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Landshut  |  15.09.2013  |  19:00 Uhr

Wenn der Sexpolizist klingelt: 22-Jährige gibt sich Betrüger hin

Naivität einer Auszubildenden (22) schamlos für Schäferstündchen ausgenutzt − Verfahren eingestellt

von Walter Schöttl

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Eine schier unglaubliche Geschichte hat Strafrichter Bernhard Suttner im Amtsgericht Landshut zu hören bekommen: Ein Landshuter Azubi (23) gab sich im Mai als "Sexpolizist" aus, nutzte zusammen mit einem 21 Jahre alten Komplizen die Naivität einer 22-jährigen Auszubildenden zu einem unfreiwilligen Schäferstündchen mit ihr und knöpfte ihr obendrein noch 60 Euro ab. Vor Gericht wurde das Verfahren wegen Erpressung und Nötigung gegen ihn allerdings eingestellt, nachdem ihm in einem noch ausstehenden Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung eine längere Haftstrafe droht. Sein Komplize kam ungeschoren davon.

Die 22 Jahre alte Geschädigte hatte im Mai in einem Dating-Portal im Internet ein Treffen mit einem 21-jährigen Echinger Friseur vereinbart. Bei einem Spaziergang mit ihm ging es dann gleich verbal zur Sache: Hauptsächlich auf Sex habe sich die Unterhaltung beschränkt. Bald darauf kam es zu einem zweiten Treffen und ihr Verehrer lud sie zu einem Date in eine Wohnung in einem Landshuter Mehrfamilienhaus ein.

Hausordnung: "Kein Sex zwischen 15 und 17 Uhr"

Im Hauseingang wartete bereits die erste Überraschung: An einer Pinnwand hing ein handgeschriebener Zettel mit der Hausordnung: "Kein Sex zwischen 15 und 17 Uhr." Trotzdem fielen dann in der Wohnung alle Bedenken und Hüllen. Nach einer halben Stunde wurde der einvernehmliche Geschlechtsverkehr abrupt gestoppt. Es klingelte. Und als der Friseur die Wohnungstür öffnete, verschaffte sich der 23-Jährige, mit der Jacke eines Landshuter Sicherheitsdienstes bekleidet, Zutritt.

"Ich bin von der Sexpolizei", stellte sich der 23-Jährige − im wirklichen Leben Azubi zum Sport- und Fitnesskaufmann − vor und kündigte der 22-Jährigen eine Anzeige wegen Ruhestörung an. In dem Stadtviertel herrsche am Nachmittag wie in der Hausordnung festgelegt, Sexverbot. Der Grund dafür sei eine zu hohe Geburtenrate. Der "Polizist" bot dem Opfer aber einen Ausweg: Wenn sie ihm 60 Euro bezahle und auch mit ihm intim werde, würde er von der Anzeige absehen. Das Opfer tat, wie ihm geheißen.

Frau muss 58 Euro zahlen und sich hingeben

Die Frau kramte 58 Euro Bargeld zusammen, die sie bei sich hatte, und gab sich dem "Sexpolizisten" hin. Der ließ sie anschließend wissen, dass er auf einem weiteren Schäferstündchen beharre. Falls sie sich weigere, bleibe es bei der Anzeige und die Ruhestörung koste dann 700 Euro.

Die 22-Jährige vertraute sich nach der Heimkehr ihren Eltern an und am nächsten Tag erstattete man gemeinsam Anzeige. Wie schamlos die Naivität des Opfers ausgenutzt wurde, ließ sich dann im Rahmen der Aussage des Sachbearbeiters der Kripo nachvollziehen. Bei den beiden Männern handelte es sich um Freunde, das ganze Geschehen spielte sich in der Wohnung des angehenden Kaufmanns ab.

Sex aus Angst vor den Eltern

Die 22-Jährige räumte ein, dass der Sex mit dem Friseur einvernehmlich gewesen sei. Den Forderungen des "Sexpolizisten" habe sie aus Angst vor ihren Eltern nachgegeben. Die 700 Euro hätte sie auch nicht aufbringen können.

Den Zettel im Hausflur habe sie zunächst nicht ernst genommen, so die 22-Jährige. An der Amtlichkeit des "Sexpolizisten" habe sie schon wegen der Art Dienstuniform aber keine Zweifel gehabt. Als dann auf Vorhalte der Verteidiger Chat-Protokolle ins Spiel kamen, in denen die 22-Jährige den Friseur nicht nur zu weiteren Treffen einlud, sondern ihm auch noch ihre sexuellen Vorlieben kundtat, kam es zu Verständigungsgesprächen zwischen den Prozessbeteiligten, in deren Rahmen man sich auf eine Einstellung der Verfahren einigte. Zur Auflage wurde den Angeklagten gemacht, die Gebühren für die Anwältin des als Nebenklägerin auftretenden Opfers zu übernehmen und die 58 Euro zurückzuzahlen.








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