Glentleiten
Anbandln auf Altbayerisch

25.03.2024 | Stand 25.03.2024, 8:00 Uhr

Die Freude und die Geselligkeiten kommen bei den Volkstänzen nicht zu kurz.

Einmal im Monat tragen Hans, Rainer und Bertl − die Drachenstich-Musi aus Murnau am Staffelsee − ihre Instrumente quer durch das Freilichtmuseum Großweil-Glentleiten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Ihr Ziel ist der Jacklstadl aus dem 18. Jahrhundert. Ihre Mission: Volkstanz mit „Bauernmadl“ und „Mazurka“. Sonntags, kurz vor elf Uhr warten beim alten Taubenschlag die ersten Paare und einige einzelne Frauen und Männer auf die Veranstalter des bevorstehenden Tanzbodens, Claudia und Franz Pittrich. Viele Tänzerinnen und Tänzer sind seit Jahrzehnten dabei, andere kommen erst seit kurzer Zeit. Franz Pittrich nimmt die Neulinge unter seine Fittiche, wie dieses Mal Elisabeth und Katharina. Die jungen Frauen aus Garmisch-Partenkirchen wollen traditionelle Volkstänze einüben, um daheim im Bierzelt mitmachen zu können.

Die Schritte und Figuren sind meist einfach. Hacke-Spitze, Hacke-Spitze, Wechselschritt, Drahn, Drahn, Drahn. Auch mal Hüpfen oder Stampfen. Franz und Claudia machen es vor. „Beim Volkstanz kann jeder mitmachen“, versichern die Tirolerin und der Oberbayer mit einem Lachen: „Fahler gibt’s eh keine. Es sei denn, man trampelt dem Anderen ständig auf die Füße.“ Sobald die Musik einsetzt, steigen alle mit ein. Schwieriger wird es ein bisserl später, wenn Walzer, Polka und Marsch in einem Tanz kombiniert werden. Mit dem historischen Volkstanz sind nicht die Schuhplattler gemeint, die von Trachtlern bei Heimatabenden vorgeführt werden, erklärt Franz Pittrich. Vielmehr schwangen früher die Dienstboten, Mägde und Knechte in Scheunen und Heuböden beim Landler und Boarischen das Tanzbein. Mit der Zeit entwickelten sich verschiedenste Melodien, Rhythmen, Figuren und Tanzschritte. Die Tanzenden kommen heute aus allen Gesellschaftsschichten, Berufen und sind jeden Alters. Franz Pittrich erklärt: „Bei unseren Veranstaltungen ist das Durchschnittsalter 45 Jahre.“ Hans (70) aus Unterammergau erinnert sich an die 1970er-Jahre, als es in jeder Dorfwirtschaft einen Tanzboden gegeben hatte: „Der Kreis der interessierten Tanzpaare ist leider immer kleiner geworden. Für die Wirte haben sich der Aufwand und die Kosten für die Musiker nicht mehr rentiert.“
Tanzforscher wie Georg von Kaufmann zogen los, um das Wissen der Alten für die Zukunft zu bewahren. „Mittlerweile gibt es Dokumente zu etwa 10000 Volkstänzen; die sich manchmal von Dorf zu Dorf, von Region zu Region nur um Nuancen unterscheiden“, weiß Franz Pittrich. Anstatt sich puristisch an die volkskundlich niedergeschriebenen Tanzschritten zu klammern, ist es ihm wichtiger, dass allen Generationen das Tanzen Spaß macht: „Volkstanz fördert die Geselligkeit und die Kommunikation.“ Da darf ein Schritt auch etwas staksiger daher kommen.
Beispiele: Der „Italiener“ – ein etwas schmusiger Tanz – gefiel den italienischen Bauarbeitern im Tegernseer Tal besonders gut. Der „Mexikaner“ wird in Oberbayern und in Mittelamerika fast identisch getanzt – hier mit Blechmusik, dort mit Mariachi-Begleitung.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Altbayerischen Heimatpost