Konzert in der Olympiahalle
Shirin David in München: „Girl Power“ für die Gen Z

19.11.2023 | Stand 19.11.2023, 15:20 Uhr

Auf ihrer ersten Arena-Tour in Deutschland sind Pressefotos nicht erlaubt. Deshalb hier das Plakatmotiv von Shirin David. − Foto: Agentur

In den 90er Jahren propagierten die Spice Girls auf der Bühne „Girl Power“. Heute tun das Künstlerinnen wie Shirin David. Während seinerzeit Pop die Superpower der Generation X war, setzt die Gen Z auf Rap und Hip-Hop. Schon bei dem DJ-Duo NXN schallen in der randvollen Olympiahalle immer wieder Begeisterungsschreie durch die Halle und das bis in die Haar- und Fingerspitzen gestylte Publikum geht steil. Auch die 20-jährige Rapperin Josi aus Frankfurt bekommt viel Beifall für ihre Songs, die sich inhaltlich mit ihrem Job an der Kasse oder ihren Lieblings-Sneakern auseinandersetzen. Na gut, kann man machen. Schon Elvis Presley besang einst seine blauen Wildlederschuhe. Josi heute ihre „Air Force 1“ von Nike – Zeichen der Zeit!

So ein Zeichen ist und setzt dann auch Shirin David. Von der Youtuberin hin zur TV-Casting-Show-Jurorin, Podcasterin und erfolgreichen Rapperin – so gehen Karrieren heute. „Bambi“-Preisträgerin ist die Hamburgerin seit 2019 übrigens zusätzlich. Und jetzt noch Live-Künstlerin. Kann sie dabei mit ihren Reimen und zahlreichen Outfitwechseln ein ganzes Konzert stemmen? Witzigerweise stellt sie sich diese Frage in einem Videoeinspieler, von denen es einige gibt, sogar selber in einem gespielten Interview. Ja, lautet die Antwort. Die Shirin-Show ist gelungenes und großes Entertainment, das die Mädels und die Massen mitreißt.

Allein ihr Entree lässt keine Zweifel an der „Girl Power“ der 28-Jährigen zu. Die gigantische Videoleinwand auf der Bühne teilt sich, David schwebt herab und legt los. Zusammen mit zahlreichen Tänzerinnen macht sie gleich mit dem zweiten Titel „Ich darf das“ ihren Anspruch klar und deutlich. Dass die Musik dabei vom Band kommt, stört wirklich niemanden und ist bei derartigen Produktionen ja so üblich. In häufig wechselnder und oft gewagter Garderobe gibt sich die blonde Rapperin, die optisch und spirituell durchaus an die junge Madonna erinnert, sexy und selbstbewusst. Knackige Songs und Slogans wie „Last Bitch Standing“ oder „Bitches brauchen Rap“ zünden ebenso wie die später zum Einsatz kommenden Flammen. Dazu zündet die Künstlerin verbale feministische Botschaften und Ansagen gegen Hater und Gewalt in Beziehungen. Alles aber nie mit dem Holzhammer, sondern mit einem Augenzwinkern mit den verlängerten Wimpern.

Wenn Shrin David mit einem Jetski über die Bühne fährt, ist das großes und witziges Entertainment. Ebenso wie die Einlage mit ihren Showgirls und viel Federn. In einem eher romantischen Block zeigt die derzeitige „The Voice Of Germany“-Jurorin, dass sie nicht nur rappen, sondern auch singen kann. Shirin allein zum Piano und zur Harfe kommt gut. Bis 22.45 Uhr geht das Spektakel und die Generation Z ist vollends begeistert. Die Shirin-Show hat Eindruck hinterlassen. Wie nachhaltig dieser sein wird, wird sich zeigen, aber für den Moment hat die „Girl Power“ gesiegt.

Martin Buchenberger