Polizei präsentiert
Kriminalitätsbericht 2022: Niederbayerns Bürger leben am sichersten

15.03.2023 | Stand 17.09.2023, 0:58 Uhr |

−Foto: PP Niederbayern

Die niederbayerischen Polizeibeamten haben die beste Aufklärungsquote im Freistaat. Zugleich verzeichnet der Bezirk die geringste Kriminalitätsbelastung. Das geht aus dem Sicherheitsbericht 2022 hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.



Polizeipräsident Manfred Jahn, Polizeivizepräsident Manfred Gigler und Leitender Kriminaldirektor Paul Mader veröffentlichten die Kriminalstatistik 2022 für das Polizeipräsidium Niederbayern veröffentlicht. Der für das Jahr 2022 erwartete und prognostizierte Anstieg der Gesamtkriminalität hat sich darin bestätigt. Maßgeblicher Grund hierfür dürfte im Wesentlichen die Aufhebung der gesellschaftlichen Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus sein. Die Anzahl aller registrierten Delikte in Niederbayern liegt im Berichtsjahr dennoch unter dem Niveau des Jahres 2019. Damit verzeichnet das Polizeipräsidium Niederbayern für 2022, abgesehen von den beiden zurückliegenden Pandemiejahren, das geringste Straftatenaufkommen der letzten zehn Jahre.

Langfristig rückläufige Tendenz

Das Deliktsaufkommen im Jahr 2022 bestätigt die langfristig rückläufige Tendenz der Kriminalitätsentwicklung im Regierungsbezirk Niederbayern. „Die geringste Kriminalitätsbelastung und die höchste Aufklärungsquote im bayernweiten Vergleich belegen das hohe Sicherheitsniveau für die Bürgerinnen und Bürger unserer Heimatregion. Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, ist in Niederbayern am geringsten. Gleichzeitig ist hier das Entdeckungsrisiko für Täter am höchsten,“ bilanziert Polizeipräsident Manfred Jahn die Kriminalstatistik 2022. Da die letzten beiden Jahre teilweise stark durch die Pandemie beeinflusst waren, wird das Jahr 2019 im vorliegenden Sicherheitsbericht in geeigneten Bereichen als Vergleichsmaßstab herangezogen. Im Jahr 2022 waren 42.308 Gesamtstraftaten zu verzeichnen. Dies sind 11,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2019 aber um 1.221 Fälle weniger.
Die Häufigkeitszahl, die das Verhältnis der Straftaten zur Bevölkerung darstellt und somit ein maßgeblicher Gradmesser für die Sicherheit einer Region ist, ist mit einem Wert von 3.375 im Vergleich zu 2019 um 140 Punkte gesunken. Für das Jahr 2022 stellt sie im bayernweiten Vergleich (4.260) den niedrigsten Wert dar.

71,2 Prozent der erfassten Straftaten konnten 2022 geklärt werden. Dies stellt die höchste Aufklärungsquote im bayerischen Vergleich (64,4 Prozent ) dar.
Im Bereich der Gewaltkriminalität wurden im Berichtsjahr 1.577 Taten registriert. Darunter fallen unter anderem Delikte wie gefährliche und schwere Körperverletzung, Raubdelikte, Totschlag und Mord. 87,6 Prozent davon konnten aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote bewegt sich damit weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Im Jahr 2022 wurden im Bereich der Straßenkriminalität 6.367 Straftaten erfasst. Unter dem Begriff der Straßenkriminalität werden alle Delikte zusammengefasst, die ausschließlich oder überwiegend auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen begangen werden. Die Aufklärungsarbeit in diesem Deliktsbereich gestaltet sich aufgrund oftmals fehlender konkreter Ermittlungsansätze oder mangels Zeugenhinweise in der Regel schwierig. Die Aufklärungsquote mit 26,1% stellt dennoch den höchsten Wert der letzten 10 Jahre dar.

Diebstähle haben den größten Anteil

Die Diebstahlskriminalität bildet den größten Anteil an der Gesamtkriminalität. Im Jahr 2022 wurden 9.773 Delikte zur Anzeige gebracht. Die Aufklärungsquote stellt mit 42% den höchsten Wert der letzten 10 Jahre dar.

Zusammengefasst ist in den Bereichen der Gewalt-, Straßen- und Diebstahlskriminalität für das Jahr 2022 jeweils eine Steigerung zum Vorjahr festzustellen. Vergleicht man aber das Fallaufkommen der Deliktsbereiche mit dem Jahr 2019 sowie auch den Durchschnittswerten der letzten 10 Jahre ist ein Rückgang der Kriminalitätsbelastung festzustellen. Besonders stark spiegelt sich diese rückläufige Tendenz im Bereich der Diebstahlskriminalität wider.

Wohnungseinbrüche – Niedrigster Wert der letzten 10 Jahre

Bei den Fallzahlen im Bereich der Wohnungseinbrüche konnte der schon im Jahr 2021 gesunkene Wert nochmals unterschritten werden, obwohl die Taten bayernweit um 22,5 Prozent anstiegen. Mit 203 Fällen niederbayernweit wurde der niedrigste Wert der letzten 10 Jahre erreicht. Auch die Aufklärungsquote konnte erneut gesteigert werden (28,6 Prozent). Bei knapp der Hälfte der Einbrüche handelt es sich zudem um Versuchstaten. Die deliktsbezogene Häufigkeitszahl in Niederbayern im Jahr 2022 liegt ebenfalls unter dem bayernweiten Durchschnitt.

Rückgang der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Nach fünf Jahren kontinuierlich steigender Fallzahlen im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sanken diese im Berichtsjahr von 1.213 auf insgesamt 1.141 Delikte. Die Aufklärungsquote bewegt sich mit 92 Prozent weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Ursächlich für die Steigerung in den zurückliegenden Jahren war hauptsächlich das Phänomen des Verbreitens pornografischer Schriften. Auch wenn sich diese Taten nach wie vor auf hohem Niveau bewegen, ist erstmals ein Rückgang um 122 Vorgänge auf 545 Fälle festzustellen (2021: 667 Fälle).

Deutlicher Anstieg bei Betrugsmaschen

Die Zahl der zur Anzeige gebrachten Delikte im Phänomenbereich Callcenterbetrug bzw. Enkeltrick-/Schockbetrug stieg im Jahr 2022 um 67,3% und damit deutlich an. Dies ist im Wesentlichen dem Phänomenbereich „Kontaktaufnahme per Messenger“ zuzurechnen. Die Täter verschicken dabei eine Nachricht und geben darin an, dass ein vermeintlich enger Verwandter aufgrund eines Defektes ein neues Handy bzw. eine neue Telefonnummer benutzen muss. Sie bitten den Geschädigten eine dringende „Überweisung“ vorzunehmen. Zu einer entsprechenden Rückzahlung kommt es aber nicht mehr. Das Schadensvolumen in diesem Deliktsfeld steigt seit Jahren kontinuierlich an. Für das Jahr 2022 musste im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Niederbayern ein Vermögensschaden von über zwei Millionen Euro beziffert werden.

Mehr Rauschgift sichergestellt

Das Fallaufkommen im Bereich der Rauschgiftkriminalität sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 4.030 Fälle. Dennoch stellten die niederbayerischen Dienststellen, insbesondere die Fahndungseinheiten im Rahmen der Schleierfahndung, mehr Rauschgift als noch im Vorjahr sicher. Ein Anstieg ist vor allem im Bereich der Cannabisprodukte, bei Heroin, Kokain und Ecstasy festzustellen.

Bei der Rauschgiftkriminalität handelt es sich fast ausschließlich um sogenannte Kontrolldelikte, also Delikte, die zumeist durch behördliche Bemühungen erst aufgedeckt werden und einen Zusammenhang zwischen statistischem Fallaufkommen und erfolgreichen Kontrollen der Polizei zum Ausdruck bringen.

Erwarteter Anstieg des Veranstaltungs- und Versammlungsgeschehens

Im Jahr 2022 prägten wieder zahlreiche Großveranstaltungen, wie Volksfeste, Messen und Sportveranstaltungen, das polizeiliche Einsatzgeschehen. In der Gesamtbetrachtung lag die Einsatzbelastung auf dem Stand vor der Pandemie. Nach wie vor fanden in verschiedenen niederbayerischen Orten zahlreiche sogenannte „Corona-Spaziergänge“ statt, weshalb insbesondere bei Versammlungen ein deutlicher Anstieg des Einsatzgeschehens zu verzeichnen war.

Insgesamt stieg die Anzahl der polizeilichen Einsätze im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Niederbayern wieder an (165.231 Einsätze). Bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Niederbayern gingen im vergangenen Jahr 106.793 Notrufe ein.

„Elementarer Baustein für unser Zusammenleben“

„Neben der objektiven Sicherheitslage kommt dem Sicherheitsgefühl der Bevölkerung eine elementare Bedeutung für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger in Niederbayern zu. Aus diesem Grund haben wir es uns zum Ziel gesetzt, auch zukünftig durch Präsenz und Bürgernähe als kompetenter und verlässlicher Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen,“ so Polizeipräsident Manfred Jahn.

− red