Nachfolger soll schon feststehen
Paukenschlag beim FC Bayern: Trainer Julian Nagelsmann gefeuert

23.03.2023 | Stand 17.09.2023, 0:33 Uhr |

Seinen mehrjährigen Vertrag (bis 2026) soll Julian Nagelsmann in München offenbar nicht erfüllen. Nach zweieinhalb Jahren soll Schluss sein. −Foto: Marius Becker/dpa

Die Niederlage in Leverkusen war zu viel: Der FC Bayern trennt sich Medienberichten zufolge von Trainer Julian Nagelsmann. Der Nachfolger soll bereits feststehen: Thomas Tuchel.



Die Meldungen von Nagelsmanns Entlassung machten am Donnerstagabend rasend schnell die Runde, Julian Nagelsmann aber wurde offenbar völlig überrumpelt. „Nein“, sagte der 35-Jährige dem kicker, er wisse „noch nicht“, dass er beim Rekordmeister durch Thomas Tuchel ersetzt werden soll. Die Bild-Zeitung und der kicker dagegen meldeten da bereits, dass das Aus des Trainers beschlossene Sache sei – und der frühere Dortmunder Tuchel als Nachfolger bereitstehe.

Laut kicker habe es in den vergangen Tagen bereits Kontakt zwischen den Bayern und Tuchel gegeben. Der 49-Jährige ist seit seiner Entlassung beim FC Chelsea im September 2022 ohne Job – im Sommer 2021 hatte er mit den Londonern die Champions League gewonnen.

In jenem Sommer war Nagelsmann nach München gekommen, 25 Millionen Euro überwies der Klub dafür an RB Leipzig. Und spätestens in dieser Saison durfte man auch vom Titel in der Königsklasse träumen, Nagelsmanns Team gewann sämtliche seiner bislang acht Spiele auf internationalem Parkett. In der Liga aber schwächeln die Bayern.

Bayern spielt schlechteste Bundesliga-Saison seit elf Jahren



Unter Nagelsmanns Regie spielt München die schlechteste Bundesliga-Saison seit elf Jahren. Am Sonntag hatte Bayern 1:2 bei Bayer Leverkusen verloren – und damit erstmals seit dem zwölften Spieltag auch die Führung in der Tabelle. Dort liegen sie nun auf dem zweiten Platz hinter Borussia Dortmund. Nach der Länderspielpause kommt es am 1. April in München zum direkten Duell mit dem Spitzenreiter.

Dennoch hatte nichts auf eine Trennung hingedeutet. Sportvorstand Hasan Salihamidzic sprach zuletzt von einem „Langzeitprojekt“ mit Nagelsmann, auch Vorstandschef Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer nahmen den Coach wiederholt in Schutz.

Doch die Leistungen in der Liga waren zuletzt zu schwankend – und mit Tuchel ist ein ausgewiesener Fachmann auf dem Markt. Bereits in der Vergangenheit hatte es Kontakt zwischen den Bayern und dem Coach gegeben.

Salihamidzic kritsierte das Team am Sonntag heftig



In Leverkusen war Salihamidzic geradezu ungehalten, er habe von den Spielern „nicht das“ gesehen, „was Bayern München bedeutet“, sagte er. Seine Mängelliste war entsprechend lang: „So wenig Antrieb, so wenig Mentalität, so wenig Zweikampfführung, so wenig Durchsetzungsvermögen habe ich selten erlebt.“

Dabei hatte Nagelsmann nach dem dominanten Einzug ins Viertelfinale der Champions League gegen Paris St. Germain noch betont, dass die Bayern „alles erreichen“ können - allerdings nur, „wenn wir die maximale Gier und Emotionalität mit unserer Qualität paaren“.

Das gelingt in der Bundesliga allerdings zu selten. Vor der WM-Pause hatten die Bayern neun Punkte Vorsprung auf den BVB, nun liegen sie einen Zähler zurück. Dazu kommen die Diskussionen über den „Maulwurf“ bei den Bayern, der Nagelsmanns Taktik an die Presse gegeben hatte.

Für Nagelsmann hatte es in seinem ersten Jahr in München „nur“ zum Meistertitel gereicht, im Viertelfinale der Champions League gab es das überraschende Aus gegen Underdog FC Villarreal, im DFB-Pokal ein herbes 0:5 in der zweiten Runde bei Borussia Mönchengladbach.

− sid/jra/mid