„Werden noch erfolgreicher“
Bayern-Campus wird zur Profi-Schmiede: 40 Prozent landen mittlerweile im bezahlten Fußball

10.07.2024 | Stand 10.07.2024, 15:21 Uhr |

Arijon Ibrahimovic, der 2020 beim Sonnenland-Cup in Passau zum besten Spieler des C-Jugend-Turniers gewählt wurde, bekommt nach einem Jahr beim Serie-A-Klub Frosinone Calcio die Chance, sich im Profi-Kader des FC Bayern zu beweisen. − Foto: imago images

Als der FC Bayern 2017 seinen für 70 Millionen Euro errichteten Nachwuchs-Campus einweihte, meinte der damalige Präsident Uli Hoeneß: „Ich bin überzeugt, dass wir damit die richtige Antwort auf die Entwicklung im internationalen Fußball geben können, auf den ganzen Transferwahnsinn und die Gehaltsexplosionen.“



Lange schien diese Einschätzung falsch zu sein, es hagelte vielmehr Kritik an der Nachwuchsarbeit der Münchner, aus der scheinbar nur wenige Spieler den Sprung in den Profibereich schafften. Doch mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. In jüngster Vergangenheit konnte man in regelmäßigen Abstände Erfolgsmeldungen aus München hören.

Mit Josip Stanišic, Aleksander Pavlovic und Jamal Musiala sollen gleich drei Spieler vom Campus wichtige Bestandteile der aktuellen Profimannschaft des deutschen Rekordmeisters werden. Zudem wurde mit Arijon Ibrahimovic (Leihe zu Frosinone ) ein sehr spannendes Sturm-Juwel zurückgeholt, das in der Vorbereitung die Chance bekommt, sich beim neuen Chefcoach Vincent Kompany zu zeigen.

Tatsächlich landen immer mehr Bayern-Talente im Profifußball. Nach neusten Berechnungen des Vereins sind es fast 40 Prozent der Absolventen aus den Jahrgängen 1999 bis 2003 – „Tendenz steigend“, so die Verantwortlichen. „Sieben Jahre nach der Eröffnung des Campus ernten wir tatsächlich immer mehr die Früchte unserer guten Nachwuchsförderung“, sagt Jochen Sauer, Direktor Nachwuchsentwicklung und Campus, auf der Vereinshomepage.

Leihgeschäft wird immer wichtiger



Der Weg direkt vom Campus zu den Profis, erst Recht des Rekordmeisters, könne freilich nicht immer auf Anhieb gelingen. Daher sind Leihgeschäfte im Ausbildungskonzept der Münchner immer wichtiger geworden, wie Sauer bestätigt. „Die Vergangenheit hat mehrfach gezeigt, wie zielführend es für einen Spieler sein kann, über einen Umweg Stammspieler beim FC Bayern zu werden: Philipp Lahm, Toni Kroos und David Alaba haben es genauso gemacht, wie jüngst Josip Stanišic, der in Leverkusen als Spieler und als Persönlichkeit weiter gereift ist. Das Wichtigste für jeden Spieler ist es doch, regelmäßig Spielpraxis auf dem höchstmöglichen Niveau zu bekommen“, meint Sauer und nennt ein weiteres Beispiel: „Frans Krätzig macht jetzt in Stuttgart den nächsten Schritt, nachdem er das vergangene halbe Jahr bei Austria Wien nahezu jede mögliche Minute auf dem Platz stand. Auch Lovro Zvonarek ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Er hat letzte Saison sein Profidebüt gefeiert und bekommt nun bei Sturm Graz die Chance auf Einsätze in der Champions League. Oder Armindo Sieb, den wir aus Fürth zurückgeholt und nun nach Vertragsverlängerung zwei Jahre nach Mainz verliehen haben. Wir müssen da einfach immer wieder kreative Wege finden, um unsere Spieler bestmöglich auf dem Weg zum Profi zu fördern.“

Die Quote der Bayern-Talente, die es später in den bezahlten Fußball schaffen, sei mittlerweile „sehr hoch“, sagt Sauer und erklärt: „Bei den Campus-Absolventen der Jahrgänge 1999 bis 2003 sind wir bei fast vier von zehn Spielern, die Profifußballer werden. Im Schnitt vier Spieler aus jedem dieser Jahrgänge kamen sogar zum Pflichtspiel-Debüt bei unseren Profis. Insgesamt waren es seit Eröffnung des Campus 29 Debütanten. Auch bei den jüngeren Jahrgängen ab 2004, also bei den Spielern, die gerade erst im Männerfußball ankommen oder angekommen sind, sind schon viele regelmäßig in einer Profiliga unterwegs. Und ich bin überzeugt, dass wir in Zukunft da noch erfolgreicher sein werden.“