Jesenwang
Mit Ross und Reiter durch die Kirche

01.07.2024 | Stand 01.07.2024, 8:00 Uhr |

Der traditionelle Willibaldritt bildet den Höhepunkt des Willibaldfests in der oberbayrischen Gemeinde Jesenwang. Bis zu 300 Pferde nehmen daran teil und reiten zum Abschluss auch durch die Kirche, vor der sie vorher gesegnet werden. − Foto: Manfred Amann

Am 7. Juli, am Todestag des heiligen Willibald, der heuer auf einen Sonntag fällt, wird in Jesenwang im Landkreis Fürstenfeldbruck zum 302. Mal das Willibaldfest mit dem traditionellen Willibaldritt als Höhepunkt gefeiert. Zum Abschluss der Reiterprozession, zu der bis zu 300 Pferde, tausende Zuschauer, mehrere Musikkapellen sowie Kutschen-, Leiter- und Truhenwagengespanne erwartet werden, wird durch die Kirche geritten, was für Ross und Reiter eine besondere Herausforderung bedeutet und als „einmalig in Europa“ gilt. Das Willibaldfest wird mit Unterstützung der Gemeinde vom Freundeskreis St. Willibald organisiert, der sich auch um die Erhaltung der bald 550 Jahre alten Willibaldkirche kümmert. Gegründet als „Förderverein zur Rettung der Willibaldkirche“ vor gut 45 Jahren und nach der Sanierung des Gotteshauses in „Freundeskreis St. Willibald umgewandelt“, hat der Verein das kulturhistorische Kleinod bewahren können und den Willibaldritt zu einer der größten Brauchtumsveranstaltungen Oberbayerns mit Pferden gemacht, die mittlerweile in die bayerische und in die deutsche Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden ist.
Wie lange und wieso der heilige Willibald, der im Jahre 787 als Bischof von Eichstätt zu Grabe getragen wurde, in Jesenwang und Umgebung schon verehrt wird, und auf welchem Weg er in die Region kam, lässt sich nicht mehr klären. Vom Schleier der Ungewissheit verdeckt bleiben wird auch, ob schon vor der Errichtung eines Gebetshauses an der einstigen Römerstraße „Via Julia“ ein Bildstock oder gar eine kleine Kapelle zu Ehren des Heiligen stand. Wahrscheinlich hatten Mönche aus dem Zisterzienserkloster Kaisheim die Verehrung des heiligen Willibald mitgebracht, von denen einige in das Kloster Fürstenfeld gewechselt waren, das Herzog Ludwig II., der Strenge, von 1263 an beim damaligen Markt Bruck hatte errichten lassen. Es ist davon auszugehen, dass die Verehrung des heiligen Willibald in der Region schon stark verwurzelt war, als Abt Johannes III. von Fürstenfeld am 13. März 1414 „auf freyem Feld nächst Jesenwang“ für eine Willibald-Kapelle den Grundstein legte. Anlass dafür war offiziell das Jubiläum der Inkorporation der Pfarrei Jesenwang ins Kloster Fürstenfeld, die hundert Jahre vorher erfolgt war. Als im Rahmen einer umfassenden Sanierung im Jahre 1979 offenbar wurde, dass schon 64 Jahre nach dem Bau der ersten Kapelle, also im Jahr 1478, im Auftrag des Klosters Fürstenfeld an derselben Stelle ein größeres Gotteshaus errichtet worden war, so wie wir es heute vom Bau her unverändert kennen, sorgte das selbst bei Heimatforschern zunächst für Erstaunen, doch eine plausible Erklärung dafür war bald gefunden: Die Kapelle von 1414 war aufgrund der vielen Wallfahrten zum heiligen Willibald, die dem damaligen Trend entsprechend nach der Kapellenweihe zugenommen hatten, bald zu klein geworden, um eine angemessene seelsorgerische Betreuung der Wallfahrer mit Bittgottesdiensten sicherstellen zu können.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Altbayerischen Heimatpost.