Hilfe zur Selbsthilfe
Überschuldung: So werden Sie Ihre Geldsorgen wieder los

15.11.2023 | Stand 10.01.2024, 16:55 Uhr

Schuldnerberatung - Wer merkt, dass er seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen kann, sollte sich Hilfe holen. - Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Gefangen in der Schuldenspirale? Eine Befreiung in Eigenregie ist gerade bei kleineren Beträgen nicht unmöglich. Ein ehrlicher Kassensturz kann ein guter Anfang sein.

Der Kauf auf Raten, ein Immobilienkredit oder das mit einem Darlehen finanzierte Auto: Viele Menschen haben Schulden. Ein echtes Problem sind sie erst, wenn man sie nicht mehr bedienen kann, also wenn Einkommen und Vermögen dauerhaft nicht mehr ausreichen, um die Rückstände wieder auszugleichen. Dann ist von Überschuldung die Rede.

„Die Ursachen hierfür sind so vielfältig wie die Menschen selbst“, sagt Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg. Dennoch lassen sich einige häufige Auslöser für eine Überschuldung ausmachen.

Das sind laut Föller Einkommensverlust, Trennung und Scheidung oder gar der Tod eines Mitverpflichteten. Auch eine Krankheit tritt nicht selten eine Schuldenspirale los. „Die viel zitierte unwirtschaftliche Haushaltsführung, Stichwort Konsumverhalten, ist nur in den seltensten Fällen die Ursache einer Überschuldung“, sagt Föller.

Das belegt zumindest teilweise auch der jährliche Überschuldungsreport des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Im aktuellen Report aus dem Jahr 2023 war Arbeitslosigkeit in rund 20 Prozent der Fälle der Grund für eine Beratung. Zusammen mit den Auslösern „Krankheit“ (rund 13 Prozent) und „Scheidung oder Trennung“ (knapp 10 Prozent) sind damit fast die Hälfte der Fälle (rund 43 Prozent) Ereignissen zuzurechnen, auf die Betroffene nur eingeschränkt Einfluss haben.

Das eigene Konsumverhalten ist immerhin noch bei gut jedem zehnten Betroffenen (rund 10 Prozent) der Grund für die Überschuldung.

Sprechstunden bei Schuldnerberatungsstellen nutzen

Doch in eine Verschuldungsspirale geraten die meisten in der Regel nicht von jetzt auf gleich. Es gibt Warnzeichen. „Das kann etwa ein ständig genutzter Dispokredit sein“, sagt Sally Peters, geschäftsführende Direktorin des iff. Die Nutzung dieses Dispokredits ist vergleichsweise teuer und ein Hinweis darauf, dass man mit den laufenden Einnahmen nicht hinkommt.

Weitere Anzeichen sind Schulden beim Vermieter beziehungsweise beim Anbieter von Strom und Gas. „Beides kann schnell existenzgefährdend sein“, betont Peters.

Wenn die unbezahlten Forderungen und Rechnungen sich häufen, heißt es in erster Linie: schnell handeln. Doch wie raus aus den Schulden? „Nahezu jede Schuldnerberatungsstelle bietet offene Sprechstunden oder Telefonsprechstunden an, die sollte man nutzen“, rät Peters. Dort können sich Betroffene Tipps holen. Für Verschuldete gibt es auch Hilfe zur Selbsthilfe. Tipps sind etwa auf einem Infoportal der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (BAG SB) zu finden.

Einnahmen und Ausgaben aufstellen

Wichtig ist, sich in einem ersten Schritt einen Überblick über die eigene Finanzlage zu verschaffen. Das heißt: Einfach mal auflisten, welche Schulden man hat, wie viele Zinsen darauf anfallen und wann das Geld spätestens zurückgezahlt sein muss.

Im nächsten Schritt geht es darum, sich Einnahmen und regelmäßige Ausgaben wie Miete oder Lebensmitteleinkäufe genauer anzuschauen. Welche Ausgaben sind ein Kann, welche ein Muss? Wo lässt sich sparen? Mit einem Haushaltsbuch, in dem man regelmäßig alle Ausgaben im Detail notiert, kann man schnell herausfinden, an welcher Stelle Ausgaben gesenkt werden können. Ein solches Haushaltsbuch lässt sich ganz traditionell mit Stift und Papier führen - oder aber über eine App.

Kosten reduzieren und Schulden abbauen

Wichtig ist für verschuldete Personen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Stattdessen sollte man sich schleunigst mit seinen Finanzen befassen.

Wer im Rahmen der Selbsthilfe seine aufgelisteten eigenen Ausgaben von den Einnahmen abgezogen hat, hat den Betrag, mit dem man die Schulden tilgen kann. In einem Schuldenplan ist aufzulisten, welche Forderungen am dringendsten zu zahlen sind - zum Beispiel die Rechnung des Strom-Anbieters - und welche weniger Priorität haben.

Einnahmen beispielsweise mit einem Nebenjob aufbessern

Geht es nun darum, die Einnahmen aufzubessern, um Schulden schneller abbezahlen zu können, bietet es sich beispielsweise an, einen Nebenjob anzunehmen. Diejenigen, die ihren Keller oder Dachboden aufräumen und nicht mehr gebrauchte, aber gut erhaltene Sachen etwa auf einem Online-Marktplatz verkaufen, können mit den Erlösen ebenfalls die Höhe ihrer Einnahmen aufstocken.

Wichtig ebenfalls: Mit Gläubigern wie etwa Vermietern sprechen und die aktuelle Situation offenlegen. „Auch wenn es abgedroschen klingt“, sagt Sally Peters, „reden hilft.“

Sie rät Verschuldeten, eine vertraute Person zu suchen, die sie unterstützt. Und falls es mit dem Schuldenabbau in Eigenregie nicht klappt, kann man sich immer noch umfassend von der Schuldnerberatung beraten lassen. Diese frühestmöglich aufzusuchen, ist nie ein Fehler.

Literatur:

Schulden erfolgreich bewältigen, Hrsg. von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V. (BAG SB), C.H.BECK, 2. Auflage, 2022, 64 Seiten, ISBN 978-3-406-76326-7, 6,90 Euro

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