Landkreis Passau

So wird der Garten igelfreundlich

09.11.2021 | Stand 09.11.2021, 20:00 Uhr

Igel im Herbst: Die Stacheltiere brauchen derzeit nicht nur Futter, um sich einen Winterspeck zuzulegen, sondern auch eine natürliche Umgebung mit Laub-, Holz- und Steinhaufen, um ein sicheres Winterquartier zu finden. −Foto: Heinz Ehrsam/ BN

Fressen und Kuscheln, das ist für die Igel derzeit wichtig. Wie man den Garten igelfreundlich gestalten kann, zeigt die Kreisgruppe des Bund Naturschutz Passau in einer Pressemitteilung auf. Dies gelingt, wenn man das Laub liegen lässt.

Viele Telefonanfragen von Bürgern gehen bei der Kreisgruppe des Bund Naturschutz ein, berichtet Kreisvorsitzender Karl Haberzettl. Jungtiere gerieten bei der Suche nach einem passenden Winterquartier oft in zeitliche Bedrängnis, da sie meist mehr mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind und weniger mit dem Bau eines Unterschlupfes. Die dämmerungs- und nachtaktiven Igel würden sich nun den überlebenswichtigen Winterspeck anfressen. Genauso notwendig sei es aber, eine natürliche Umgebung zu erhalten. Die Kreisgruppe bittet daher die Gartenbesitzer, das Laub liegen zu lassen und den Garten igelfreundlich zu gestalten. Wer draußen zufüttern möchte, könne das jetzt tun, sagt Haberzettl. Füttern alleine reiche aber nicht. "Im Oktober lösen sich die letzten Familienverbände auf und jeder Igel versucht nun, allein zurechtzukommen", erzählt Manuela Weber von der Kreisgruppe Passau. "Unerfahrene Jungigel haben aber ihre zeitlichen Probleme mit dem Bau ihrer Kuschelburg", schildert Weber. So komme es häufig vor, dass die Qualität der Winterquartiere schlechter ist als bei erwachsenen Tieren. Gut genährt in den Winterschlaf zu gehen, sei wichtig. Genauso notwendig seien aber trockene und gut geschützte Winternester, erläutert Haberzettl.

Laub-, Holz- und Steinhaufen als Überwinterungsplätze

Für einen erfolgreichen Winterschlaf brauche es mehr als ein Gewicht von rund 500 Gramm, informiert Weber. Tiere, die kein gutes Versteck besitzen, würden ihre Energie dafür verwenden, die eigene Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Damit sei ein Teufelskreis vorprogrammiert, da untergewichtige Igel bei Kälte ohne Schutzquartier kaum zunehmen können. Doch die Menschen könnten helfen. Gute Schlaf- und Überwinterungsplätze fänden Igel in Laub-, Holz- und Steinhaufen mit Hohlräumen. Wer in seinem Garten keine Möglichkeit für einen natürlichen Igel-Unterschlupf hat, könne ein fertiges Igelhaus anbieten und dieses mit trockenem Laub befüllen. Das Igelhaus sei von außen mit Reisig und Laub zu schützen. "Je wilder und natürlicher sich Igelhäuser in die Umgebung einfügen, umso besser werden sie angenommen", weiß Manuela Weber.

Die Menschen könnten Igel unterstützen, indem sie draußen zufüttern, zum Beispiel mit Rührei, Katzenfutter, gekochtem Geflügel oder gebratenem, ungewürztem Hackfleisch, informiert Weber. Milch schade dagegen den Tieren. Eine flache Schale mit frischem Wasser solle in keinem Garten fehlen. Eine Fütterung ohne Unterschlupf in der Nähe mache keinen Sinn. "Finden die Tiere dagegen kein Versteck in unmittelbarer Umgebung, müssen sie bei kühlen Temperaturen weit laufen und verlieren dadurch ihre Energie wieder", warnt Weber. Die beste Lösung sei daher ein Naturgarten, in dem die Igel alleine zurechtkommen, so Haberzettl.

Nicht erlaubt, Igel drinnen zu halten

Igel seien eine besonders geschützte Tierart, erläutert Weber. Es sei nicht erlaubt, die Tiere aufgrund kalter Außentemperaturen im Haus zu beherbergen. Nur kranke und verletzte Igel dürften häuslich aufgenommen und gepflegt werden. Sobald sich die Tiere wieder selbst erhalten können, müssten sie in die Freiheit entlassen werden. Die Kreisgruppe Passau sei keine Anlauf- und Überwinterungsstelle für Igel. "Sollte ein Auswildern aufgrund des Wetters nicht mehr möglich sein, können Igel auch kontrolliert den Winterschlaf antreten", informiert Haberzettl. Für die Pflege eines hilfsbedürftigen Igels reiche Tierliebe allein nicht aus.

− tw