40 Jahre Jazzfreunde Vilshofen

Max Mutzke fasziniert beim Jubiläumskonzert

09.10.2022 | Stand 10.10.2022, 13:21 Uhr
Dominik Schweighofer

Zum 40. Geburtstag der Jazzfreunde Vilshofen haben sich Sänger Max Mutzke und Trompeter Joo Kraus für ein besonderes Crossover-Projekt inklusive Band und Streichquartett zusammen getan. −Foto: Sebastian Ambrosius

Dieser Max Mutzke ist einfach ein wirklicher guter Typ. Das klingt zugegeben etwas banal, wenn man es so hinschreibt. Es ist aber trotz all der musikalischen Brillanz, von der gleich noch zu reden sein wird, der Eindruck, der nach diesem bemerkenswerten Abend zum 40. Jubiläum der Jazzfreunde Vilshofen am meisten hängen bleibt.

Mit welcher Ausstrahlung der 41-Jährige auf der Bühne im Atrium des hiesigen Gymnasiums steht, wie er dabei, vertrauend auf seine Ausnahmestimme, vollkommen in sich zu ruhend scheint. Mit welcher enthusiastischen Freude er die Musik lebt, seine Mitmusiker bei jeder sich bietenden Gelegenheit vom Publikum abfeiern lässt. Und wie er schließlich zwischen den Songs einfach sehr sympathische und kluge Dinge sagt – ja, das ist schon ernsthaft beeindruckend.

Zu einigem Ruhm gekommen ist der von Stefan Raab entdeckte Max Mutzke, als er 2004 mit "Can’t Wait Until Tonight" zum Eurovision Song Contest geschickt wurde und mit einem achten Platz aus Istanbul wieder zurück kam – fast schon eine Sensation, wenn man sich die deutschen Demütigungen der vergangenen Jahre so ansieht. Seitdem gilt Mutzke als einer der besten Pop- und Soulsänger des Landes.

Den Vilshofener Jazzfreunden ist zum 40er also ein Promi-Coup gelungen. Doch es wird noch besser. Denn im Prinzip bekommen die Gäste im voll besetzten Atrium an diesem Abend zwei Konzerte zum Preis von einem. Mutzke kommt nämlich nicht mit eigener Band die 550 Kilometer vom Schwarzwald an den "schönsten Arsch der Welt", wie er mit einem Grinsen meint, sondern mit einem spannenden Projekt.

Zu Beginn des Konzerts steht deshalb auch erstmal nicht der Sänger, sondern der Trompeter Joo Kraus mit seiner Band auf der Bühne. Zusammen mit seinen kongenialen Kollegen Ralf Schmid (Piano), Patrick Scales (Bass) und Christian Lettner (Schlagzeug) bringt Kraus, bald noch unterstützt durch ein ebenfalls hervorragendes Streichquartett, eine unheimlich erfrischende Mischung aus funkigen Rhythmen, explosiven Jazzsoli und durch eine Loopstation verfremdete Sounds auf die Bühne. Selbst ein House-Beat wird da mühelos ins Gesamtkunstwerk integriert.

Auftritt Max Mutzke: Die Klänge werden mit seinen Soul- und Popsongs wie "Astronaut", "Wunschlos süchtig" oder "Gute Geschichten" nun konventioneller, dafür bekommt der Abend seinen Starappeal. Mutzke fährt die ganze Range dieser irren Stimme aus, die so gefühlvoll und berührend sein kann, nur um im nächsten Augenblick regelrecht zu explodieren. Immer wieder animiert der 41-Jährige das Publikum zu "Ohohoh"-Chören und liefert sich mit einem fetten Grinsen Soli-Duelle mit der Band, um seine Mitmusiker danach wie nach einem gewonnenen Spiel abzuklatschen. Durch die Arrangements von Joo Kraus bekommen die Mutzke-Stücke außerdem immer wieder einen originelleren Twist, die neun Musikerinnen und Musiker sorgen für einen vollen, mitreißenden Sound. Das Publikum tobt zurecht.

Und weil es Veranstalter in diesen Corona-Zeiten so besonders schwer haben und eine Pause wegen der Dramaturgie der Show nicht möglich war, fordert Mutzke das Publikum am Ende noch dazu auf, den Jazzfreunden nach dem Konzert die Kühlschränke leer zu trinken. Und tatsächlich: Die Leute hören beinahe geschlossen auf ihn. Wie gesagt: Ein wirklich guter Typ.

Dominik Schweighofer