«Vögel»

Pädagoge hält Debatte um Theaterstück für problematisch

03.12.2022 | Stand 03.12.2022, 18:08 Uhr

Pädagoge Mendel - Meron Mendel spricht bei einem Podium der Bildungsstätte Anne Frank und der documenta gGmbH. - Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild

Der israelisch-deutsche Pädagoge Meron Mendel sieht in der Antisemitismus-Debatte um das Theaterstück «Vögel» ein bedenkliches Kunstverständnis. «Das erlebt man leider oft in solchen Debatten: Es werden sofort drastische Forderungen gestellt, die ein Gespräch eigentlich unmöglich machen», sagte der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag).

Darin sieht er «eine Generationenfrage»: «Ich erlebe bei meinen eigenen Studentinnen und Studenten, aber auch in anderen Bereichen, die Tendenz, jegliche Trigger, alles, was irgendwie irritierend oder schmerzhaft sein könnte, möglichst aus der Kultur und der öffentlichen Kommunikation verbannen zu wollen.»

Das sei «in einem bestimmten Milieu gerade sehr en vogue». «Man möchte es unbedingt vermeiden, mit Irritationen, mit Konflikten und möglichen Verletzungen konfrontiert zu werden. Das verkennt eine wesentliche Qualität von Kunst, die natürlich Irritationen schaffen kann und muss.»

Das Münchner Metropoltheater hatte das Stück des libanesischen Autors Wajdi Mouawad im November vom Spielplan genommen. Die Jüdische Studierendenunion Deutschland und der Verband jüdischer Studenten in Bayern hatte kritisiert, «Vögel» mache Holocaust-Relativierung sowie israelbezogenen Antisemitismus salonfähig. Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle (CSU) hielt die Vorwürfe für gravierend und forderte Sensibilität bei so einer Inszenierung.

Die Kritik der Studenten beziehen sich vor allem auf die Aussagen einzelner Charaktere in dem Stück. «Zwischen der Figurenrede, den Aussagen einzelner Protagonisten und der Aussage des Stücks, besteht ein fundamentaler Unterschied», betonte Mendel in der «SZ». «Natürlich können in Stücken, die sich gegen den Faschismus richten, etwa bei Brecht oder Horvath, Figuren nationalsozialistische Parolen von sich geben. Wenn man diese Differenz nicht versteht und akzeptiert, kann man eigentlich kein Theater mehr machen.»

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