Zart besaitet

13.05.2024 | Stand 13.05.2024, 8:00 Uhr

„Es geht ums Bewahren“, ist der Grundsatz im Deutschen Museum in München. − Foto: Marion Brucker

Aeinen Beruf hat Alexander Steinbeißer seiner Neugierde zu verdanken. Als Jugendlicher lernte der gebürtige Andechser, Orgel zu spielen. Doch er wollte wissen, wie deren Innenleben aussah. Sein Instrumentallehrer schickte den Siebtklässler ins Kloster − auf Besuch. Dort wurde die Kirchenorgel restauriert. Alexander Steinbeißer war so angetan, dass ihn der Orgelbauer Probe arbeiten ließ. Das ist nun gut 40 Jahre her.
Steinbeißer hat seinen Beruf beim damaligen Meister in Hohenpeißenberg gelernt. Seitdem hat er zahlreiche Orgeln restauriert. Wie viele genau? Das kann er nicht sagen. 2013 kam als Orgelbauer ins Deutsche Museum. „Ich habe zufällig erfahren, dass dort eine Stelle frei wurde“, erklärt der 56-Jährige. Seitdem ist er für die Abteilung „Musikinstrumente“ zuständig. 2000 Stück umfasst die Sammlung, gezeigt wird nur ein Teil: In drei Räumen beleuchten originale und originelle Objekte von der Renaissance bis in die Gegenwart wichtige Stationen der Musikinstrumentengeschichte. Von frühen Musikautomaten bis hin zum Siemens-Studio, vom Trompeterautomat über die Doppelpedalharfe bis hin zum Synthesizer Moog III portable, den Robert Moog (1934-2005) 1968 entwickelte. Steinbeißer sorgt dafür, dass die Instrumente gepflegt und vor dem Verfall geschützt werden. „Es geht ums Bewahren, in dem Zustand wie das Objekt ist, nichts wird verändert“, sagt er.
Der Orgelbauer stülpt sich Handschuhe über, bevor er sich an die Arbeit macht. Sie bieten Schutz für ihn und das Objekt gleichermaßen. „Durch den Handschweiß könnten die historischen Oberflächen angegriffen werden“, erklärt er. Anderseits könnten die Objekte Pestizide oder Giftstoffe enthalten. Auch Masken gehören zu seinem Arbeitsschutz. „Man muss sich ständig vorher überlegen, was man macht“, erklärt Steinbeißer. So wie bei der „Hohnerrola“, einem Tasteninstrument, aus dem Siemens-Studio im Deutschen Museum. „Das hat innen empfindliche Bauteile und Drähte, die man nicht verletzen darf“, erklärt er. Er hat einen neuen Schalter eingesetzt, da der alte aus Zelluloid zerbröselte und deshalb Säure freisetzte, die das Objekt angegriffen hätte.
Manchmal geht es auch darum, ein Instrument nachzubauen. So wie den Kempelen’sche Sprechapparat, der um 1800 datiert und als der älteste seiner Art gilt. Er ist kein Automat, der fest programmierte Wörter oder Sätze ausspuckt, sondern wird gespielt wie ein Musikinstrument und erzeugt Wörter. Alexander Steinbeißer fertigte mit Kolleginnen und Kollegen eine Replik an. Es war Detektivarbeit. Leistung und Funktion des Sprechapparats, den Wolfgang von Kempelen in seinem Buch „Mechanismus der menschlichen Sprache“ von 1791 beschrieb, waren lange unbekannt. In der Ausstellung sind nun die Replik zu sehen − und das Original.
Kommt Steinbeißer bei einem Instrument nicht alleine weiter, greift er auf interne und externe Fachkräfte zurück. So kann das Material beispielsweise im hauseigenen Forschungslabor untersucht werden.

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