Komplette Neuausrichtung
Totaler Umbruch beim Konkurrent von Schalding und Erlbach: Mölders’ altes Landsberg gibt’s nicht mehr

19.06.2024 | Stand 19.06.2024, 6:00 Uhr |
Thomas Ernstberger

Die neue Führungscrew des TSV Landsberg (von links): Sportdirektor Marco Braovac, Trainer Bernd Kunze und Co-Trainer Pascal Leyer. − Foto: Ernstberger

So ein Neuanfang, so eine Fluktuation, so ein Umbruch dürften einmalig in der Geschichte der Fußball-Bayernliga sein: Beim TSV Landsberg ist alles weg, was an die Saison 2023/24 erinnert:

Das gesamte Trainer- und Betreuerteam genauso wie die komplette Mannschaft. Mit – Stand jetzt – einer einzigen Ausnahme: Lediglich Maxi Holdenrieder hat (wie auch Hauptsponsor 3C) am Lech verlängert – mit seinen 27 Jahren ist er künftig der „Senior“ in einer blutjungen Bayernliga-Mannschaft.

„Jung, regional und hungrig“ – nach diesen Gesichtspunkten haben Sportdirektor Marko Braovac (35) und Trainer Bernd Kunze (50) den „neuen TSV Landsberg“ zusammengestellt. Vorbei also die Zeit teurer „Stars“, vorbei die Zeit der „Ex-Löwen-Filiale.“ Schließlich auch vorbei die Zeit des „TSV Mölders“. Nachdem der Verein kurz vor Saisonende (wie auch Meister SV Erlbach und Vize SV Heimstetten) aus finanziellen Gründen auf den möglichen Aufstieg in die Regionalliga verzichtet und die Trennung von Spielertrainer Sascha Mölders (39) bekannt gegeben hatte, begann bei den Lechstädtern der totale „Ausverkauf“. Ex-Bundesliga-Profi Mölders verkündete sein Karriere-Ende und kündigte an, künftig einen Regionalligisten (außerhalb von Bayern) zu trainieren – bis jetzt weiß aber noch niemand, um welchen Verein es sich handelt. Sein Co-Spielertrainer Mike Hutterer hat sich mittlerweile (nur als Spieler) genauso wie Ex-Löwe Lorenz Knöferl und Alessandro Di Rosa Regionalligist Türk Gücü München angeschlossen, Daniel Leugner und Nico Helmbrecht tragen künftig das Dress von Bayernliga-Aufsteiger TSV Grünwald, Torjäger Nico Karger wechselt nach Pipinsried, Luis Vetter zum TSV Memmingen, Achim Speiser ist nach Kottern zurückgekehrt, Steffen Krautschneider hat den TSV in Richtung Würzburger FV verlassen, auch das Keeper-Trio ist Geschichte: Ricco Cymer geht wieder nach Saarbrücken, Fabio Rasic nach Heimstetten und Abdoul Gueye steht bereits seit dem Frühjahr bei Wacker Innsbruck im Kasten. Andere Ex-TSVler wie Timo Spennesberger, Tino Reich oder Nikola Aracic, hoffen noch auf Verträge in der Regionalliga.

Viel Arbeit also für Braovac, Kunze (zuletzt Sportchef in Sonthofen, früher u.a. Trainer sowie sportlicher Leiter in Memmingen) und seinen neuen Co-Trainer Pascal Leyer (34/zuletzt TSV Burggen/Bernbeuren). Vorm Trainingsauftakt am Montag liefen die Telefone heiß – der neue Coach hing den ganzen Türkei-Urlaub über am Handy. Schließlich will er nicht mit irgendeinem Team in die Saison gehen, sondern mit einer Mannschaft, „die nicht nur gelaufen ist und gekämpft, sondern auch fußballerisches Können gezeigt hat“. Die ersten 14 Spieler, die das bewerkstelligen sollen, stehen bereits fest, insgesamt soll der Kader für die Saison 2024/25 aus „20 bis 22 Spielern plus zwei Torhütern“ (das sind Leopold Leimeister/21 und Felix Unger/20) bestehen. Außer Holdenrieder sind alle Akteure 20 bis 24 Jahre alt, sie kommen aus einem Umkreis von „30 bis 40 Kilometern“, so Braovac. Die bekanntesten Neuzugänge sind (bis jetzt) Stürmer Antonios Masmanidis (23) vom TSV Dachau und Allrounder Kilian Pittrich (22), der frühere Kauferinger, der nach einem Jahr beim künftigen Regionalligisten Schwaben Augsburg in den Landkreis Landsberg zurückkehrt.

Hochgesteckte Ziele, wie in den letzten beiden Jahren den Regionalliga-Aufstieg, wird es in der neuen Saison nicht geben. Kunze: „Entscheidend ist, dass die Mannschaft schnell zusammenfindet.“ Erster Auftritt des neuen TSV Landsberg: Am Samstag, 22. Juni, ab 11 Uhr beim Heim-Turnier mit dem TSV Schwabmünchen, Schwaben Augsburg und dem FC Kempten.