"Burghausen Extra Live"
Konstantin Wecker auf der Burghauser Burg in Hochform

Stürmisch feiert das Publikum Lyrik und Musik des Liedermachers

03.08.2021 | Stand 21.09.2023, 6:12 Uhr |
Monika Kleiner

Konstantin Wecker blickt auf das hingerissene Publikum. −Foto: Kleiner

Der Traum von einer gerechteren Welt zieht den Musikpoeten Konstantin Wecker auch mit 74 Jahren noch immer auf die Bühnen im Land. Beim Open Air in der Reihe "Burghausen Extra Live" auf der Burg setzte er ein Glanzlicht und zog rund 350 Besucher in seinen Bann.

Streitbar, leidenschaftlich und gefühlvoll wie eh und je, plädierte er fast zweieinhalb Stunden für eine friedlichere, gerechte und herrschaftsfreie Welt ohne Grenzen, Hass und Krieg. Der Künstler geht ungezwungen vor der Bühne vorbei, ruft gut gelaunt "Griaß eich", freut sich genau wie das Publikum, dass "Kultur wieder möglich ist", und über den – noch – aufgelockerten Himmel. Am Flügel stimmt der Musiker und Sänger kraftvolle und zärtliche Töne an und gibt zwischendurch mit Erzählungen einen tiefen Einblick in seine Seele und Biografie.

Musikalischer Dichter oder dichtender Musiker? Wecker sagt, dass zuerst die Texte entstehen, die er dann vertont. So ist jedes Lied auch ein Gedicht. Geprägt von liebevollen Eltern und einem Vater, der als Sozialdemokrat dem Nationalsozialismus trotzte, verschrieb er sich von Jung an dem Widerstand gegen Faschismus, Rassismus, Ausgrenzung und Machtmissbrauch und rebellierte gegen Lehrer aus der Nazizeit, riss mit 13 Jahren aus und wollte als freier Dichter leben. Seine Biografie mit vielen Hochs und Tiefs hat sein Herz geöffnet für die Verfolgten und Verachteten. Ein menschenwürdiges Leben ohne Herrschaft und Gehorsam war schon immer sein großes Ziel.

Mit voluminöser Stimme haut er in die Tasten, als wolle er die Ungerechtigkeit der Welt hinausschreien, um beim nächsten Stück ein Liebeslied für seine Kinder anzustimmen und danach als Mahner in "höchst gefährlichen Zeiten" aufzutreten. Auch heute ist er von Altersweisheit noch weit entfernt – mit Wut im Bauch singt er gegen Ausgrenzung und Unmenschlichkeit an und vertritt mit lebendiger Mimik und Gestik seinen ewigen Traum von einer Welt voller Liebe, Würde und Zärtlichkeit. Die Besucher, die sich zwischendurch bei leichtem Regen mit Umhängen ausgestattet haben, feiern ihn zum Schluss mit stürmischem Applaus, und Konstantin Wecker verneigt sich vor seinem Publikum, erkennbar froh, wieder vor echten Menschen auftreten zu können.

Monika Kleiner