Ortenburg
Gebeßler-Abbruch liegt auf dem Tisch

20.11.2020 | Stand 20.09.2023, 23:25 Uhr |
Klaus Engel

Traditions-Druckerei Gebeßler: Der Antrag auf Vorbescheid zum Abbruch ist eingereicht. −Foto: Engel

"Weil man nicht auf Tische verzichten mochte", hatte man sich nach dem zwischenzeitlichen aristokratischen Tagungsort "Gräfliches Empfangszimmer" im Ortenburger Schloss wieder das republikanische Ambiente des Rathaussaals gewünscht und der wurde inzwischen Corona-gerecht aufgerüstet. Darüber hinaus bat Bürgermeister Stefan Lang die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses, während der gesamten Sitzung die Masken nicht abzunehmen und versprach einen zügigen Ablauf.

Unter den eingereichten Bauanträgen ließ gleich der erste aufhorchen: "Antrag auf Vorbescheid zum Abbruch einer ehemaligen Druckerei und Ersatzbau eines Wohngebäudes mit Tiefgarage". Ende Februar hatte die "Qualitätsdruckerei Gebeßler", ein Unternehmen mit 120 Jahre alter Tradition, ihren Betrieb eingestellt – "aus Altersgründen und in Ermangelung eines familiären Nachfolgers", wie es hieß. Dies war damals als Beispiel für den raschen Wandel auch in der Geschichte des Marktes gesehen worden. So verwenden Alteingesessene für "Gebeßler" immer noch den Hausnamen "Buchbinder" und erinnern sich mit Hochachtung an den Ehrenbürger und langjährigen Bürgermeister Friedrich Gebeßler.

Zu erfahren war, dass das Gebäude auch weiterhin genutzt wird, es sich mit dem Antrag um keine konkrete Planung handelt, sondern mit dem "Vorbescheid" lediglich um die Frage, ob auf dem Grundstück überhaupt gebaut werden könne und somit um Überlegungen für eine eventuelle langfristige Perspektive.

Planerisch und auch zeitlich konkret wurde es dagegen beim "Antrag auf Neubau eines Wohnhauses in Holzbauweise im Bereich Ortenburg-Untermarkt", über den der Marktrat bereits im Juli diskutiert hatte. Geplant waren ursprünglich 17 Wohneinheiten (zwischen 40 und 100 m²), was vor allem bei Zufahrt und Parkplätzen zu problematischen Platzverhältnissen geführt hätte. Deshalb wurde in der Julisitzung verabredet, dass mit dem örtlichen Bauträger nachverhandelt werden solle. Einig war man sich schon damals im Wunsch gewesen, dass die mehr als zehn Jahre vorhandene hässliche Baulücke beseitigt werde.

Architekt Florian Riesinger, städtebaulicher Sanierungsplaner, stellte nun ein mit dem Bauherrn abgesprochenes Alternativkonzept vor. Demnach sollen vier Wohneinheiten eingespart werden, wodurch sich nicht nur die Qualität der Wohnungen verbessere, sondern auch die Zahl der erforderlichen Parkplätze verringern werde. Autos der Bewohner, so Riesinger, würden nun fast komplett in der großen Tiefgarage ihre Stellplätze bekommen. Auch die Außenansicht werde etwas filigraner, weil man den "großen Riegel" mit drei Giebeln versehen habe und ihn damit besser in die vorhandene Baustruktur habe einbinden können. Die Zustimmung des Ausschusses zum Antrag auf Neubau erfolgte einstimmig.

Bürgermeister Lang bedankte sich beim Planer und beim Ortenburger Bauherrn, G. Sonnleitner, für das großzügige Eingehen auf die seinerzeitigen Bedenken der Anlieger. Der Baubeginn ist für das Frühjahr geplant.