Kauflust dafür im Keller
Deutsche international weit vorn beim Sparen: So viel Geld legt jeder im Schnitt zurück

24.10.2023 | Stand 25.10.2023, 21:50 Uhr

Je 100 Euro verfügbarem Einkommen wurden im Schnitt 11,30 Euro gespart. Monatlich entspricht das einem Betrag von im Schnitt 260 Euro je Einwohner.  − Symbolbild: dpa

Trotz hoher Inflation sind die Deutschen weiterhin Meister im Sparen – und im internationalen Vergleich bei der Sparquote weit vorne. Das Statistische Bundesamt im Vorfeld des Weltspartags (2023 am 30. Oktober) bekannt, wie viel jeder Bürger im Schnitt auf die hohe Kante legt. Gleichzeitig bleibt die Kauflust im Keller.



Lesen Sie auch: Aktuelle Analyse der Arbeitsagentur: So viel verdienen Angestellte in der Region

Im ersten Halbjahr haben die Bürger demnach in etwa so viel auf die hohe Kante gelegt wie im Vorjahreszeitraum. Die Sparquote lag bei 11,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Je 100 Euro verfügbarem Einkommen wurden im Schnitt 11,30 Euro gespart. Monatlich entspricht das einem Betrag von im Schnitt 260 Euro je Einwohner.



Rund sechs Prozentpunkte höher war die Sparquote jeweils im ersten Halbjahr der Corona-Jahre 2020 und 2021. Während der Pandemie hatten viele Menschen mehr Geld übrig als in normalen Zeiten, da zum Beispiel Urlaubsreisen ausfielen und Freizeiteinrichtungen zeitweise geschlossen waren.

Lesen Sie auch: Interaktiver Rechner: Wie arm oder reich bin ich mit meinem Einkommen?

Konsumlust der Verbraucher in Deutschland bleibt wegen der hohen Inflation gedämpft



„Vor allem die hohen Preise für Nahrungsmittel schwächen die Kaufkraft der privaten Haushalte und sorgen dafür, dass der private Konsum in diesem Jahr keine Stütze der Konjunktur sein wird“, erklärten unterdessen am Dienstag die Marktforschungsunternehmen GfK und NIM. Für November erwarten sie einen Rückgang des Konsumklimas um 1,4 Punkte auf 28,1 Punkte.

Die Konjunkturerwartungen der privaten Haushalte verbesserten sich zwar leicht - eine nachhaltige Konjunkturerholung ist laut GfK und NIM in diesem Jahr aber nicht in Sicht. Die Einkommenserwartung der Verbraucherinnen und Verbraucher dagegen sank im Oktober. „Nach wie vor befinden sich die Einkommensaussichten im Würgegriff der Inflation“, kommentierte Konsumexperte Rolf Bürkl vom NIM.

Die Neigung der Haushalte zu größeren Anschaffungen blieb im Oktober nahezu unverändert. „Damit bleibt auch das Niveau niedrig“, erklärte Bürkl. Ein geringerer Wert für die Konsumneigung sei zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2008 gemessen worden.



Konkrete Sparquote je nach Haushalt stark unterschiedlich



Abhängig von Einkommenshöhe, Sparneigung und Lebenslage gibt es den Wiesbadener Statistikern zufolge aber deutliche Unterschiede zwischen den Haushalten. Während einige nach wie vor viel Geld auf die Seite legen konnten, sei bei anderen am Ende des Monats nichts übrig, „was sich für viele Haushalte durch die nach wie vor hohen Preisanstiege für Waren des täglichen Bedarfs noch verschärft haben dürfte“.

Lesen Sie auch: Über 2000 Euro Rente im Alter: Wie viel Gehalt muss man dafür verdienen?

Österreicher sparen deutlich weniger als Deutsche, Schweizer deutlich mehr



Im Vergleich zu anderen Industriestaaten legten die Menschen in Deutschland 2022 überdurchschnittlich viel beiseite. In Italien etwa lag die Sparquote bei 2,1 Prozent, in den USA bei 3,7, in Japan bei 5,4 und in Österreich bei 8,8 Prozent, wie die Statistiker unter Berufung auf Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) berichteten. Höhere Sparquoten als in Deutschland mit gut 11 Prozent wiesen demnach die Schweiz mit 18,4 Prozent und die Niederlande mit 12,7 Prozent auf.

− dpa/AFP/che