Passauer Konzertwinter eröffnet
Standing Ovations für die Weltmeister des Barbershop

16.10.2022 | Stand 19.09.2023, 4:20 Uhr |
Philipp Heidepeter

Wurden mit Standing Ovations belohnt: die Ringmasters. −F.: Heidepeter

Das schwedische Barbershop-Quartett Ringmasters war zu Gast in Passau – oder war es andersrum? Jedenfalls starten Didier Linder (Bass), Emanuel Roll (Bariton), Rasmus Krigström und Jakob Stenberg (Tenor) beim Auftaktkonzert des Konzertwinters der Gesellschaft der Musikfreunde in der vollbesetzten Aula des Leopoldinums mit dem Musicallied "Be Our Guest". Einen Frontmann gab es nicht, und so führten alle Sänger auf Deutsch und Englisch durch den Abend, der nicht nur Barbershop-Repertoire enthielt.

Bei Jazzklassikern wie "What A Wonderful World, bei Pop-Exkursen wie bei "I Get Around" von den Beach Boys oder auch bei einer rhythmisch komplexen Tanzmusik aus Georgien gestalteten die Sänger die Musik passend zum Genre auch mimisch und gestisch – ganz besonders gelang dies, als Bariton Roll bei Elvis Presleys "Teddy Bear" einen wilden Flirt mit dem Publikum hinlegte.

Auch musikalisch erlaubten sich die Barbershop-Weltmeister von 2012 rhythmische und harmonische Freiheiten und interpretierten etwa "Feelin’ Groovy" von Simon und Garfunkel mit deutlich mehr Funk und Jazz. Ihr Kernrepertoire vernachlässigten die Schweden keineswegs und ließen in ihrer Version von Sinatras "Come Fly With Me" auch didaktische Ansätze erkennen, als sie durch sukzessiven Stimmaufbau den typischen Aufbau eines Barbershop-Satzes erklärten. Auch bei der Heißgetränk-Ode "Java Jive" oder einem vollmundig angekündigten, aber von den höheren Stimmen unterbundenen Bass-Solo in einem Lied, das sich selbstreferenziell auch nur darum drehte, zeigte sich, was das Genre ausmacht: Wechsel zwischen textfreier Untermalung der Leadstimme durch die Nebenstimmen und homophonem Satz, flimmernde Obertöne und komplexe Harmonien, vor allem in den sogenannten Tags am Liedende – hier konnte sich Tenor Sternberg durch extrem lang gehaltene Grundtöne auszeichnen, um die seine Kollegen (ihrerseits mit Atempausen) fleißig modulierten.

Bemerkenswert, wie einig sich die Sänger in Artikulation und Dynamik waren. Crescendi und Forte-Passagen kippten jedoch in der Akustik der Aula teils von raumfüllend in Richtung überlaut. Leisere Passagen, nicht zuletzt bei volkstümlichen schwedischen Stücken, ließen dagegen die einzelnen Stimmen transparenter zutage treten. Indem das Quartett so seine stilistische Breite zur Schau stellte, gelang ein wohlbalanciertes Programm, zusammengehalten durch Komik und charmante Publikumsinteraktion. Das Publikum honorierte dies mit Jubel und Standing Ovations für eine Gruppe, die sich in der Tat als als glänzender Gastgeber präsentierte und ihrem Anspruch mehr als gerecht wurde.

Philipp Heidepeter

Nächster Termin beim Passauer Konzertwinter: 12. November, 19.30 Uhr Rathaussaal Passau, Kammerchor Figure humaine