Gangsterbraut und Powerfrau
Hollywood-Legende Faye Dunaway wird 80 Jahre alt

15.01.2021 | Stand 21.09.2023, 2:46 Uhr
Barbara Munker

Vielseitig und kapriziös: Schauspielerin Faye Dunaway. −Foto: dpa

Ein Riesenpatzer vor einem Millionen-Publikum katapultierte Faye Dunaway vor vier Jahren ins Rampenlicht. Mit Warren Beatty stand die Schauspielerin 2017 auf der Oscar-Bühne, um den Gewinner der Spitzentrophäe als bester Film zu verkünden. Doch in dem vermeintlichen Sieger-Umschlag steckt die falsche Karte – Dunaway liest laut "La La Land" vor. Erst nach Schreckensminuten wird korrigiert: "Moonlight" ist der Gewinner.

Schuld hatten die Helfer hinter der Bühne, doch Dunaway und Beatty, das inzwischen ergraute Gaunerpaar aus "Bonnie und Clyde", bekamen die erste Kritik ab. Die Hollywood-Legende, die heute 80 Jahre alt wird, meldete sich erst zwei Monate nach der Oscar-Panne öffentlich zu Wort. Sie sei "völlig verdutzt" gewesen und habe sich "sehr schuldig" gefühlt, räumte die Schauspielerin in der Sendung NBC Nightly News ein.

Auf der Leinwand war Dunaway über Jahre hinweg die lässige und treffsichere Powerfrau. Als eiskalte Gangsterbraut in "Bonnie und Clyde" (1967) brachte sie Beatty das Fürchten bei. In "Thomas Crown ist nicht zu fassen" (1968) war sie so kaltblütig wie ihr Leinwandpartner Steve McQueen. Als undurchsichtige Blondine brachte sie in "Chinatown" (1974) Jack Nicholson aus der Fassung. In der schwarzen Komödie "Network" (1976) agierte sie als berechnende Karriere-Frau – und holte damit ihren ersten und bisher einzigen Oscar. Zuvor war sie zwei Mal für den begehrten Filmpreis nominiert worden ("Bonnie und Clyde", "Chinatown").

Die herbe Hollywoodschönheit mit auffällig grünen Augen und hohen Wangenknochen steht auch im Alter noch vor der Kamera. 2017 drehte sie den Gruselstreifen "The Bye Bye Man" und mit Nicolas Cage den Thriller "Tödliches Verlangen". Für den französischen Regisseur Frédéric Jardin sagte sie zuletzt eine Rolle in dem geplanten Thriller "Visceral" zu.

Mit dem Einpersonenstück "Tea at Five" kehrte sie 2019 zu ihren Anfängen als Schauspielerin zurück. Auf der Theaterbühne in Boston verwandelte sich Dunaway in die Filmlegende Katharine Hepburn. Anfang der 1960er Jahren hatte sie an der Universität Boston Schauspiel studiert. Am New Yorker Lincoln Center lernte sie unter Anleitung des legendären Regisseurs Elia Kazan.

"Ohne das Handwerk vom Theater und ohne das Wissen, eine lebendige und echte Darbietung zu geben, hätte ich keine Filme drehen können", sagte Dunaway 2019 der Zeitung "The Boston Globe".

Nach ihrem Oscar-Sieg für "Network" (1977) und dem Scheitern ihrer ersten Ehe mit dem Rockmusiker Peter Wolf lebte Dunaway zeitweise in England. Sie heiratete den britischen Fotografen Terry O’Neill. Ihr Adoptivsohn Liam kam 1980 zur Welt. Auch die zweite Ehe ging auseinander.

Mir dem Porträt einer Trinkerin in dem Bukowski-Film "Barfly" (1987) an der Seite von Mickey Rourke feierte Dunaway ein Hollywood-Comeback. Die Filmdiva begleitet allerdings auch der Ruf, kapriziös und schwierig zu sein. Im Interview mit der Zeitschrift "Esquire" räumte sie 1999 ein: "Ich bin ein wenig anstrengend, aber damit erregt man Aufmerksamkeit. Ein bisschen heiß und kalt kann nicht schaden."