Von Bob Dylan und Mick Jagger bewundert
Sie sang sich in die Herzen der Nation: Chanson-Star Françoise Hardy ist gestorben

12.06.2024 | Stand 12.06.2024, 19:00 Uhr |

Françoise Hardy jeweils aufgenommen 2005 und 1960.  − Fotos: dpa

Ihre Stimme war zart und fragil, ihre Chansons traurig und melancholisch. Bereits als Abiturientin sorgte die Französin mit ihren Liedern von Liebe, Sehnsucht und Abschied für Aufsehen. Auch in Deutschland. Im Alter von 80 Jahren ist Frankreichs Pop- und Chansonsängerin nun gestorben, wie ihre Familie am Mittwoch bestätigte. Seit Jahren kämpfte sie gegen Krebs.

Bereits ihr erstes Lied „Tous les garçons et les filles“, ein sanftes Chanson über Jungen und Mädchen ihres Alters, die auf der Suche nach Liebe sind, verkaufte sich 1962 in wenigen Tagen mehr als vier Millionen Mal und machte sie mit 18 Jahren über Nacht zum Star.

Für Monaco beim Eurovision Song Contest



Ein Jahr später trat sie mit „L’amour s’en va“ beim Eurovision Song Contest, damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson, für Monaco an und kam auf den fünften Platz. In Deutschland wurde sie mit „Frag den Abendwind“ und „Ich sag’ ja“ bekannt. Anfang bis Mitte der 60er wurden ihre ersten deutschen LPs eingespielt.

Die Sängerin, Texterin und Komponistin zierte die Titelseiten zahlreicher deutscher Illustrierten. Und mit Udo Jürgens trat sie 1968 sogar in einem Film auf. Wegen einer Bettszene blieb das Filmmusical „Françoise et Udo“ über die unerwartete Begegnung zweier Stars in Frankreich unveröffentlicht. Die deutsche Sprache war Hardy damals sehr vertraut. Jahrelang verbrachte sie regelmäßig ihre Sommerferien bei einer Familie in der Nähe von Innsbruck. Später studierte sie auch ein Jahr an der Pariser Sorbonne Germanistik.

Hardy komponierte viele ihrer Alben selbst und wurde zu einer der renommiertesten Songwriterinnen ihres Landes. Sie arbeitete mit den Besten der Musikszene und schrieb einige der schönsten französischen Chansontexte wie „La Question“, „Tant de belles choses“ und „Et si je m’en vais avant toi“. 1994 gab sie auch dem Drängen von Malcolm McLaren – einst Manager der Punkband Sex Pistols – nach, einen Song für dessen Platte „Paris“ zu schreiben.

Von der Familie klein gehalten



Einsamkeit, Liebe, Sehnsucht und Abschied: Themen, die ihre Lieder bestimmten und ihr Leben. 1944 als uneheliches Kind in Paris geboren, sagte sie über sich: „Wir haben bei meiner Großmutter gelebt, sie hat mich immer schlecht gemacht. Ich dachte, ich sei eine hässliche Landplage. Nicht wert, geliebt zu werden.“

Pech hatte sie auch in der Liebe. Ihr Herz hatte sie ihrem Künstlerkollegen Jacques Dutronc geschenkt, den sie 1981 heiratete. Eine „amour fatal“. An Verehrern hat es ihr nie gefehlt – unter ihnen Mick Jagger und Bob Dylan, der ihr auch Liebesbriefe geschrieben haben soll, wie sie sagte: „Er war anscheinend so von mir besessen gewesen, wie man das wohl nur sein kann, wenn man noch jung ist.“

− dpa