München
Model nach Maß

12.02.2024 | Stand 12.02.2024, 8:00 Uhr

Das Schicksal meinte es nicht immer gut mit Hannelore Scherer. Die 74-Jährige musste vier Lebensgefährten zu Grabe tragen. Gesundheitlich angeschlagen, lässt sie sich ihre Arbeit dennoch nicht nehmen. Zwei Mal die Woche steht sie im Laden und kleidet Männer ein. − Foto: Marion Brucker

Wolfgang Lasch ist aus dem Münchner Norden in die Innenstadt gefahren, um drei Hemden mit einem neuen Kragen besetzen zu lassen. In einer Zeitung ist er auf den Service von Hannelore Scherer aufmerksam geworden. Die 74-Jährige betreibt seit mehr als 40 Jahren ein Maßhemdengeschäft in München.

Ein Blick ins Schaufenster verrät: Hier gibt es Dinge, die rar geworden sind, Manschetten mit einem oder zwei Knöpfen, Einstecktücher und Hemdkragen als Muster sind hier ausgestellt, und auch Autogramme von Kunden, wie das des 2016 verstorbenen Bandleaders und Klarinettisten Hugo Strasser. Auch der österreichische Schauspieler Hans Sigl, bekannt aus der Serie „Der Bergdoktor“, gehöre zu ihren Kunden, so Hannelore Scherer. Zudem schneidere sie für die Wiesenwirte und für Kapellen Trachtenhemden und versehe sie auf Wunsch mit einem Monogramm.
„Wer einmal kommt, kommt immer wieder, weil er es woanders nicht kriegt“, sagt Scherer. Sie hat sich auf einem der beiden Sessel niedergelassen, die im vorderen Teil des Ladens stehen. Während Wolfgang Lasch pro Hemd 10 Euro bei einer ihrer Mitarbeiterinnen anzahlt, lässt sich die Ladeninhaberin von einer Freundin, die ihr bei der Inventur hilft, ihr Kundenbuch bringen. Fein säuberlich hat sie den Betrag eingeschrieben.

150 Stammkunden habe sie, erklärt die Frau im schwarz-weißen Punktekleid mit der rotgelockten Hochsteckfrisur − ihren Markenzeichen. „Ich bin die Pünktchenfrau vom Sankt-Jakobs-Platz“, sagt sie. Mit einem sanften Lächeln im Gesicht blättert sie mit ihren Fingern, an die sie zahlreiche Ringe gesteckt hat, durch die Liste ihrer Kunden. Auch welche aus Italien, Frankreich und Belgien sind darunter.
Ihre braunen Augen strahlen unter den nachgezogenen Augenbrauen, sie hat Rouge aufgelegt und mit einem Braunton ihre Lippen nachgezeichnet, die Fingernägel sind lachsfarben lackiert. Ohne Schminke geht das ehemalige Mannequin und Fotomodel nicht aus dem Haus. Nach der Schule habe sie angefangen, sich auf dem Laufsteg ein paar Mark dazuzuverdienen. Rund 20 Jahre jobbte sie vor allem auf der Münchner Messe, auch manchmal mit der ehemaligen Fernsehmoderatorin und „Miss World“ Petra Schürmann zusammen. „Das war eine ganz Nette“, erinnert sich Scherer, die in ihrem Leben so viel durchmachen musste.
Von ihrer minderjährigen Mutter wurde sie nach der Geburt 1949 in Kempten zur Adoption freigegeben. Als sie vier Jahre alt ist, adoptiert sie ein Ehepaar aus München, der Adoptionsvater stirbt bei einem Arbeitsunfall, als Hannelore gerade mal neun war. Ein Verkehrsunfall kostete Jahre später ihrem Verlobten das Leben, zwei weitere Partner ereilte dasselbe Schicksal.

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