Hebertsfelden
Forschung bis an die Grenzen des physikalisch Machbaren

13.06.2024 | Stand 13.06.2024, 5:00 Uhr |

Familienunternehmen in dritter Generation (v.l.): Dominik und Johanna Reichl, Geschäftsführung seit 2010, Margarete Schmidbauer, sie war 1949 Mit-Gründerin mit ihrem Mann Ignaz Georg, sowie Rita und Heinrich Schmidbauer, Geschäftsführung von 1987 bis 2010 .  − F.: Schmidbauer

Am 1. Juli 1949 eröffnete Ignaz Georg Schmidbauer seinen Reparaturbetrieb für Transformatoren und Spulen. Es war der Grundstein für die Schmidbauer Unternehmensgruppe, deren Produkte heute weltweit gefragt und im Einsatz sind: in Testzentren der Batteriefertigung, in Bussen und Straßenbahnen, auf Land- und Baumaschinen, in Zügen oder zunehmend auch auf Schiffen. An zwei Standorten entwickeln und fertigen rund 250 Mitarbeiter alle Arten von Wickelgütern, von kleinen HF-Spulen bis zu großen Filterdrosseln, vom rückspeisefähigen Netzfilter bis zu kundenspezifischen Stromversorgungen, zum Beispiel für die hochmodernen Züge des Metronetzes in Chicago, eines der größten weltweit.

Am kommenden Samstag wird 75-jährige Bestehen in Hebertsfelden gefeiert. Der Fokus aller Forschungsarbeiten und Neuentwicklungen liegt darauf, die Ursachen der physikalisch nicht vermeidbaren Verluste besser zu verstehen, mit dem Ziel, diese weiter zu minimieren, erklärt das Unternehmen anschaulich. So werden etwa Transformatoren dann ausgesprochen kompakt und energieeffizient, wenn es gelingt, die Verlustwärme verlässlich aus dem Inneren abzuführen. Ideal dafür geeignet ist die Kühlung mit Wasser. Schmidbauer ist es gelungen, diese potenzialfreie Kühlmethode zu skalieren und kann nun Transformatoren von 20 bis 2500 kVA Leistung produzieren. Sie werden für Schaltungstopologien verwendet, für die hohe Wirkungsgrade erforderlich sind, aber der Bauraum begrenzt ist, erklärt das Unternehmen. Gemeinsam mit Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen wie dem KIT erforscht Schmidbauer, wie sich der ökologische Fußabdruck seiner Produkte und Fertigungsverfahren weiter reduzieren lässt. Damit Transformatoren – und mit ihnen die gesamten Baugruppen der Leistungselektronik – kleiner werden können, müssen die Schaltfrequenzen steigen.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich nicht nur der Umsatz mehr als verdreifacht, auch die Zahl der Mitarbeiter ist stark angestiegen. Alleine in der Entwicklung sind 20 Spezialisten mit der Elektromobilität beschäftigt.

Schmidbauer ist seit über zwei Jahren CO2-neutral, wie es stolz heißt. Der Altbau von 1951 wurde energetisch optimiert und auf Wärmepumpen umgerüstet; geheizt wird zu einem großen Teil mit der Abwärme der eigenen Prozesse. Heizöl im Unternehmen wurde 2021 abgeschafft.

− mgb