Niederalteich
St.-Gotthard-Gymnasium: Ersatz-Neubau abgeschlossen

28.04.2021 | Stand 21.09.2023, 22:48 Uhr |

Das neue Gesicht des St.-Gotthard-Gymnasiums kann sich sehen lesen: Der westliche Anbau, von dem aus man in Richtung Kloster blickt, ist am Mittwoch in Betrieb genommen worden. Hinter dem barrierefreien Haupteingang öffnet sich die neue Aula, darüber gelangt man über eine Galerie in die neuen Musiksäle. −Fotos: Schreiber

Abt Marianus Bieber hat es auf den Punkt gebracht: "Jetzt weiß man endlich, wo der Eingang ist, wenn man auf das St.-Gotthard-Gymnasium zukommt." Den am Mittwoch eingeweihten Ersatz-Neubau beschreibt der Abt als gelungen, modern, schlicht, stilvoll, hell und einladend. "Jetzt hat das Gymnasium endlich ein Gesicht."

Worte, über die sich Dipl.-Ing. Robert Brunner, Geschäftsleiter des Deggendorfer Architektenbüros Brunner Ingenieure GmbH, freut. Genau diesen Eindruck wollte der Planer erreichen. "Die Schule hat jetzt ein Bild und einen Charakter", erklärte er der Handvoll Gäste der Einweihung, die in enger Abstimmung mit der Corona-Stabsstelle am Landratsamt vor Ort stattfinden konnte.

Das war vor allem auch Schulleiter Johann Lummer und dem Prior der Benediktiner-Abtei Niederaltaich, Frater Vinzenz Proß, wichtig. Schließlich ist mit der Inbetriebnahme des zweiten Neubau-Abschnitts die gesamte, knapp 19 Millionen Euro teure Maßnahme abgeschlossen und damit auch die Aufarbeitung des Flutschadens vom 4. Juni 2013.

Das Hochwasser hatte im Untergeschoss genutzte Räume mit laut Robert Brunner insgesamt 2600 Quadratmetern Fläche zerstört. Diese sind inzwischen verfüllt worden und dienen der Schule als Fundament, das bei künftigen Hochwassern auch "untergehen" darf. Um die dringend benötigten Räume zu schaffen, sind, während der Unterricht zum Teil in Containern stattfand, zwei Ersatz-Neubauten entstanden. Der von Juli 2017 bis September 2019 gebaute Ost-Flügel mit Klassen- und Fachräumen umfasst laut Brunner 2000 Quadratmeter, der Mitte 2019 begonnene und gestern seiner Bestimmung übergebene West-Flügel mit Haupteingang, dahinter liegender Aula und den Musiksälen gleicht den übrigen Verlust von 600 Quadratmetern aus.

Den symbolischen Schlüssel dazu hat Architekt Robert Brunner am Mittwoch an Johann Lummer und Abt Marianus Bieber übergeben. Mit dabei waren Fachplaner Richard Steinbeißer und Heizung-Lüftung-Sanitär-Projektant Karl Kaiser von der KS Ingenieursgesellschaft stellvertretend für alle Fachplaner, Baufirmen und deren Mitarbeiter. Auch Vertreter der Schulleitung, Sekretärin und Hausmeister sowie Katharina Eichinger als Vertreterin der insgesamt 650 Gymnasiasten waren geladen. Alle weiteren Lehrer, die Elternbeiräte, die Fördergemeinschaft und die 118 Fünftklässler waren per Video-Stream zugeschaltet. Aerosol-arme Musik auf Hackbrett und Violoncello steuerten Camilla Wagner, Q11, und Elena Holz Q12, bei.

Dass dieser große Tag wieder in einer Krisen-Situation stattfinde, trübe die Freude nicht, so Frater Vinzenz Proß. Er war laut Robert Brunner der Motor des Neubaus. Das wichtigste Datum dafür, so Proß, sei der 19. Mai 2015 gewesen – da haben die ersten Gespräche bei der Regierung von Niederbayern in Landshut die ersten Türen geöffnet. "Manche Türen waren offen", erzählte der Frater, "andere mussten wir erst aufschieben." Am Ende hatte man die Förderung in der Tasche, mit der der Wiederaufbau der vom Hochwasser beschädigten Infrastruktur-Einrichtungen – und dazu zählen auch Schulen – unterstützt wird. Aber weitere Unterstützer, zum Beispiel das Netzwerk der Ehemaligen, haben etwas dazugegeben.

"Die Solidarität aller Beteiligten hat bewirkt, dass das St.-Gotthard-Gymnasium nicht untergegangen ist", bedankte sich Johann Lummer vor allem auch bei all seinen Kollegen dafür, "dass wir diese Zeit durchgestanden haben". Der anstrengende Weg, der bis jetzt gegangen werden musste, habe am 3. Juni 2013 mit einer Zäsur begonnen, als es galt, die Schule zu evakuieren. Die Donau-Flutwelle war im Anmarsch. Im Keller zurückgelassen hatte man ein abgespieltes Klavier, erzählte Lummer von den Bildern aus der folgenden Zeit: "Das ist dann da unten geschwommen. Schließlich hat es die Bundeswehr in einem Container entsorgt." Nicht entsorgt wurde dagegen das Kruzifix, das während des Katastrophen-Einsatzes in der Einsatzzentrale in der Fahrradhalle deponiert worden war. "Der Korpus ist hochwassergespült", so Lummer. Als die Einsatzzentrale wieder geräumt wurde, blieb das Kreuz an der Schule und die Christusfigur wurde in einem Leader-geförderten Projekt zusammen mit der Fördergemeinschaft der Schule in farbenfrohes Glas gefasst. Es hängt nun als Sinnbild für die Wiederherstellung der Schule in der neuen Aula – "Christus, der aus den Fluten Auferstandene", so Lummer.

Seit 2013 habe man viel miteinander erlebt und durchgestanden, und am Ende des Weges stehe ein gelungenes Werk, stellte der Schulleiter fest: "Das St.-Gotthard-Gymnasium geht gestärkt aus dieser Katastrophe hervor und ist jetzt topfit für seine Schüler und Lehrer." Ein bemerkenswerter Jahrgang schließt übrigens heuer mit dem Gymnasium ab: Die Schüler, die im Flutjahr 2013 in die fünfte Klasse starteten, machen in den kommenden Wochen während der Corona-Pandemie ihr Abitur.