Expertin: Schulden-Falle vermeiden
Fünf Tipps für schnelle Hilfe, wenn das Geld knapp wird

24.02.2024 | Stand 24.02.2024, 12:11 Uhr |

Der Wagen voll, der Geldbeutel leer: Wer beim Einkaufen einige Dinge beachtet, kann Geld sparen.  − Symbolbild: dpa

Was sollte man tun, wenn das Geld knapp wird? Und was sollte man auf alle Fälle vermeiden? Eine Expertin der Verbraucherzentrale gibt fünf Tipps für schnelle Hilfe bei fast leerem Konto.



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Was sollte man am besten tun, wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist? Sylvia Groh, Expertin aus der Gruppe „Kredit und Entschuldung“ der Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps, wie man nicht in eine gefährliche Schulden-Spirale gerät. Das sind ihre fünf Tipps für schnelle Hilfe, wenn das Geld knapp wird:

1. Zahlungen priorisieren: Das ist für die Expertin der wichtigste Tipp. Zahlungen für die existenziellen Lebensbedürfnisse wie Wohnen und Essen sollten immer Vorrang haben. „Vor allem Miete und Strom sollten immer weiter gezahlt werden - sonst tut’s schnell weh“, sagt Sylvia Groh. Bei der Miete droht nach zwei nicht gezahlten Raten die Kündigung, beim Stromanbieter die Sperre - und dann wird es im wahrsten Sinne des Wortes zappenduster.

Weitere wichtige Posten sind Lebensmittel und notwendige Medikamente, Telefon und Internet, aber auch mögliche Unterhaltsleistungen sowie bei Immobilienbesitzern die monatliche Kreditrate. Alles andere muss unter Umständen warten. „Dann lässt man halt mal Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke ausfallen oder schenkt nur was Kleines“, so die Expertin von der Verbraucherzentrale.

2. Ein Haushaltsbuch führen: „Ich weiß, das ist ein sehr ungeliebter Begriff, aber es geht drum, sich einfach mal einen Überblick zu verschaffen, wo das Geld eigentlich hin fließt“, sagt Sylvia Groh. Die Aufzeichnung muss dabei längst nicht mehr, wie zu Omas Zeiten handschriftlich in einem kleinen Büchlein erfolgen: Es gibt als Vorlage auch entsprechende Excel-Listen, Computerprogramme oder Apps.

Auf alle Fälle sollten über einen gewissen Zeitraum auch alle kleinere Ausgaben notiert werden - nur so stimmt das Ergebnis am Ende des Monats. Und auch nur so lässt sich erkennen, in welchen „Haushaltslöchern“ übermäßig viel Geld versickert.

3. Versicherungen und andere Verträge überprüfen: Dieser Tipp hilft zwar unter Umständen nicht sofort - aufgrund diverser Kündigungsfristen - danach bleibt aber dennoch Monat für Monat mehr Geld auf dem Konto. Laut der Expertin von der Verbraucherzentrale gibt es inzwischen gute Möglichkeiten zum Vergleich von Versicherungs-, Handy-, Krankenkassen- und anderen Verträgen.

Auch Abos von Fitnessstudios, Zeitungen und Zeitschriften, Streaming-Diensten und anderen Anbietern lassen sich oft auf günstigere Preismodelle umstellen - oder man kündigt sie, wenn man sie ohnehin kaum nutzt.

4. Beim Einkaufen sparen: Hier besteht nach Ansicht der Expertin enormes Einsparpotenzial. Schon mit guter Planung, dem Achten auf Sonderangebote, einem Einkaufszettel und einem selbst gesetzten Maximalbudget lassen sich teure Spontankäufe und unnötige Lebensmittelreste vermeiden. Noch mehr Geld spart, wer statt teurer Markenprodukte Eigenmarken der Supermarkt- oder Drogerieketten kauft - oft schneiden diese in Tests sogar ähnlich gut ab, wie etwa zuletzt Sonnencreme bei der Stiftung Warentest. Beim Essen lohnt es sich finanziell, wenn man selber kocht, anstatt teure Fertigprodukte zu kaufen. Bei Getränken lässt sich viel Geld sparen, wenn man Leitungswasser statt Softdrinks oder Mineralwasser trinkt.

5. Energie sparen: Egal ob Strom, Gas oder Sprit fürs Auto. Die günstigste Energie ist laut Expertin Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale diejenige, die man gar nicht erst verbraucht. Das gilt in Zeiten stark gestiegener Preise erst recht. Selbst mit kleinen Tricks lässt sich viel Energie und dadurch jede Menge bares Geld sparen. Bei Spül- oder Waschmaschinen ist nicht etwa das Kurz- beziehungsweise Schnell-Programm am effizientesten, sondern ein anderes. Bundesweit wird jede Menge Geld schon allein mit eingesteckt gelassenen Handykabeln verschwendet. Und auch beim Autofahren lässt sich mit Tipps des ADAC Sprit zu optimierter Fahrweise sparen.

Das sollte man auf keinen Fall tun:

Laut Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale NRW sollte man auf keinen Fall neue Kredite aufnehmen - nicht den teuren Dispokredit der Hausbank und erst recht keine von Anbietern, die mit Krediten ohne Schufa-Auskunft werben. „Letzteres sind fast immer unseriöse Angebote“, so die Expertin - am Ende hätten die Verbraucher neben ihren Schulden noch einen überteuerten Vertrag an der Backe.

Ebenfalls nur bedingt empfehlenswert: Wertgegenstände verpfänden. „Das ist eigentlich nur eine gute Idee, wenn man sehr kurzfristig finanzielle Engpässe überbrücken muss und in ein paar Monaten ziemlich sicher wieder Geld übrig hat, um diese zurückzukaufen“, sagt die Expertin.

Unbedingt frühzeitig Hilfe holen

Wer mit seinem Girokonto in den roten Zahlen festsitzt, sollte sich aber nicht nur auf Spartipps verlassen. „Dann sollte man dringend auch frühzeitig professionelle Hilfe holen - etwa von einem Schuldnerberater“, sagt Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale. Eine solche bieten vielerorts beispielsweise die Caritas oder die Diakonie an. Die Beratung ist in der Regel kostenlos, aber man sollte mehrere Wochen Wartezeit einplanen.