Freising
Vom Schutzzauber zum Charivari

20.05.2024 | Stand 20.05.2024, 8:00 Uhr

Sehenswert ist allein schon der Innenhof. In den Räumlichkeiten des Diözesanmuseums hat sich bis zum 3. November die Bayerische Landesausstellung einquartiert. Foto: Nicole Giese

Kennen Sie Bayern, wie’s kaum einer kennt? Genau dieses Bayern stellt die Bayerische Landesausstellung 2024 im Freisinger Diözesanmuseum dem Publikum vor. Unter dem Titel „Tassilo, Korbinian und der Bär – Bayern im frühen Mittelalter“ führt die Schau zurück in eine Zeit, in der sich Bayern gerade zu konstituieren beginnt. Ankerpunkt der diesjährigen Landesausstellung ist das Jahr 724: Der Heilige Korbinian, später der Patron des Bistums, kommt in diesem Jahr aus Frankreich, wo er in der Stadt Arpajon geboren ist, nach Freising. Seitdem gilt dieses Jahr als der Beginn der Bistumsgeschichte.

Aus heutiger Sicht liegt dieses Datum 1300 Jahre in der Vergangenheit. Wie die damaligen Bayern gelebt, gearbeitet, gefeiert, gebetet, gesprochen oder gedacht haben, kann man sich heute kaum noch vorstellen. So ist es das Verdienst der Bayerischen Landesausstellung 2024, für die Leute von heute zumindest einige Bereiche der Zeitumstände des frühen Mittelalters auszuleuchten. Dank der Mischung von Überresten aus dieser Epoche (von denen es sehr wenige gibt) und modernen Ausstellungselementen wie Filmen, Projektionen, Hör-Stationen und interaktiven Schautafeln gelingt das erstaunlich gut.

So sieht man nahezu lebensecht einen Wandermönch aus dieser Zeit, dessen Bekleidung und Ausrüstung sich aus einem Grab in Augsburg rekonstruieren ließ. Man sieht ein Gürtelgehänge, damals ein Kleidungselement, dem schützende Zauberkräfte zugesprochen wurden und das eindeutig als Vorläufer des heutigen Charivaris identifiziert werden kann. Man sieht ein Pergament mit der Lex Baioariorum, eine Art bayerisches Grundgesetz aus der Zeit um 800, die auf lateinisch abgefasst ist, aber bereits 70 Wörter in frühbairischem Dialekt enthält. Und man sieht das Herzstück der Ausstellung, den sogenannten Tassilo-Kelch (die Altbayerische Heimatpost berichtete).

Unter allerhöchster Sicherheitsstufe wurde dieser rund 1300 Jahre alte Messkelch, der einen eigenen künstlerischen Stil begründete, vom österreichischen Benediktinerstift Kremsmünster nach Freising gebracht. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, erklärt: „Auf die Sicherheitsvitrine, in der der Kelch aufbewahrt wird, können Sie mit einer Panzerfaust schießen – sie wird keine Reaktion zeigen.“ Tassilo III. (748-788) und seine Gattin Liutpirc sollen das sakrale Gefäß gestiftet haben, möglicherweise 774 anlässlich der Einweihung des Rupertus-Petrus-Doms in Salzburg. Vieles deutet darauf hin, dass die mächtigen Herrscher den Dom zu ihrer Krönungs- und Königskirche machen wollten, wie der Historiker Loibl meint. Die Ausstellung zeigt, wie Tassilo versuchte, seine königsgleiche Herrschaft über Bayern zu behaupten, dann aber samt seiner Familie vom fränkischen König Karl, dem späteren Kaiser Karl dem Großen, in Klosterhaft verbannt wurde − bis zum Ende ihres Lebens.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Altbayerischen Heimatpost