Nach Plagiatsvorwürfen
Stellvertretende SZ-Chefredakteurin zieht sich vorübergehend zurück

05.02.2024 | Stand 05.02.2024, 17:42 Uhr |

Die stellvertretende Chefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ zieht sich aus dem operativen Tagesgeschäft zurück. − Symbolbild: Sven Hoppe/dpa

Nach Plagiatsvorwürfen nimmt die stellvertretende Chefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Alexandra Föderl-Schmid, eine Auszeit. Bis zum Abschluss der Überprüfung werde sie sich aus dem operativen Tagesgeschäft der SZ zurückziehen, erklärte die Zeitung am Montag in einer aktualisierten Stellungnahme „In eigener Sache“ auf ihrer Internetseite.



Der Salzburger Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber hatte laut der Stellungnahme „Plagiatsfragmente“ in der Dissertation von Föderl-Schmid festgestellt, die diese an der Universität Salzburg 1996 zum Thema duales Rundfunksystem in Deutschland verfasst hatte. Föderl-Schmid habe ebenfalls am Montag die Hochschule gebeten, ihre Promotionsschrift zu prüfen, hieß es in der SZ-Stellungnahme.

Zugleich beauftragte die SZ eine externe Kommission, die einem Sprecher zufolge die journalistischen Arbeiten Föderl-Schmids untersuchen soll. Damit will die SZ prüfen lassen, ob in Föderl-Schmids journalistischen Texten ausreichend Quellen genannt wurden, hieß es. Details etwa zur Besetzung der Kommission will die SZ zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben, sagte der Sprecher.

Über die Personalie Föderl-Schmid hatte am Montagmittag unter anderem der „Spiegel“ berichtet. Dem Bericht zufolge soll die SZ-Vizechefin in ihren Geschichten wortgleich Absätze aus anderen Texten übernommen haben, ohne dies zu kennzeichnen.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Föderl-Schmids hatte die SZ bereits am 20. Dezember in der Redaktionskonferenz über journalistischen Standards diskutiert. Verlauf und Inhalt dieser Redaktionskonferenz seien anschließend beim Portal „Medieninsider“ am 21. Dezember ausführlich und teils in wörtlichen Passagen wiedergegeben worden. Die SZ sieht darin unter anderem eine Verletzung des Redaktionsgeheimnisses.

Daraufhin habe die Chefredaktion im Einvernehmen mit dem Betriebsrat entschieden, überprüfen zu lassen, ob es Datenverkehr zwischen den IP-Adressen der Redaktion und des Branchendienstes „Medieninsider“ gegeben habe. Die Prüfung habe kein Ergebnis gebracht, „weitergehende Maßnahmen“ seien nicht erfolgt, erklärte die SZ am Sonntag. Die Redaktion sei darüber in einer Vollversammlung am 30. Januar informiert worden. Erneut seien aus dieser Versammlung vertrauliche Informationen, zum Teil im Wortlaut, nach außen gegeben worden, hieß es seitens der SZ.

− epd