Deutsches Theater München
Vogelwild, kunterbunt und rockig: „Die Zauberflöte“ als Musical

15.04.2024 | Stand 19.04.2024, 14:42 Uhr

Ziemlich anders als in Mozarts Singspiel sieht „Die Zauberflöte – Das Musical“ aus, Glamour-Girls inklusive. − Foto: Michael Böhmländer

Das Opernmeisterwerk von Wolfgang Amadeus Mozart „Die Zauberflöte“ wurde 1791 am Freihaustheater in Wien uraufgeführt. Als Musical mit Musik von Frank Nimgsgern und Songtexten von Aino Laos feierte der Klassiker seine Weltpremiere jetzt im Deutschen Theater in München. Zwischen den beiden Versionen liegt also ausreichend Abstand. Und die Zeit sowie das Publikum sind wohl reif für eine andere und moderne Interpretation der fantastischen Geschichte um die Königin der Nacht, ihren Gegenspieler Sarastro, Prinzessin Pamina und Prinz Tamino.

Die Musik ist neu und hat mit Mozart wenig zu tun

Bei der Story hält sich Autor und Regisseur Benjamin Sahler weitgehend an die Originalvorlage, verleiht ihr aber mit viel Fantasie und Farbe einen wunderbaren neuen Anstrich. In der neuen „Koloratur“ spielt natürlich auch Paradiesvogel und Vogelhändler Papageno eine wichtige Rolle. Überhaupt kommen viele bunte und wilde Vögel wie z.B. der überdrehte Kakadu vor.

„Zauberflöte – Das Musical“ ist buchstäblich eine vogelwilde Angelegenheit, die fast drei Stunden lang für akustische und auch optisch große Unterhaltung sorgt. Da taucht das Publikum zum Beispiel in einen sprichwörtlich fantastischen Zauberwald ein. Das tolle Bühnenbild von Marcus Bendel, Nicolai Poell und Oli K. fordert und verwöhnt das Auge ebenso wie die wunderbaren kunterbunten Kostüme von Raphaela Dürr und Lisa Rietzler. Tanzende Blumen, die an Schlingen schwingende Papagena, die am Ende mit ihrem Papageno zusammen findet und eine große Schlange sind nur einige von vielen Highlights.

Apropos Papageno – der wird von Tim Wilhelm, Sänger der Münchener Freiheit, vokal ansprechend und witzig verkörpert. Die Klasse der restlichen Castmitglieder wie Patrick Stanke als Tamino und Katja Berg als Königin der Nacht steht ohnehin außer Frage. Beide haben ebenso ihre starken Momente wie Christian Schöne als Sarastro und Chris Murray als Monostratos. Gerade letzter überzeugt mit der extrem kraftvollen Nummer „Rache ist süß“. Überhaupt sind die mehr als 20 Songs, die Frank Nimsgern für dieses opulente Werk komponiert hat, stellenweise ziemlich rockig, und die Königin der Nacht lässt es gleich zu Beginn ordentlich krachen.

Die dazu passende und ebenfalls kraftvolle Choreografie von Stefanie Gröning (spielt auch die Papagena), Anna Martens und Alina Groder tut ein Übriges, um dem Ganzen Wucht und Würde zu verleihen. Und Witz, denn sowohl die Königin der Nacht als auch alle anderen Charaktere hauen schon mal die eine oder andere Pointe und gelungene Spitze heraus. Für die großen Gefühle sorgt vor allem Misha Kovar als Prinzessin Pamina. Ihr Stück „Ohne dich“ ist voll emotionaler und energetischer Tiefe.

Die Musik ist neu komponiert. Nur vereinzelt wird eine Mozart-Melodie zitiert bzw. mit „Der Hölle Rache“ ein einziges Original – natürlich auch das im rockigen Arrangement – ins Stück übernommen. Nimsgerns Musik ist wirklich toll und eingängig. Die eine oder andere Nummer hat durchaus das Zeug zum Musicalklassiker. Einziger Wermutstropfen – der Sound kommt vom Band. Was hätten diese Melodien für eine Wirkung, wenn sie live von einem Orchester gespielt würden? Aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau, denn „Zauberflöte – Das Musical“ ist letztendlich ein großer Ohren- und Augenschmaus, mit dem wohl mancher Skeptiker so nicht gerechnet hätte. Standing Ovations am Schluss? Selbstverständlich!

Martin Buchenberger


Bis 21. April im Deutschen Theater München, 089/55 234 444