Fridolfing
Das unberechenbare Schicksal

12.02.2024 | Stand 12.02.2024, 8:00 Uhr

Am liebsten ist die Betriebshelferin bei den Tieren im Stall und besorgt alle anfallenden Arbeiten: vom Melken bis zum Ausmisten.

Dieser Moment, als der Hausarzt seinen Verdacht äußerte, brannte sich in das Gedächtnis von Anna Niederwinkler ein: der harte Stuhl, auf dem sie saß, die nüchterne Atmosphäre der Arztpraxis und die Diagnose − Multiple Sklerose (MS). Ein Moment, der das Leben der damals 27-jährigen Bauern- und Gastwirtstochter veränderte. „33 Jahre sind inzwischen vergangen, aber der Satz des Arztes hallt noch immer nach, als stumme Erinnerung an die Unberechenbarkeit des Schicksals“, sagt Anna Niederwinkler. Dabei hatte sie die Praxis nur wegen eines pelzigen Gefühls im Fuß aufgesucht − nicht wissend, woher das kam.
Anna Niederwinkler, geborene Pallauf, aus Fridolfing, ist heute 60 Jahre alt. Sie hat sich durch schwierige Zeiten durchgekämpft. Auch der frühe Tod ihres Vaters warf Schatten auf ihren steinigen Weg. Gemeinsam mit Schwester, Mutter und Großmutter bewirtschaftete sie den Bauernhof, als ihr Vater verstorben war, auch unterstützt durch Betriebshelfer. Gleichzeitig arbeitete sie in diesen Jahren in Vollzeit in einer Lederfabrik. In den 1990er Jahren musste die Landwirtschaft aufgegeben werden, und die 25 Milchkühe wurden Abschiedsopfer.

Doch das Schicksal hielt weitere schwere Prüfungen bereit. Therapien, Krankenhausaufenthalte, die ständige Sorge, im Rollstuhl zu landen. Schwere Schübe, die Kontrollverlust mit sich brachten, waren bittere Realität. Doch Anna Niederwinkler, stark und beharrlich, bewahrte sich ihre Kraft.

Dass sie das schafft, hält sie auch dem Umstand zugute, dass sie anderen in Notlagen helfen kann. Denn sie fand Wege, mit den Herausforderungen umzugehen. Zur biografischen Haltestelle wurde der Tag, als sie sich an die landwirtschaftlichen Betriebshelfer des Maschinenringes Laufen wandte, die einst schon nach dem Tod ihres Vaters in der ärgsten Not dagewesen waren. Denn als es ihr gesundheitlich wieder etwas besser ging, schloss sie sich dem Maschinenring an und wurde Betriebshelferin im Rupertiwinkel und im Berchtesgadener Land.

Die Arbeit kannte sie von zuhause und von ihrer Ausbildung als Hauswirtschafterin: Andere Menschen zu unterstützen, bot ihr Ablenkung, ja eine Flucht vor der Belastung durch die eigene Krankheit. Mit ihrem Ehemann Hans an ihrer Seite, der von Beginn an ihren Entschluss unterstützte − unter der Bedingung, dass es ihr gut tue − ging Anna ihren Weg weiter. In den Tiefen der Herausforderungen fand sie auch den Mut, anderen durch ihre eigene Geschichte Hoffnung zu geben.

Doch Anna Niederwinklers Leben hat sich weiterentwickelt, und sie hat Wege gefunden, mit den vielfältigen Herausforderungen umzugehen. Sie blickt nunmehr auf 30 Jahre im Einsatz als Betriebshelferin zurück. Als solche kommt sie in der Regel stets in bäuerliche Familien, welche der Hilfe in aller höchster Not bedürfen.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Altbayerischen Heimatpost