Bayerwaldler im Exklusiv-Interview
„Dieser Verwaltungsrat ist Gift“: So blickt Ex-Vize Hans Sitzberger auf den Machtkampf bei den Löwen

12.06.2024 | Stand 13.06.2024, 9:43 Uhr |

Blick zurück: Hans Sitzberger im Grünwalder Stadion. Nach seinem Rücktritt als Vizepräsident des TSV 1860 München ist auch sein Engagement als Sponsor bald Geschichte. − Foto: Imago Images

Er ist ein Sohn des Bayerischen Waldes, acht Jahre war er Vizepräsident des TSV 1860 München – bis er im Februar die Konsequenzen aus den Auseinandersetzungen mit dem Verwaltungsrat zog und zurücktrat: Hans Sitzberger (71) spricht im Interview mit der Heimatzeitung über sein aktuelles Verhältnis zum Verein, seinen Rückzug als Sponsor und warum er auch ohne Amt weiter Vereinspolitik macht.

Herr Sitzberger, Ihr Rücktritt liegt nun etliche Wochen zurück. Wie geht es Ihnen?
Hans Sitzberger: Mir geht es tatsächlich sehr gut, vielen Dank!

Wie sehen Sie die aktuelle Situation, in der sich der Verein befindet?
Sitzberger: Diese Antwort ist für mich sehr vielschichtig. Der Verein besteht aus 17 Abteilungen, und es gibt in jeder einzelnen dieser Abteilungen engagierte, sehr talentierte und erfolgreiche Sportler, die oft viel zu wenig Beachtung finden. Ich weiß das deshalb so genau, weil es in meinen acht Jahren als Vizepräsident meine Aufgabe war, mich vor allem um genau diese Abteilungen zu kümmern. Ich durfte so viele einzigartige und schöne Momente mit den Sportlern und Mitgliedern dieser Abteilungen verbringen und ich denke unheimlich gern daran zurück. Wir verzeichnen im Verein Jahr für Jahr einen neuen Mitgliederrekord, haben mit dem Bamboleo nun ein neues Vereinsheim, es gibt immer neue Abteilungen und Sparten – das Löwenrudel wächst und ist sehr erfolgreich! Wenn wir im Speziellen über Fußball und die KGaA sprechen, glaube ich, dass der Verein sich – nicht zum erstenmal – in einer unheimlich schwierigen Situation befindet. Es gibt sehr viele sehr gegensätzliche Strömungen in den Gremien und unter den Fans, und das ist immer eine schwierige Situation für einen Verein. Ich glaube, die Mannschaft braucht Ruhe, Stabilität und Sicherheit, um erfolgreich zu sein.

„Man muss sich nicht in den Armen liegen“



An der Auseinandersetzung über den Umgang mit Hasan Ismaik leidet der Verein seit dessen Einstieg. Auch an Ihrer Person macht sich diese Spaltung fest: Ein Teil der Fans wirft Ihnen quasi ein Überlaufen zum Investor vor, der andere Teil lobt Sie als Stimme der Vernunft. Was war denn der Grund für Ihren Sinneswandel im Umgang mit Hasan Ismaik?
Sitzberger: Wie ich bereits viele Male ausgeführt habe: Es gibt in diesem Verein zwei Gesellschafter, da führt kein Weg dran vorbei. Ich bin fest davon überzeugt, dass die beiden Gesellschafter miteinander kommunizieren müssen, um den Verein zum Erfolg zu bringen. Ein konsequenter Konfrontationskurs mit konsequenter Nicht-Kommunikation untereinander kann nicht zielführend sein. Man muss nicht immer miteinander ins Wirtshaus gehen, man muss sich nicht in den Armen liegen, aber wenn man mit dem anderen nicht spricht und es zu keinerlei Austausch kommt, dann kann das einfach nicht der richtige Weg sein. Eine professionelle Kommunikation auf der Sachebene sollte von beiden Seiten ausgehend praktiziert werden, für das gemeinsame, höhere Ziel: unseren Verein!

Jetzt nimmt der Verein den zugespitzten Konflikt mit in die Mitgliederversammlung. Sie sind zwar zurückgetreten, machen aber nach wie vor Vereinspolitik: Sie haben die Unzufriedenen zur zahlreichen Teilnahme an der Mitgliederversammlung aufgerufen, Sie haben Alexander Hofmann, Klaus Lutz und Klaus Ruhdorfer für die Wahl zum Verwaltungsrat vorgeschlagen. Macht das alles besser oder nur noch schlimmer?
Sitzberger: Tja, das liegt am Ende im Auge des Betrachters, würde ich sagen. Der aktuelle Verwaltungsrat sieht mein Schalten und Walten sicherlich nicht gern, aber damit kann ich umgehen. Ich glaube einfach, dass der Verwaltungsrat in der aktuellen Besetzung Gift für unseren Verein ist, und nach allem, was ich in diesem Zusammenhang mit diesem Verwaltungsrat erleben musste, weiß ich: Da muss ein Umschwung her! Ich möchte abermals die Mitglieder, die mit dem aktuellen Treiben im Verwaltungsrat nicht konform gehen, auffordern, zur Mitgliederversammlung am 16. Juni in der Zenithhalle in München zu kommen, um den notwendigen Umschwung herbeizuführen. Jede Stimme zählt! Das sehe nicht nur ich so: Verschiedene Abteilungen haben sich formiert und all ihre Mitglieder aufgefordert, zur Wahl zu kommen, weil sie sich aufgrund der Fokussierung des Verwaltungsrats und des Präsidenten aufs Politische schlicht und ergreifend vernachlässigt fühlen.

Der Slogan „Mia kehr’n zam“, der die Kehrmaschinen Ihrer Firma ziert, ist zum Sinnbild Ihres Engagements bei den Löwen geworden. Sie sponsern das Löwenradio, machen Bandenwerbung im Grünwalder und vieles mehr. Ist dieses Engagement nach Ihrem Rücktritt in Gefahr oder denken Sie sogar an eine Rückkehr in ein Amt bei den Löwen?
Sitzberger: Das Sponsoring unseres Unternehmens bei der KGaA ist zum 30.6.2024 gekündigt. Nach allem, was im Frühjahr dieses Jahres passiert ist, nach all den Monaten des Mobbings durch unseren Präsidenten, nach der völlig haltlosen öffentlichen Diffamierung des Verwaltungsrates gegen mich haben meine Kinder, die inzwischen alleinige Geschäftsführer des Unternehmens sind, diese Entscheidung getroffen und sehen zum aktuellen Zeitpunkt auch keinen Weg zurück. Abermals ein Amt bei den Löwen zu übernehmen, steht für mich zum aktuellen Zeitpunkt ebenfalls nicht zur Debatte.

„So oft es geht, sind wir im Bayerischen Wald“



Werden Sie also künftig mehr Zeit in Ihrem Geburtsort Schönberg im Bayerischen Wald verbringen?
Sitzberger: Der Bayerische Wald und im Speziellen Saunstein bei Schönberg ist meine Heimat und wird es auch für immer blieben. Selbst meine Kinder bezeichnen den Bayerischen Wald als „dahoam“, obwohl sie beide in München geboren sind – sie haben eben weder von mir noch von meiner Frau Bettina je etwas anderes gehört. Wir sind noch immer im Bayerischen Wald, so oft es geht. Meine besten, langjährigen und echten, richtigen Freunde leben alle dort und wenn es einen Ort auf der Welt gibt, wo ich wirklich hingehöre, dann ist es der Bayerische Wald. Und das wird sich vermutlich auch niemals ändern!

Ihr Wunsch für die Zukunft der Löwen?
Sitzberger: Ja, da kann man vermutlich jeden Löwenfan fragen und bekommt fast immer die gleiche Antwort: Mein größter Traum ist der Münchner Rathausbalkon. Der Aufstieg! Und falls das im Moment ein Griff nach den Sternen ist, dann wünsche ich mir sportlichen Erfolg und ein harmonisches Miteinander. Das können wir gemeinsam schaffen, das weiß ich!