Trainersuche ist beendet
Kommentar zum neuen Bayern-Coach: Sag niemals nie mit Kompany

30.05.2024 | Stand 30.05.2024, 16:30 Uhr

Muss mehr die Büroebene als die Kabine beim FC Bayern fürchten: Vincent Kompany. Foto: Scarff, afp

Die scheinbar unendliche Trainersuche des FC Bayern ist beendet, die damit verbundene Posse auch. Am Ende steht eine überraschend Auswahl eines „Abstiegstrainers“, der vielleicht selbst überrascht. Anzeichen gibt es. Ein Kommentar.



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Die größte Trainerüberraschung beim FC Bayern!? Das war zweifellos die Verpflichtung von Pep Guardiola vor etwas mehr als einem Jahrzehnt. Nicht ein Sterbenswörtchen kam über Monate an die Öffentlichkeit, als Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge den Starcoach in seinem „Sabbatjahr“ in New York anheuerten. Verglichen damit war die nun zu Ende gegangene Trainersuche eine Münchner Seifenoper, in der tagtäglich Details aus dem engsten Führungszirkel des Klubs zu allen möglichen Kandidaten herauskamen. Beim Mitzählen und Mitfiebern konnte man fast den Überblick verlieren: Das halbe Dutzend ist wohl voll. Und jetzt sind die stolzen Bayern mit einem „Abstiegstrainer“ einig. Wie bitte?

Kompanys Spielidee dürfte mit den Bayern-Profis funktionieren



Wer aber über die platten Parolen zu Vincent Kompany auf dem Boulevard der Schreihälse hinwegblickt und dafür eintaucht in die englische Premier League, der kann entdecken, was den einstigen Weltklasse-Verteidiger zu einer vielleicht überraschend gelungenen Lösung machen könnte. Beim souveränen Aufstieg mit dem kleinen FC Burnley glänzte seine Truppe vor allem spielerisch. Dass seine No-Name-Truppe danach sang- und klanglos im Kampf der Giganten unterging, lag vor allem an der fehlenden Finanzkraft im Milliardenspiel in England. Kompany blieb dabei seinem offensiven Spielstil und dem Aufbau von hinten heraus bis zuletzt treu, nahm immer wieder schwere Fehler in Kauf. Sein Plan dürfte mit den erfahrenen Bayern-Profis ganz anders gelingen als mit dieser Burnley-Truppe, deren Ansätze immerhin ansprechend waren.

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Vielleicht Lerneffekt aus verfrühtem Abschied von Nagelsmann



Aber ein talentierter Trainer, nicht mal 40, titellos? Das war auch der heutige Bundestrainer Nagelsmann, bevor er an die Isar kam und von dem die Bayern im Nachhinein sagen: Hätten wir den mal gehalten, ihm mehr Zeit gegeben. Vielleicht hilft dieser Münchner Lerneffekt im Fall Kompany weiter, der sich als vielsprachiger Kommunikator ohnehin weniger Sorgen um die Kabine als um die Büroebene machen muss.

Und wenn es schief geht? Spätestens in einem Jahr sind dann wohl einige der Trainer auf dem Markt, bei denen die Bayern aktuell noch abgeblitzt sind.