Kommentar
Borussia Dortmund im Champions-League-Finale: Sehr gut, aber nicht gut genug

02.06.2024 | Stand 02.06.2024, 20:25 Uhr |

Trauriger Abschied: Als weitere bittere Pointe in Marco Reus’ von schweren Verletzungen und verspielten Titeln geprägten Karriere wird sein zweites verlorenes Champions-League-Finale eingehen. Foto: Imago Images

Borussia Dortmund hatte Real Madrid in die Enge getrieben und musste sich im Champions-League-Finale am Samstagabend in London doch mit 0:2 (0:0) geschlagen geben. Die Frage „Woran hat es gelegen?“ zu beantworten, fällt mit Blick auf die Partie in Wembley nicht einfach.

Wieder war alles in Dortmund für die große Party vorbereitet: Die Route für das Autokorso rund um den Borsigplatz mit Spielern und Verantwortlichen der Borussia war ausgesucht, die Biervorräte in den Lokalen und Bars aufgefüllt, die Fassaden der Häuser und Wohnungen in den Vereinsfarben Schwarz und Gelb beflaggt. Wie schon vor einem Jahr am letzten Bundesliga-Spieltag hatte der BVB am Ende einer grandiosen Saison nun auch in der Champions League nichts zu feiern. Die Frage „Woran hat es gelegen?“ zu beantworten, fällt mit Blick auf die Partie in Wembley nicht einfach.

Böse Zungen behaupten, dass Real Madrid 70 Minuten lang so schwach war, dass es klar gewesen sei, dass sie am Ende gewinnen. Unterlegen waren die „Königlichen“ aber zuvorderst, weil der BVB sich im Laufe des Wettbewerbs vom todgeweihten Gruppen-Außenseiter zum glaubhaften Anwärter auf den Pokal erhob, vor den Augen seines Ex-Trainers Jürgen Klopp lange Zeit beinahe alles richtig machte und aggressiv in den Zweikämpfen sowie mutig im Spiel nach vorne war. Letztlich jubelte dennoch wieder Rekordsieger Real, zum insgesamt 15. Mal im ehemaligen Landesmeister-Cup – warum eigentlich?

BVB offenbarte im Finale ein Defizit zu viel



Das gerne zitierte Quäntchen Glück, das sogar die Madrilenen (seit 40 Jahren kein Europacup-Finale mehr verloren) für große Erfolge benötigen, war für Dortmund nach dem Halbfinale aufgebraucht, als der BVB in Hin- und Rückspiel gegen Paris Saint-Germain ganze sechs (!) Aluminiumtreffer schadlos überstanden hatte. Die Abschlussstärke war nicht komplett titelreif (siehe Karim Adeyemi oder Julian Brandt im Eins-gegen-Eins gegen Keeper Thibaut Courtois), die Standards waren es überhaupt nicht: Brandts Ecken gerieten zu flach, während Toni Kroos’ Hereingaben für Gefahr sorgten.

Bei Reals Führungstreffer verwertete Daniel Carvajal (1,73 Meter) seine zweite Kopfballchance am kurzen Pfosten. Mit Blick auf die BVB-Größenvorteile (Mats Hummels und Nico Schlotterbeck, beide 1,91; Niclas Füllkrug, 1,89; Emre Can, 1,86) ist dies ein Zeugnis mangelnder Aufmerksamkeit. Am Ende offenbarte der BVB im Finale ein Defizit zu viel – welches spielt keine Rolle. Marco Reus (DFB-Pokalsieger 2017 und 2021) verlässt die Borussia ohne den ganz großen Titel. Die Karriere des 35-Jährigen in Dortmund und das Finale von Wembley aus BVB-Sicht haben eines gemeinsam: Nicht viel falsch gemacht, aber mit dem großen Glück hat’s einfach nicht sollen sein. Schade.