personelle Alternative zu Weidenbusch aufgebaut.

Die Tagesordnung des Landesjägertages in Hof sieht keine Neuwahlen vor. Es gibt jedoch einen Antrag, der im Kern eine Abstimmung zur Abwahl Weidenbuschs fordert. Lerchenfeld gilt als moderat und keinem der Lager zuzuordnen – ein Fachmann, der Jagd und Forsten aus professioneller Sicht betrachtet. Externe Kritiker von Weidenbusch hoffen, dass der Traditionalist im Amt bleibt. Dann, so lautet die Argumentation, würde sich der Jagdverband weiter selbst zerfleischen.

− lby