Spätes Mittelalter, Renaissance, Barock
Tage Alter Musik an Pfingsten in Regensburg schon fast ausverkauft

13.05.2024 | Stand 13.05.2024, 5:00 Uhr |

Blick in Regensburgs Reichssaal bei den Tagen Alter Musik: Der Reiz des Festivals ist Musik von Weltklasse-Interpreten an historischen Städten in der Welterbestadt. − Foto: Hanno Meier, Archiv

Die Tage Alter Musik in Regensburg sind eine Perle und strahlen international aus. Auch 2024 melden die Macher Ludwig Hartmann, Stephan Schmid und Paul Holzgartner schon Wochen vor Eröffnung: Das Gros der Tickets ist weg. Für die 16 Konzerte von 17. bis 20. Mai liegt ein Kontingent von 8819 Karten auf. Dem Festival gelingt zuverlässig jedes Jahr das Kunststück, anhaltend hohe Begeisterung zu wecken – und zwar gleichermaßen bei Publikum, Musikkritikern und Künstlern.

Die Gäste reisen von weither an, viele Fans kommen zum Beispiel aus den USA, Weltklasse-Interpreten haben Pfingsten in Regensburg fest in ihrem Kalender. Reiz und Charme liegen in der stimmigen Verbindung von Raum und Klang: von Nachtkonzerten exzellenter britischer Vokalensembles in der Dominikanerkirche – acht Jahre lang aufs Feinste restauriert und gerade erst wieder eröffnet – und dem intimen Musikerlebnis mit Sopran und spanischer Vihuela im frühgotischen Juwel St. Ulrich bis zu Händels prächtigem, erschütterndem „Samson“ oder den groß besetzten Eröffnungskonzerten mit den Domspatzen in der Dreieinigkeitskirche.

Die Macher tun viel, um junges Publikum für frühe Werke ab dem Mittelalter zu begeistern. „Es geht auch um die Zukunft“, um niedrigschwelligen Zugang also, sagt Holzgartner. Er und Hartmann verweisen beim Gespräch mit der Mediengruppe Bayern auf ein Bündel an Angeboten. Bei zwei Gesprächskonzerten wird – Eintritt frei – nicht nur musiziert, sondern auch viel erklärt, zur Kunst der Flötenbauer und zur Musik am Hof von Sonnenkönig Ludwig XIV. Zu drei Aufführungen geben Spezialisten eine Einführung. Und selbst die Tagung in Kooperation mit der Uni Regensburg leuchtet „La Pellegrina“ breit zugänglich aus. Die Musik der Oper, von verschiedenen Komponisten zur Medici-Hochzeit 1589 geschrieben, erklingt in großer Besetzung von vier Ensembles. An Sängerinnen, Sänger und interessierte Zuhörer wendet sich der Kurstag in Kooperation mit der HfKM: Tenor Marco Beasley, auf das Umfeld der Florentiner Camerata um 1600 spezialisiert, bringt Studierenden Finessen bei.

2024 sind das Barockorchester Les Ombres, das Quartett Le Consort und die Mittelaltergruppe Apotropaïk zu entdecken, alle aus Frankreich und alle unter 30 Jahre alt. Théotime de Langlois de Swarte, große Geigenhoffnung, ist erst 29 und auf dem Sprung zur Weltkarriere, genau wie Tomasz Ritter, der mit der Kölner Akademie kommt. Der Hammerflügel, an dem Ritter Beethoven interpretieren wird, wirft ein Schlaglicht auf die Akribie und den Aufwand, mit denen das Festival historischer Aufführungspraxis und Originalklang dient: Das Instrument ist dem „k. und k. Hofpiano- und Claviermacher“ Conrad Graf nachgebaut und kommt aus einer Werkstatt aus Tschechien, erklärt Hartmann. Etliche Instrumente werden von Spezialisten angeliefert, gestimmt und im Konzert betreut.

Der Salzstadel wird ein Hotspot, bei der größten Ausstellung ihrer Art in Deutschland. Cembali, Blockflöten, Geigenbögen, Spinette: Hier finden Liebhaber Alter Musik nachgebaute historische Instrumente. Mit der Bach-Orgel der Dreieinigkeitskirche besitzt Regensburg selbst ein Spitzeninstrument. Seinen warmen, vielfältigen Klang lassen das Brüsseler Barockorchester Les Muffatti und Organist Bart Jacobs bei einem Bach-Konzert erleben, das via Großleinwand von der Orgel-Empore ins Kirchenschiff übertragen wird.

Marianne Sperb


Info und Karten auf der Seite tagealtermusik-regensburg.de