Bayerische Konkurrenz für "Aperol"

Harald Herzog kreiert Aperitiflikör – Absatz findet das Getränk nicht nur im Freistaat

14.08.2021 | Stand 21.09.2023, 3:24 Uhr |

Ein Glas "Bayerol" zum Erfrischen hat Harald Herzog vor sich stehen. −Foto: Eisenhut

Dingolfing. Knallig blutorange – so sieht Harald Herzogs Aperitiflikör "Bayerol" aus. Bei der Farbe und dem Namen liegt der Vergleich zum bekannten Italiener nahe, das Gleiche ist das für den Erfinder allerdings nicht: "Er ist frischer, hat andere Kräuter und man kann viel mehr damit anfangen." Mit dieser Meinung ist der Gottfriedinger offenbar nicht allein, denn Interesse am "Bayerol" ist sogar über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus da.

Seit April ist der Aperitiflikör auf dem Markt und das Geschäft "läuft wirklich toll", wie sagt Harald Herzog sagt. "Etliche Gastronomen haben den Aperol aus dem Sortiment genommen und verkaufen stattdessen mein Getränk, auch bei Fachhändlern steht er in den Regalen", sagt der Dingolfinger. Verkauft wird in Bayern und außerhalb des Freistaats.

Regional und wandlungsfähig

Der Erfinder erklärt sich das starke Interesse so: "Bei uns läuft der Bayerol super gut, weil die Leute wieder mehr Wert auf regionale Produkte legen. Gleichzeitig gibt es viel mehr Möglichkeiten ihn zu trinken, als beim Aperol, was ihn auch anderswo interessant macht. Man kann ihn mit O-Saft mischen, mit Tonic oder mit Campari. Meine Tochter hat vor kurzem eine Gin-Bowle damit gemacht. Die war sehr lecker, aber gefährlich..."

"Ich produziere seit ein paar Jahren meinen eigenen Gin und wollte gerne noch etwas anderes machen", erklärt Harald Herzog seine Intention, das Getränk zu kreieren. Für ihn ist es trotz des Namens nicht zwingend nur ein bayerisches Getränk. "Er zeigt, woher es kommt, deshalb kann es aber auch außerhalb Bayerns getrunken werden", sagt der 61-Jährige.

Etwa fünf Monate hat es gedauert, bis das Rezept des Bayerols vollendet war. Hergestellt wird er in einer Manufaktur an der Mosel. "Ich habe ihnen die Rezeptur vorgelegt. Als wir loslegten, war ich eine Woche dort, um die Grundsubstanz zu klären", erzählt Harald Herzog. Zum Abschmecken der Feinheiten seien ihm Flaschen geschickt worden, bis es schließlich die richtige Mischung war. "Man muss einen guten Gaumen haben, um alle Bestandteile zu schmecken", sagt er. Jeder fünfte Mensch sei ein Nichtschmecker und ist somit nicht fähig, die Zutaten zu erkennen.

Erfahrung, was Gaumenfreuden angeht, hat Harald Herzog reichlich. Lange Zeit war er Regionalleiter bei "Vom Fass" und seit elf Jahren betreibt seine Frau Heidi (55) den Laden "Herzog’s Haus der Genüsse" in Dingolfing. Seit etwa fünf Jahren produziert der 61-Jährige seinen eigenen Gin, der mittlerweile in drei Sorten erhältlich ist. Erst im Oktober kam eine neue dazu. "Sie ist mit tasmanischem Pfeffer", verrät er. Das Geschäft mit dem Wacholderschnaps laufe immer noch sehr gut, obwohl sich viele Leute, als er 2016 mit der ersten Sorte begann, bereits fragten wie lange der Hype um das Getränk noch weitergehen werde.

Designerin aus Mallorcaentwarf Etikett

Zu einem solchen Selbstläufer entwickelt sich auch der "Bayerol" momentan. Denn nicht nur das Etikett des Getränkes, dass eine Designerin aus Mallorca gestaltet hat, ist international. "Es gibt eine Anfrage aus Griechenland und sehr starkes Interesse aus Großbritannien", erzählt Harald Herzog. "Deshalb sehen wir uns momentan nach einem Importeur in England um." Der 61-Jährige hofft, dass es klappt, weil sich damit ein großer Markt eröffnen würde. Allerdings erklärt er: "Es ist nicht leicht, Alkohol nach Großbritannien zu exportieren, und durch den Brexit ist es noch schwieriger."

Das bayerische Getränk bahnt sich also langsam seine Wege in Europa. Nur aus Italien lässt das Interesse bisher noch auf sich warten.