Waldkraiburg
Der Bilderbuch-Bayer

05.02.2024 | Stand 05.02.2024, 8:00 Uhr

Elisabeth Hölzl-Michalsky engagierte ihn einst, weil er halt ein Original ist. Auch im 26. Jahr ist Gustl Schenk noch immer mit Leidenschaft dabei. − Foto: Kilian Pfeiffer

Gustl Schenk ist jetzt 86 Jahre alt. Rollen im Berchtesgadener Bauerntheater gibt es für den weißhaarigen Schnauzbartträger jede Menge. Der Waldkraiburger fährt die 220 Kilometer von daheim zur Bühne und wieder zurück gerne − und oft. Auch wenn die Hüfte des bayerischen Originals aus dem Landkreis Mühldorf nicht mehr so mitmacht, tut der seit mehr als 50 Jahren aktive Stadtrat mit weitreichender Schauspielerfahrung alles dafür, um auf der Bühne zu stehen − früher sogar mit den Großen ihres Fachs.
Ein bisschen Zeit hat Gustl Schenk noch. Es ist Freitagabend, um 20 Uhr geht die Vorführung los. Heute wird der „Saisongockl“ gespielt. Gustl Schenk spielt den bekehrenden Pfarrer, der den jungen Bauersleut das korrekte Eheleben näher bringen will. Die Rolle ist für den überzeugten Schnauzbartträger wie maßgeschneidert. Im 26. Jahr steht er nun schon auf der Bühne des traditionsreichen Berchtesgadener Bauerntheaters, dutzende Male im Jahr. Tausende Kilometer fährt er dafür. Er tut das aus Überzeugung. Das Bühnenleben ist seine persönliche Erfüllung. Die Kilometer? Sind ihm egal. Theaterspielen ist die große Leidenschaft des immer noch aktiven Lokalpolitikers, der beruflich schon lange im Ruhestand ist, aber seit über einem halben Jahrhundert im Waldkraiburger Stadtrat sitzt. Mit 86 Jahren? „Ich bin da der Älteste“, sagt der ehemalige Handelsvertreter und lacht sein ansteckendes Lachen.
Alles begann in Aschau. Dem dortigen Trachtenverein, dessen Mitglieder auch Theater spielen, war eine Rolle weggebrochen. Einer der Darsteller war gestorben. Ob er einspringen könne, wurde der Gustl gefragt. Und er konnte nicht nein sagen. Also war er drin im Bühnenspiel. Und blieb bis heute.

„Alles ein großer Zufall“, sagt Schenk, während er durch eine kleine Mappe mit alten Fotos blättert. Die Bilder spiegeln sein Leben auf den Brettern wider, die ihm persönlich die Welt bedeuten. Mit dem österreichischen Volksschauspieler Max Grießer stand Gustl Schenk schon auf der Bühne bei der „Bernauerin“ in Augsburg. Er zeigt die Fotos, auf denen er mit dem im Jahr 2000 verstorbenen Kufsteiner, einem der Großen seines Fachs, abgebildet ist. Gustl Schenk war auch im Augsburger Stadttheater in der Rolle von Kaiser Franz Joseph zu sehen, war in Mühldorf beim „Häuslschleicha“ und der „Grattler Oper“ aktiv.
Und irgendwann entdeckte ihn Elisabeth Hölzl-Michalsky. Sie leitet das Berchtesgadener Bauerntheater mit einem Engagement, das seinesgleichen sucht. Den Gustl − nicht nur auf der Bühne ein echtes Original − wollte sie im Ensemble haben, erinnert sie sich. Und weil ihm das Nein-Sagen so schwer fällt, sagte der Gustl wieder mal ja.
In sechs verschiedenen Stücken spielt er momentan im Bauerntheater. Die Titel sind griffig. Man bekommt, was man erwartet.

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